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| Hotel New York, Virgin Records, 2006 (2004) |
| Anouk |
Vocals |
| Hans Eijkenaar |
Drums |
| Michel van Schie |
Bass |
| Martijn van Agt |
Guitar |
| Leendert Haaksma |
Guitar |
| Ronald Kool |
Keyboards |
| Produziert von: Cliff Norrell & Anouk |
Länge: 45 Min 52 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Girl | 7. Help |
| 2. Heaven Knows | 8. Our Own Love |
| 3. More Than You Deserve | 9. Jerusalem |
| 4. Falling Sun | 10. One Word |
| 5. Lost | 11. I Spy |
| 6. Alright | 12. Fading |
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Oha, Frau "Bär" (die Bedeutung von "Anouk" bei den Inuit, was wiederum nichts anderes als "Menschen" heißt) hatten wir beinahe vergessen. Woran liegt's? An den Hitqualitäten ihrer Musik sicher nicht. Am Publikumszuspruch auch nicht, immerhin ist Anouk Teeuwe zuhause in Holland und den angrenzenden Beneluxländern ein Superstar und in Italien mit annähernd jeder CD und Single in den Charts. Nebenmärkte natürlich, nicht vergleichbar mit den Verkaufspotentialen in D-Land. Bleibt der Schluss, dass die Plattenfirma nicht will. Ist etwa Frau Anouk nicht lenkbar genug für deutsche Industriemanager? Sitzt da hinter dem hübschen Köpfchen gar ein denkendes Hirn und kein Püppchen mit beweglichen Ärmchen und Beinchen? Na, dann bemüht sich der Medienmogul doch lieber um die echte Zukunft der Populärmusik, Frau Biedermann, die tut wenigstens was man(n)* will und sieht auch putzig aus. Anders ist nicht erklärbar, dass "Hotel New York" bei uns erst mehr als ein Jahr nach Produktion und längst vergoldeten Erfolgen in den o.g. Sub-Ländern veröffentlicht wird. Man(n) kann nur immer wieder den Kopf schütteln über so viel Schmalspurdenken.
Entgegen der Ankündigung der Plattenfirma ("... kein klassisches Rockalbum, wie wir es von der Holländerin gewohnt sind, sondern ein abwechslungsreiches Album..."), ist "Hotel New York" ein klassisch abwechslungsreiches Rockalbum, ganz in der Anouk-Tradition seit 1997 geworden ("Together Alone", da sind mit Time Is A Jailer und Pictures On My Skin zwei Songs von unserem Favoriten Frank Carillo drauf!).
Die Unverschämtheit in diesem Werbetext sollte man(n) sich auf der Zunge zergehen lassen. Anhänger klassischer Rockmusik werden schlichterdings als eindimensionale Dummbeutel abgetan - vielleicht ist dies ein Indiz für die katastrophale Veröffentlichungspolitik der Konzerne, passt auch irgendwie in die kürzliche Forderung der Industrieverbände nach einer Abschaffung des Sendeprivilegs für Internetradios.
Anyway, Anouk singt nach wie vor großartig, transportiert Emotionen in den Vorwärts-Rockern wie in den Balladen gleichermaßen, lässt keine Gelegenheit für einen catchy Hook aus, gibt dem Haken aber immer einen Widerhaken, an dem sich Rockfreunde und Radiohörer begeistern können. "New York Hotel" ist keine Sekunde glattgebügelter Mainstream, wie ihn beispielsweise Frau Morissette seit Jahren bis zum Überdruss praktiziert, im Gegenteil, der genreübergreifende Schritt zwischen Pop, Classic Rock und postalternativem Neuklang gelingt so homogen, dass man ihn überhaupt nicht bemerkt, dafür aber plötzlich und hoffnungslos im Netz der Begeisterung zappelt. Sowas muss in diesen Zeiten erst gelingen, immerhin gehört der Rezensent zu den gotterbärmlichen Doofs aus der Rock'n'Roll-Mottenkiste.
Hinter Anouk steht einmal mehr eine straighte Band, die es ordentlich knacken lässt, den überflüssigen Ton dankenswerterweise weglässt und auch nicht vom Mix verdrängt wird. Gitarren wo Gitarren hingehören, knochentrockene Drums, Keyboards als Instrument und nicht als Onanierhilfe. Da ist man von Sound-Ingenieur Tony Maserati weitaus schlimmere Grausamkeiten gewohnt, immerhin war der schon für Dinge wie Jennifer Lopez, R. Kelly, Mariah Carey, Puff Daddy, Ricky Martin oder Kylie etc. zuständig. Zeit zum Umdenken: Auch solche Menschen sind offenbar zu mehr als verabscheuungswürdigem Yuppie-R&B zu gebrauchen.
Die einzelnen Songs muss sich jeder Hörer selbst erarbeiten, meine Faves sind Girl, ein stampfender Kracher UND Hit, die rockig-groovige Reggaenummer Heaven Knows, das betörend schöne Akustikstück Lost, I Spy als perfekte Alternative zu gängigen Clubsounds, das Americana-verdächige Alright, das sonnige Help und der Gänsehautrocker Jerusalem. Einmal wird etwas zu sehr in Richtung U2 geschielt (More Than You Deserve), einmal etwas zu sehr geschmachtet (One Word) und einmal, im Schlussstück Fading, klatscht man(n) spontan Beifall.
Als Bonus gibt es einen Internetzugang zu einem zwanzigminütigem TV-Special, dem "Making Of" zum Video von Girl und ein paar anderen Nettigkeiten. Die Dokumentation ist zwar in holländischer Sprache, dennoch größtenteils verständlich und ganz interessant, das "Making Of" eher nur für Freunde solcher Geschichten, stellt aber die italienischen Videomacher TWO THINGS vor, die offenbar eine Art DoRo in Italien sind (Hannes Rossacher & Rudi Dolezal, die Schöpfer unzähliger Videos und Musikfilme). Und beides zeigt eine immer freundliche, supersympathische Anouk, die wirklich betört. Man darf das durchaus sagen, ohne Angst haben zu müssen, entweder etwas kaputt zu machen (= die Ärmchen oder Beinchen zu brechen) oder mit dem Jugendschutz in Konflikt zu kommen. Anouk Teeuwe ist natürlich eine Schönheit, aber in allererster Linie eine Frau, mit der man(n) vermutlich beim Fußball, Flippern, Rocken oder Biertrinken riesigen Spaß hätte. Die gehört in die Reihe der großen tollen Frauen der Rockgeschichte. Das wusste Barry Hay von GOLDEN EARRING schon vor 10 Jahren.
Ach ja, "Hotel New York" ist eine wunderbare CD.
* P.S.: "man(n)" ist bitte als "man, Mann, Frau" zu lesen.
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