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Southern Steel
Southern Steel, Halycon, 2001
Georg Bayer Lead Vocals
Christoph Berner Guitar, Slide Guitar
Volker Dörfler Guitar
Klaus Brosowski Piano, Organ, Accordeon, Harmonica, Vocals
Andy Kemmer Bass, Vocals
Helmut Kipp Drums
Gast:
Ralf Mende Vocals
Produziert von: Lizard Länge: 58 Min 32 Sek Medium: CD
1. Money World (Bayer/Dörfler) [4:44]7. Wanted (Lizard/Rosner) [3:03]
2. My Fears Are Gone (Bayer/Berner) [7:06]8. Spider Woman (Bayer/Kemmer) [4:56]
3. River (Bayer/Berner) [3:26]9. One Of These Days (Bayer/Berner) [6:19]
4. I'm A Man / Part I (Dörfler) [1:26]10. Ohio (Young) [4:00]
5. I'm A Man / Part II (Bayer/Dörfler) [4:15]11. Bayou (Kemmer) [3:53]
6. Boys Are On The Road (Bayer/Berner) [5:40]12. Lonesome Guitar (Brookshire) [10:56]

Ein paar Fragen vorneweg:

1. Glaubt jemand noch ernsthaft an eine neue (und nennenswerte) Studio-Scheibe der Allman Brothers?
2. Glaubt jemand noch, daß Lynyrd Skynyrd jemals noch spannende Konzerte abliefern werden?
3. Glaubt jemand, daß Doc Holliday nochmal eine amtliche Produktion hinkriegen?
4., 5. & 6. Glaubt jemand noch an eine Reunion von Blackfoot, Outlaws und Hatchet in Originalbesetzung?

Wer 6x mit Ja geantwortet hat kann aufhören zu lesen und soll weiter träumen.
Für alle anderen gilt: Hier habt Ihr alles, was der Southern Man & Fan braucht.

Die schwäbische Band LIZARD hat ihren vierten Longplayer gebaut. Um nicht zu sagen erschaffen.
Erstmals auf dem neuen Halycon Label aus Reinfeld.

Ich mochte die bisherigen Lizard CDs, aber letztlich hat es immer irgendwie an der Produktion gemangelt (außer auf der "Live"). Die Umsetzung des Live-Sounds gelang im Studio nie so 100%ig.
Anders hier. "Southern Steel" setzt Maßstäbe in punkto fettem, druckvollem und klarem Sound. Und damit meine ich nicht Maßstäbe im nationalen Bereich. Manche US-Band sollte sich an diesem Sound ein Beispiel nehmen.

Zur Musik:
Money World bläst einem gleich zu Beginn den Sumpf aus den Ohren. Pfundweise Gitarren und es rockt mächtig.
My Fears Are Gone hebt mit einem sauberen Solo ab. Nach gut 2 Minuten wird es dann richtig spannend. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das Keyboard leitet eine 5(!)-minütige Southern Session ein. Vergleichbares habe ich vor vielen Jahren letztmals gehört. Als Dickey und Duane noch mit Greg um die Wette gespielt haben...

River gibt dem Rockerherz keine Ruhe. Der Song marschiert. Und immer wieder die zweistimmigen Solis. Hach, seufz. I'm A Man ist zweigeteilt. Eineinhalb Minuten akustische Einleitung mit traumhafter Slide und Harp. Dann geht's zur Sache. Mr. Ingram: Watch out! So macht man spannende Intros mit folgendem Rocksong. Da wird nicht geholzt, da wird gespielt. Zweistimmig, mit Piano. Und überflüssige Soundwände von Synthie und ge-x-fachten Gitarren sucht man vergebens. Ganz geile Nummer.

Bei Boys Are On The Road hüpft der kleine Fred durchs Zimmerchen. Und wenn er einen Chevy hätte und in Florida wohnen würde... Auch hier wieder: Double-Leads, Druck ohne Ende, Slide, Breaks, Steigerung, Höhepunkt. Einfach furios. Und ich rede nicht vom Bumsen.
Wanted ist einfach ein netter kleiner Country Song. Hübsches Accordion und ein "echtes" Western-Solo.

Jon Lord bei Lizard? Die Orgel am Anfang von Spider Woman klingt so. Aber das schöne Intro entpuppt sich doch (nicht negativ gemeint) zu einem Southern Song. Oder soll man sagen: Zu einem tollen Rock Song?
Ein bißchen southern, ein bißchen hymnisch, ein bißchen hitverdächtig. Fährt ins Ohr, fährt ins Bein und knackt.

Und so geht das weiter und weiter. Ein Highlight jagt das nächste.

Der Abschluß der CD (außer man betätigt die Repeat-Taste) ist die zweite Coverversion. Lonesome Guitar von Doc Holliday. Mit Bruce Brookshire verbindet Lizard eine lange Freundschaft und viele gemeinsame Konzerte (und die Borderline CD mit Moody und Marsden).
Deswegen macht Lonesome Guitar hier auch Sinn und ist nicht einfach nur so dahingespielt.
Was in diesem Song nach 5 Minuten passiert, dürfte zum feinsten gehören, was deutsche Southern-Ohren (und Nasen) jemals vorgeführt bekamen. Wie es sich die Jungs, gitarrentechnisch, geben...Gänsehaut. Letztmalig bei den Outlaws gehört sowas. Und natürlich bei Doc Holliday.

Ja, was soll man (und auch Frau) sagen? Die beste Stunde (weil, die CD dauert nämlich knapp eine) deutscher Southern Rock-Musik aller Zeiten? Wer weiß es? Ich nicht. Jedenfalls kenne ich nichts besseres und ernenne "Southern Steel" zur besten deutschen Southern-Produktion. Und die Amis können in Deckung gehen.

Ein Rat an Georg Bayer noch: Kette diese Band an! Weil, wenn ein gewisser Herr Allman dem kindischen Gedudel von Derek Trucks überdrüssig wird, dann sind zumindest die Gitarristen von Lizard stark übernahmegefährdet. Und er selbst braucht womöglich einen Stuntman am Keyboard.

Und weil mir diese Platte so gut gefällt, habe ich dem Halycon Label einige Promo-Teile abgeschwatzt. Schaut mal auf die Seite Verlosungen/Preisausschreiben. Nicht einfach, diese Frage, aber die edlen Teile sollen in würdige Hände.
Danke an dieser Stelle an Volker Rieck. Wenn Halycon so weiter macht, dann steht uns noch mancher (southern) Hurrican bevor.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 21.03.2001

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