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CD-Review:
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Diese CD-Besprechung war eigentlich in knapp 3 Minuten fertig. Nämlich auf dem Weg vom Briefkasten bis in meinen 5. Stock. Hier der geplante Anfang: "Gary Moore, der Erfinder des Hausfrauenblues, hat eine neue CD fertig...". Die History von Moore kennt inzwischen wohl jeder. SKID ROW, THIN LIZZY, Hardrocker mit teils tollen Solo-Scheiben, Blueser, Blueser mit Identitätsproblem, Gitarrist mit Identitätsverlust. Und jetzt das neue Projekt SCARS. SCARS ist eine Band. Am Bass ist Cass Lewis, ehemals SKUNK ANANSIE. Die waren nie meine Lieblinge, aber sehr wohl für Innovation und interessante Musik bekannt. Kurz nach dem Mittagessen lege ich die CD dann doch auf. Man muss wissen, ich mache nach dem Mittagessen immer gerne ein kleines Nickerchen und da dachte ich mir, dass ein wenig schmerzfreier Schmuseblues grade das richtige für einen netten Samstagnachmittag auf dem Sofa sind. Aber denkste. Was ist denn das? Gary rockt wieder? Liebe Güte, dazu singt er ja auch noch richtig gemein und dreckig. Geht schon der Opener When The Sun Goes Down sehr heftig zur Sache, kriegt der unbedarfte Konsument bei Rectify eine derartige Ladung Dreck um die Ohren gehauen, dass man nicht mehr an eine Moore Platte glauben mag. "I'm gonna rectify you" schreit Moore und man mag ihm beinahe glauben, dass er einige Gedankengänge seiner Fans wirklich berichtigen will. Und es geht spannend weiter. Wasn't Born In Chicago beginnt mit Maschinen-Dance-Groove. Seltsam, aber da ist wieder Garys Händchen für Ohrwürmer. Zerrissen wird die Nummer von wilden Attacken der Band. Was ist das? Ein Jungle-beeinflusster Blues'n'Bass Dancetrack? Gefällt mir, endlich mal etwas "modernes" und trotzdem gut genießbar. Das möchte ich demnächst in den Rock Discos hören. Genau wie den Heavy Funk Stand Up. Crossover-Könige wie die Chili Peppers wären stolz auf solche Songs. Wir sind also bei Track 7 und es ist keine einheitliche Linie auszumachen. Aber bis auf einen Ausfall ist das bisher Gehörte stark. Leider verlässt Gary den eingeschlagenen Weg, knallharten modernen Rock mit sich selbst zu kombinieren, im zweiten Teil der CD etwas. World Keep Turnin' Round klingt wieder zu stark retro, nach Hendrix, als dass es in den innovativen ersten Teil passen würde. Trotzdem eine astreine Nummer. Gitarrenseitig lässt er natürlich sowieso nichts anbrennen. Das Highlight dieser CD habe ich noch nicht erwähnt. 13 Minuten (!) gibt die Band alles. Krachend, schiebend und heftig presst sich Ball And Chain, ein eigentlich traditioneller Blues, in hypnotisierender Art und Weise durch die Boxen. Wenn schon, dann bitte so und nicht dahingeschmeichelt. Bei diesem furiosen Werk merkt man dem Bassisten an, dass er eigentlich nicht aus dem Blues kommt. Und das ist gut so, denn das macht hier letztlich den kleinen Unterschied. "Scars" ist zum allergrößten Teil eine sehr gute CD, die ich dem guten Gary nicht mehr zugetraut hätte. Die Blutauffrischung mit den beiden neuen Musikern hat gut getan. Und über die Beständigkeit und Authentizität eines Gary Moore mag ich mir keine Gedanken machen. Wichtig ist, dass es ihm endlich wieder gelungen ist, ein gutes Album zu machen. Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 11.08.2002
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