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Capone

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Capone
Capone, Eigenvertrieb/Demo, 2002
Angel "Hellcat" Capone Lead Vocals
J.D. "Ice Pick" Capone Guitars, Vocals
Bruno "Birdman" Capone Guitars, Vocals
Murphy "Machine-Gun" Capone Bass, Vocals, Acoustic Guitar
Hannibal "The Cannibal" Capone Drums, Vocals
Gäste:
Bonzo "Sixpack" Capone Drums (Tracks 3,4,8,9)
Vino "Vendetta" Capone Guitars (Tracks 3,4,8,9)
Bossi Bosporus Keyboards
Norberto Calzone, Francesco Stiletto, Master of Desaster Choir (Hymn)
Produziert von: Bruno & Murphy Capone Länge: 59 Min 03 Sek Medium: CD
1. Daylight7. Highway To Al
2. It's My Life8. Larger Than Life
3. Whole Lotta Japan9. That Don't Impress Me Much
4. Barricades10. Angels
5. Hymn11. Macarena
6. The Time Warp

The Rock & Roll Syndicate aus München hat endlich eine CD fertig. Seit vielen Jahren treiben sie ihr Unwesen in der Stadt, die aufgrund umtriebiger Mönche und Oktoberfestwirte niemals ein Opfer der Prohibition wurde.
Schwer, in so einer Situation sich auf seine eigentliche Arbeit als Mafiaclan zu konzentrieren. Die Baumafia ist fest in der Hand einheimischer Spekulanten, die Fußballmafia wird vom Unantastbaren, Don Franz, beherrscht, Koks spielt - seit Connys Wandlung - auch nur eine untergeordnete Rolle. Frauenhandel? Ach Gott... Und die Pasta- und Pizza-Connection ist unterminiert von Pizza-Hut. Schwere Zeiten.

Bleibt nur das Glücksspiel. Also die Musikbranche. Seit 63 Jahren (behauptet der Clan, aber man weiß, bei diesen Italienern wird gerne übertrieben) sind sie unermüdlich im Dienste der Familie auf den Bühnen unterwegs.
Und sie haben das Business offenbar inzwischen weltweit in ihren (schmutzigen?) Fingern. Immerhin liefern fast alle namhaften Songwriter der Neuzeit - also seit Jerry Leiber & Mike Stoller - ihre Ergüsse bereitwillig beim Hauptquartier ab.
Manches Lied darf dann nach Genehmigung vom Familienoberhaupt J.D. Capone von anderen, mehr oder weniger unbedeutenden, Künstlern weiterverwendet werden. Über die Höhe der Schutzgeldzahlungen der Herren Bongiovi, Plant, Page, Young, Blackmore, Zappa etc. ist uns nichts bekannt, sie dürften allerdings nicht unerheblich sein. Der aufwändige Lebensstil der famiglia bavarese ist hinlänglich bekannt. Neuerdings verwendet Sängerin Angel "Hellcat" Capone sogar vergoldete Handschellen.
Der Beginn der Dekadenz ist immer auch der Beginn des Endes. Dürfen wir also auf baldige Erlösung von diesem unheiligen Geschwür hoffen?

NEIN!

Auch wenn Padrone J.D. "Ice Pick" Capone sich kürzlich aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat, es wird weitergehen mit musikalischem Mundraub, zigarrenrauchgeschwängerten Lasterhöhlen, hemmungslosen Übergriffen einer nur nach außen harmlosen Sängerin und gnadenlosen Rockattacken dieser Horde außer Kontrolle geratener Mastino-Musiker.

Fürs Erste haben sie das bekannte Freibad Studio von Thomaso Burlefinger okkupiert und den armen Knöpfchendreher gezwungen, ihre Musik in bestmöglichen Sound zu produzieren. Glück hat er gehabt, er hat es geschafft. Andernfalls... wir wollen nicht dran denken... "Produzent mit Betonsockel im Freibad gefunden...".

Aber sprechen wir nicht über menschliche Schwächen. Trotz zweifelhaftem Lebenswandel und Broterwerb ist es den 5 Camorra-Musikanten gelungen, eine grandiose CD einzuspielen.
11 Versionen hinlänglich bekannter Hits, darunter so obskure Hard Rock Versionen von Daylight (No Angels - nomen est omen) oder Macarena (Los Del Rio - die spanische Schwesterorganisation).

Eine kernige Version von Nashville-Luder Shania Twains That Don't Impress Me Much, eine beängstigende a capella Fassung ihres alten Hits Highway To Al, der Knochenbrecher-Remix von Larger Than Life (schon in der Schmuseedition der Backstreet Boys furchteinflößend) und das Hohelied auf die japanische Yakuza (gemeinhin als noch brutaler als die Capones eingestuft), Whole Lotta Japan, also ein Mix aus Alphaville und Led Zeppelin, runden das Bild des Schreckens ab.
Man darf sich nicht täuschen lassen von, oberflächlich betrachtet, harmlosen Rocksongs wie Time Warp aus der Rocky Horror Show. Auch dort ging es bekanntlich um dunkle Mächte. Da hilft kein fröhlicher Boogie, kein netter Gesang, die bösen Gitarren beweisen, was für zwielichtige Gestalten am Werk waren.

Live auf der Bühne hat die Verhöhnung der Obrigkeit ihren Höhepunkt in der Verballhornung des Kommissars. Mein Gott, denen ist nichts heilig. Aber sie sagen es selbst, It's My Life und sie sollen damit anstellen was sie wollen. Irgendwann kommt einer und der ist dann Larger Than Life. Der Herr hat's gegeben, der Herr wird's auch wieder nehmen. Singt die Hymn darauf, denn Angels werdet Ihr nicht mehr!

Noch ein Tipp an die bisher unabhängigen Clubbesitzer: Sollte irgendwann ein großer aber unauffälliger Herr mit schwarzem Mantel bei euch auftauchen und fragen, wann die Band CAPONE spielt, sagt ihm, dass sie sehr bald auftreten! Denn entweder bin das ich und hab mich nur im Datum vertan, oder es ist der Geldeintreiber des Syndikates und ihr solltet die Band schnell holen, denn diese Herrschaften spaßen nicht und eine neue Inneneinrichtung ist teuer. Teurer als ein paar Abendgagen und Getränke für die ehrenwerte Gesellschaft.
Kapiert?

Der Schreiber dieser Zeilen ist ab sofort untergetaucht und wird vom Zeugenschutzprogramm des F.B.I. mit einer neuen Identität versehen.

Fred Schmidtlein , (Impressum, Artikelliste), 01.11.2002

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