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Artikel/Biographien:
Kristofer Aström & Hidden Truck |
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Schweden und (Rock)Musik? Da denken die Hardrock-Fans doch gleich an das "Sweden Rock"-Festival und die älteren sagen "ABBA". Dann kommen Heavy Metal, Death Metal, Gothic Metal undsoweiter. Die Spezialisten hingegen kennen FIRESIDE und Kristofer Aström, der dort für Vocals und Guitar mit zuständig ist. Vor einer Woche flattert uns wieder einmal die CD eines bei uns noch unbekannten Musikers ins Haus. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um ein lohnendes Objekt handelt und die Beschäftigung mit dem Künstler und seiner Musik interessant sein wird. Und wie der Zufall so spielt, ist der Schwede mit seiner Band HIDDEN TRUCK auf Tour, auch in Deutschland, am 3. November wird er im schönen München seine Show abliefern. Aber das erfahren wir erst zwei Tage vor dem Termin. Die Musik auf "Leaving Songs" ist ruhig, melodisch, intim, introvertiert, so wie auch der Erschaffer mehr der verschlossene Typ ist, wie auf (noch) wenigen Seiten im deutschen Netz zu lesen ist. "Nichts für Suizidgefährdete" ist Freds treffender Spruch anlässlich der Weitergabe an den Repräsentanten der Melodiksparte. Dies trifft allerdings nicht auf mich zu, zuviel Singer/Songwriter/Folk hat meine Trommelfelle passiert und die Immunitätsgrenze ganz schön angehoben. Es gibt natürlich auch ein Infoblatt der Record Company V2 zur CD, das, wie man so schön sagen kann, zur "Legendenbildung" beiträgt. Denn: "One night Jari and I bought a case of beer and recorded 17 songs... at this house... the rest of the album was recorded at 'Studio KMH' in Stockholm on the last days of March and the first day of April 2001. The results from those days is what we call 'The KMH Sessions'... most of the session was recorded live with very few overdubs to bring out the spontaneous feeling rarely felt in studio recordings." So wird Kristofer zitiert. So weit, so gut. Aber war tatsächlich nicht die Zeit um bei Song Nr. 4 The Drive das Akkordeon doch neu einzuspielen? Bei den falschen Tönen schreckt ja selbst mein Kater aus dem tiefsten Mäuse-Jagd/Spiel-Traum auf. Ein sehr langsamer und ruhiger Song mit Gitarrenbegleitung, das Akkordeon spielt entsprechend langsame Einzeltöne dazu und liegt dann 2 Mal um einen Halbton daneben. Würde nicht sofort die Korrektur auf den gewollten Ton folgen, könnte es ja ein absichtlicher Effekt sein. Eine gewisse Absurdität
drängt sich auf: "Get Your driver's licence, steal your Daddy's car" macht 80 Prozent des gesungenen Textes aus und gewollt falsche Töne könnten dramaturgisch in Ordnung sein.
Wer die Songliste herunterliest und dabei nicht schläft, wird über Songtitel 10 und 11 stolpern: 10. Oh Lord und 11. Satan. Das hat was. Übrigens, Oh Lord ist mein Lieblingslied. Mit ihm ist Kristofer ein echtes Juwel gelungen. Er trifft ohne sein Wissen und Wollen (dazu später) den Stil und die Stimmung einer Musik, die schon Jahrzehnte auf dem Buckel hat: Iain Matthews - zum einen mit SOUTHERN COMFORT, zum anderen sein Soloalbum "If You Saw Through My Eyes", Alben, die heutzutage kaum jemand kennt. Und wie der Zufall manchmal so spielt, bekomme ich Tage später den Vorgänger "Northern Blues" vor die Ohren. Bei dieser CD habe ich es ziemlich leicht, nachdem ich "Leaving Songs" so einige Male gehört habe: Für mich ist ganz klar, "Northern Blues" kommt gegen die Neue nicht an. Spontaneität ist hier kaum zu hören. Wem empfehle ich nun, sich "Leaving Songs" mal genauer anzuhören? Ein Name ist mit Iain Matthews als einem der Pioniere des Folk Rock nicht amerikanischer Prägung schon genannt. Seine Alben aus den Siebzigern sind hier richtungsweisend. Um "Leaving Songs" zu promoten, haben KRISTOFER ASTRÖM & HIDDEN TRUCK eine Tour durch unsere Lande mit einem Abstecher nach Bern absolviert. Der Ort der Münchner Show am 2. November ist Neuland für mich. Das "Kafe Kult" ist im Bürgerpark Oberföhring, an dem ich doch schon mehrere 100 Male vorbeigefahren bin, allerdings ohne vom Kafe Kult zu wissen. Wir sind hier recht nahe dem nördlichen Stadtrand und ich habe echte Zweifel, dass genug Fans herfinden. Ich bin früh da, weil ich hoffe, ein paar Worte mit ihm wechseln zu können. Mein Wissen ist noch recht gering, weshalb wir auf einen richtigen Interviewtermin verzichtet haben. Ich treffe ihn und seine Begleiter im Backstage-Raum und während die Flaschen mit Münchner Bier ihrem Lebenszweck zugeführt werden, unterhalten wir uns. "Es war nicht leicht hierher zu finden" meint der Tourmanager und das kann ich verstehen. "Wie war's in Hamburg" will ich wissen und erfahre von Kristofer "... so um die 40, ganz ok." "Kristofer, was für Musik magst/hörst Du. Hast Du Vorbilder?" will ich wissen. "Alles", ist die Antwort. "Punk, Heavy Metal, Techno, alles - so lange es gut ist." Damit nimmt er mir den Wind aus dem Segel, da brauche ich nicht weiter zu fragen. "Wie steht's mit einer Tracklist?" - "Nach der Show". Na gut. Gegen halb Zehn ist das Kafe Kult mit etwa 80 Leuten circa zur Hälfte gefüllt und die Supportband beginnt ihren Gig, spielt 45 Minuten eigenes Material (2 Gitarren, Bass und Drums). Dafür zolle ich ihnen Respekt, auch wenn das Gebotene mich nicht zu weiteren Worten veranlasst. Sorry, Jungs, aber zumindest hat's nicht weh getan. Es ist fast Viertel vor Elf als Aström & Band endlich dran sind. Sehr spät in anbetracht dessen, dass wir schon ziemlich ausserhalb sind und 20 Minuten nach Mitternacht Bus-Deadline ist. Sie spielen alle Songs der neuen CD bis auf die Fremdkomposition Mr. Bojangles. Der Sound ist gut, was sicher Bandmitglied Nummer 6, dem Mann am Mischpult, zu verdanken ist und an der Show gibt es nichts auszusetzen bis auf zwei unmotivierte Feedback-Orgien der Gitarre. An der Haltestelle angekommen, vergehen kaum zwei Minuten und der Bus ist da. Timing ist alles.
Werner Saumweber, (Artikelliste), 05.11.2002
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