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Family Joules
Family Joules, Besh Records, 2003
Roger Earl Drums
Tony Stevens Bass, Vocals
Bryan Bassett Lead Guitar, Slide Guitar, Vocals
Charlie Huhn Lead Vocals, Guitar
Produziert von: Foghat Länge: 57 Min 25 Sek Medium: CD
1. Mumbo Jumbo8. Looking For You
2. Hero To Zero9. Long Time Coming
3. Thames Delta Blues10. Sex With The Ex
4. Flat Busted (And Out Of Gas)11. Self-Medicated
5. I Feel Fine12. Mean Voodoo Woman
6. I'm A Rock 'N Roller13. Voodoo Woman Blues
7. Hit The Ground Running

Jeder Musikmaniak kennt dieses Gefühl, wenn eine lang erwartete CD endlich ankommt. Zittrige Finger, Cellophan hastig abgewurstelt, Fingernagel abgebrochen, Scheibe eingeworfen und dann klingelt das Telefon, grade beim Intro des ersten Songs. Ja Mama, gut Mama, du Mama, ich hab grad keine Zeit, hab Besuch aus Amerika, ich ruf dich zurück Mama.

FOGHAT sind wieder da! Die Band, für die ich seit 25 Jahren rückwärts und im Kopfstand nach Quakenbrück kriechen würde.
Unvergessen sind die Konzerte anno 1990 mit MOLLY HATCHET, legendär sowieso die LPs aus den 70ern, immer noch nicht verschmerzt der Verlust von Lonesome Dave Peverett vor 3 Jahren.
Verdammt, was wird wohl die neue CD sein? Der krampfhafte Versuch ein neues Slow Ride zu erschaffen? Ein gesichts- und konturloser "Zig-Zag Walk" wie anno 1983? Eine erneute Rückkehr der Boogiemänner wie vor 9 Jahren? Eigentlich kann eine Band mit dieser Vergangenheit und diesem Namen nur verlieren. Können Charlie Huhn (früher bei Ted Nugent, VICTORY, HUMBLE PIE) und Bryan Bassett (MOLLY HATCHET) die Lücken schließen? Kriegen sie es mit den Urgesteinen Roger Earl und Tony Stevens noch mal gebacken?
OK, die Antwort ist schlicht und einfach: JA! "Family Joules" ist das Comeback des Jahres 2003. Keine Kopie vergangener Tage, kein Selbstplagiat, kein lauwarmer Aufguss.
Es ist selbstverständlich keine modische Anbiederung an die Generation der Kopfsockenträger. We talk about Rock & Roll. Knallig, zeitgemäß und jenseits von althergebrachten Klischees. 20, 30 Durchgänge hat sie jetzt hinter sich und immer noch sitze ich da und grinse vor mich hin. Nein, das hatte ich nicht erwartet, bestenfalls erhofft.

Lasst uns zuerst über die Band reden. Tony Stevens ballert den gewohnten 400 Pfund Bass, zitiert sich zwei-, dreimal selbst und man sieht ihn dabei imaginär mit den Augen zwinkern. Roger Earl ist Mr. Foghat und haut seine Kessel in Grund und Boden. Bryan Bassett ist ein Gitarrist, den MOLLY HATCHET/Bobby Ingram nie verdient hat, zu mächtig sind seine Soli, zu schneidend seine Slide. Und Charlie Huhn hat einen Song namens I'm A Rock 'N Roller geschrieben. Das ist er. Phantastisch.
Ach ja, Gott und die Welt und der Rest der Redaktion belächelt unsereins wegen dem Festhalten an alten Boogie-Traditionen. Lieber Gott und Kollegen: Hört Euch mal diese CD an und dann sag mir noch mal einer, dass ich altmodisch wäre! Ein einziger traditioneller Blues findet sich auf dieser Platte und der ist ganz am Schluss und dauert 80 Sekunden. Vorher gibt es knapp 60 Minuten lang hart gerockten und doch federleichten Stoff der Marke Mumbo Jumbo (mit Gitarren aus der Parallelwelt der Menschen mit 4 Armen), Radiostoff (Hero To Zero kommt doch in die Hitparade, oder?) oder den hypnotisierenden Groover Thames Delta Blues.
Eine Überraschung ist Flat Busted (and out of gas). Geschrieben von Jerry Shirley und Charlie Huhn für HUMBLE PIE und von denen auf der letztjährigen "Back On Track"-CD erstmals veröffentlicht. Nur hat da eben nicht mehr Charlie gesungen (sowieso der einzige, der Steve Marriott wenigstens halbwegs ersetzen könnte) und The Pie sind nun mal nicht Foghat.
Bis Track #5 bewegt man sich im mittleren Geschwindigkeitsbereich, aber dann kommt das erwähnte I'm A Rock 'N Roller. Was für ein Song.
Zwischendurch eine leicht funky klingende Nummer, die aber mitnichten nicht zu Foghat 2003 passt. Herrschaften, ihr müsst euch damit abfinden, dass "Family Joules" keine "Tribute to myself"-Platte ist. Hier ist eine lebendige Band am Werk, die sich einfach das Recht auf Weiterentwicklung herausnimmt.
Zentnerschwere zweistimmige Gitarren auf Looking For You und Long Time Coming (ja ja, natürlich wird hier ein bisschen bei ZZ TOP geklaut), Slide bis sich der Laser verbiegt, Gesang für die Hall of Fame. Sex With The Ex macht Spaß und kurz vor Schluss das Meisterwerk Self-Medicated. Tony hat man so ähnlich schon mal gehört und dann geht das fast acht Minuten ab. Nicht im Kopfrunter-Ausfallschritt-Boogierhythmus, einfach nur als grandiose Rocknummer.

FOGHAT ist definitiv im Jahr 2003 angekommen. Es ist nicht mehr die alte Band, die bedingungslos den Boogie gegeben hat, es ist jetzt eine Band, die zeitlosen Rock macht und handwerklich vielleicht die beste Inkarnation aller Zeiten ist. Bleibt zu hoffen, dass sie die CD auch live präsentieren können und nicht - wie bei so vielen alten Bands üblich - nur auf ihre Vergangenheit festgenagelt werden.
Und Lonesome Dave wird sich einen Chateau Lafitte '59 genehmigen und seinen Spass mit der Platte haben.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 17.03.2003

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