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Scars

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Sanctuary Records
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Scars
Gary Moore Promo
Scars, Sanctuary Records, 2002
Gary Moore Guitar, Vocals
Cass Lewis Bass
Darrin Mooney Drums
Produziert von: Chris Tsangarides & Gary Moore Länge: 59 Min 50 Sek Medium: CD
1. When The Sun Goes Down6. My Baby (She's So Good To Me)
2. Rectify7. World Of Confusion
3. Wasn't Born In Chicago8. Ball And Chain
4. Stand Up9. World Keep Turnin' Round
5. Just Can't Let You Go10. Who Knows (What Tomorrow May Bring)?

Diese CD-Besprechung war eigentlich in knapp 3 Minuten fertig. Nämlich auf dem Weg vom Briefkasten bis in meinen 5. Stock. Hier der geplante Anfang: "Gary Moore, der Erfinder des Hausfrauenblues, hat eine neue CD fertig...".
Entsprechend motiviert war ich, die CD in den Player zu schmeißen.

Die History von Moore kennt inzwischen wohl jeder. SKID ROW, THIN LIZZY, Hardrocker mit teils tollen Solo-Scheiben, Blueser, Blueser mit Identitätsproblem, Gitarrist mit Identitätsverlust.
Alben wie "After The War", "Wild Frontiers" und dann natürlich "Still Got The Blues" waren herausragend. Grade mit "Still Got The Blues" war er einer der Mitbegründer eines neuen Blues Booms. Aber dann hat er sich mit plattgewalztem Allerweltsblues und vor allem mit viel zu viel Präsenz auf den Bühnen, im Fernsehen, im Radio und sonstwo selbst totgenudelt. Ergebnis war, dass keiner mehr seine aalglatte Version eigentlich feinen Bluesrocks mehr hören wollte. It's the song not the singer!
Das Projekt BBM, mit Ginger Baker und Jack Bruce, war belanglos und seine letzten Soloversuche waren schlicht für den Eimer. Richtungslos, nicht mehr Gary Moore, bzw. ein Moore, der krampfhaft versucht Neues zu machen oder ein Jahr später an Altbewährtes anzuschließen.

Und jetzt das neue Projekt SCARS. SCARS ist eine Band. Am Bass ist Cass Lewis, ehemals SKUNK ANANSIE. Die waren nie meine Lieblinge, aber sehr wohl für Innovation und interessante Musik bekannt.
Am Schlagzeug sitzt Darrin Mooney. Früher bei PRIMAL SCREAM, der wohl letzten Drogen-Band in der Tradition der alten Mods. Pillen, tanzbarer Lärm, wieder Pillen, Exzesse.

Kurz nach dem Mittagessen lege ich die CD dann doch auf. Man muss wissen, ich mache nach dem Mittagessen immer gerne ein kleines Nickerchen und da dachte ich mir, dass ein wenig schmerzfreier Schmuseblues grade das richtige für einen netten Samstagnachmittag auf dem Sofa sind. Aber denkste.
Eine Hendrix-Gitarre lässt mich aufmerken und dann sägt ein brutaler Bass mein Kuschelkissen brachial durch. Heh!

Was ist denn das? Gary rockt wieder? Liebe Güte, dazu singt er ja auch noch richtig gemein und dreckig. Geht schon der Opener When The Sun Goes Down sehr heftig zur Sache, kriegt der unbedarfte Konsument bei Rectify eine derartige Ladung Dreck um die Ohren gehauen, dass man nicht mehr an eine Moore Platte glauben mag. "I'm gonna rectify you" schreit Moore und man mag ihm beinahe glauben, dass er einige Gedankengänge seiner Fans wirklich berichtigen will.
Modern, knallhart, groovig ohne Ende, basslastig, geprügelt, geil.

Und es geht spannend weiter. Wasn't Born In Chicago beginnt mit Maschinen-Dance-Groove. Seltsam, aber da ist wieder Garys Händchen für Ohrwürmer. Zerrissen wird die Nummer von wilden Attacken der Band. Was ist das? Ein Jungle-beeinflusster Blues'n'Bass Dancetrack? Gefällt mir, endlich mal etwas "modernes" und trotzdem gut genießbar. Das möchte ich demnächst in den Rock Discos hören. Genau wie den Heavy Funk Stand Up. Crossover-Könige wie die Chili Peppers wären stolz auf solche Songs.
Gott sei Dank kommt dann aber endlich gewohnter Sound. Eine reichlich langweilige Blues-Ballade nämlich. Da helfen auch die, in diesem Fall unmotivierten, Gitarreneinwürfe nicht.
Konventionell geht es mit My Baby und wieder Hendrix-lastig mit World Of Confusion weiter. Stevie Ray lässt grüßen.

Wir sind also bei Track 7 und es ist keine einheitliche Linie auszumachen. Aber bis auf einen Ausfall ist das bisher Gehörte stark.

Leider verlässt Gary den eingeschlagenen Weg, knallharten modernen Rock mit sich selbst zu kombinieren, im zweiten Teil der CD etwas. World Keep Turnin' Round klingt wieder zu stark retro, nach Hendrix, als dass es in den innovativen ersten Teil passen würde. Trotzdem eine astreine Nummer. Gitarrenseitig lässt er natürlich sowieso nichts anbrennen.
Der Abschluss der CD, Who Knows (What Tomorrow May Bring)? ist ein knapp 10-minütiger Langweiler. In einer 4 Minuten Version hätte er 1991 einen weiteren Hit gelandet. Slow Blues, toll gespielt aber glatt. So was mag ich persönlich heute nicht mehr hören.

Das Highlight dieser CD habe ich noch nicht erwähnt. 13 Minuten (!) gibt die Band alles. Krachend, schiebend und heftig presst sich Ball And Chain, ein eigentlich traditioneller Blues, in hypnotisierender Art und Weise durch die Boxen. Wenn schon, dann bitte so und nicht dahingeschmeichelt. Bei diesem furiosen Werk merkt man dem Bassisten an, dass er eigentlich nicht aus dem Blues kommt. Und das ist gut so, denn das macht hier letztlich den kleinen Unterschied.

"Scars" ist zum allergrößten Teil eine sehr gute CD, die ich dem guten Gary nicht mehr zugetraut hätte. Die Blutauffrischung mit den beiden neuen Musikern hat gut getan. Und über die Beständigkeit und Authentizität eines Gary Moore mag ich mir keine Gedanken machen. Wichtig ist, dass es ihm endlich wieder gelungen ist, ein gutes Album zu machen.
Spannend wird sein, wer bei der Tour mit ZZ Top im Oktober Punktsieger sein wird.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 11.08.2002

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