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| Nothing Is Easy - Live at the Isle of Wight 1970, Eagle Records, 2004 |
| Ian Anderson |
Vocals, Flute, Acoustic Guitar |
| Martin Barre |
Electric Guitar |
| John Evan |
Keyboards |
| Glen Cornick |
Bass |
| Clive Bunker |
Drums |
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Länge: 59 Min 31 Sek |
Medium: CD |
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| 1. My Sunday Feeling | 5. Bourée |
| 2. My God | 6. Dharma For One |
| 3. With You There To Help Me | 7. Nothing Is Easy |
| 4. To Cry You A Song | 8. Medley: We Used To Know/For A Thousand Mothers |
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Man darf nie vergessen, dass Bands wie JETHRO TULL durchaus Musikgeschichte geschrieben haben. Im Taumel der x-fach Verwertungen, Wiederveröffentlichungen und Re-Remaster Serien, DVDs, SA-CDs und so weiter geht dieses Bewusstsein manchmal ein bisschen verloren und der Konsument wird eher ärgerlich, wenn mal wieder altbekanntes Material aufgewärmt unters Volk geschmissen wird. Diesmal, liebe Alt- und Jungrocker, haben wir aber ein kleines Schmankerl für Euch.
Ihr könnt Euch sicher alle an die Tage vom 26. bis 30. August 1970 erinnern. Wen haben wir da nicht alles gesehen auf der kleinen Insel. Kris Kristofferson, SUPERTRAMP, die GROUNDHOGS und Tony Joe White, CHICAGO, FAMILY und nach PROCUL HARUM (gingen mir schon immer gegen den Strich) die großartigen CACTUS mit Power-Boogie. Am vierten Tag, wir waren schon alle ziemlich angeschlagen von dem Stress seit Mittwoch, gab es dann TEN YEARS AFTER, die unerträglichen EMERSON, LAKE & PALMER, die manischen WHO und einen Geniestreich (oder war es eine Vollsuff-Performance?) von Jim Morrison und den DOORS.
Der Sonntag war letztendlich wirklich hart. Hätten wir nicht alle auf IHN gewartet, das halbe Festivalgelände wäre längst leer gewesen. Aber ER kam ja noch. Fast ganz am Schluss. Vorher FREE, die MOODY BLUES, JETHRO TULL und nach IHM durften uns Joan Baez und Leonard Cohen zum Abschied zusäuseln. ER kam direkt nach TULL und wir wussten damals nicht, dass er nur ein paar Wochen später schon tot sein würde. Hätte er sich auch ein wenig mehr anstrengen können, der Hendrix, wenn er sich eh kurz drauf verabschiedet. Die jüngeren Leser können seinen fahrigen Auftritt auf verschiedenen Videos, Bootlegs, CDs und DVDs noch mal gern anschauen/-hören. Genau wie es die Auftritte von THE WHO, ELP, DOORS und diversen anderen längst auf Tonträgern gibt. Nur JETHRO TULL kam mir bisher nie unter.
Jetzt aber. Selbstverständlich war ich mit 8 Jahren nicht auf der Isle of Weight, die gute halbe Million Menschen dort hat aber eines der legendärsten Festivals der Nach-Woodstock Zeit erlebt. Und ich freue mich, dass 34 Jahre später der komplette Auftritt von JETHRO TULL in guter Qualität erhältlich ist.
Die Band gab es 1970 grade mal 2 Jahre, die Platten "This Was" und "Stand Up" waren erschienen, das Drittwerk "Benefit" erst vier Monate vorher. Die Setlist beschränkte sich naturgemäß auf diese drei LPs, außer My God, das erst 1971 auf "Aqualung" auftauchte.
Ian Anderson betätigte sich schon damals als wunderlicher Bühnenschrat, die Ansagen kamen größtenteils offenbar von Gitarrist Martin Barre und der prägte die Band damals beinahe stärker als Anderson mit seiner Flöte. Zum größten Teil brettharte Gitarrenklänge bekam das Publikum um die Ohren gehauen.
Anderson schreibt in seinen launigen Linernotes zu dieser CD, dass TULL damals kein Prog Rock gewesen wären. Nun ja, natürlich war das progressiv! Aber eben auch eine wundervolle (und -same) Mischung aus Folk, Psychedelic und hartem Rock & Roll (der Beginn von Dharma For One ähnelt in seiner Heftigkeit auf der Gitarre dem späteren Welthit Locomotive Breath).
Sogar die verschiedenen Soli hatten seinerzeit noch ihre Berechtigung. Die Musiker waren jung und wild und ihre Darbietungen waren expressionistische Kunst. Heute würde man bei einem Schlagzeug- oder Keyboardsolo stante pede zum Bierstand rauschen. Hier klingt es spannend und frisch. Genau wie die gesamte Musik durchgehend eine hungrige Rockband zeigt, die sich auf hohem Niveau durch einen sicherlich schwierigen Auftritt rockt. Vor so vielen Menschen traten sie vorher nicht auf und die Bühnen- und Soundtechnik in diesen Tagen war bestimmt nicht berauschend.
Verblüffend, dass Anderson bereits 1970 ein Medley im Programm hatte. We Used To Know und For A Thousand Mothers wurden zusammengefasst. Aber wie anders, brachial und fetzig, klang das damals im Vergleich zum Konzertlangweiler vor knapp eineinhalb Jahren.
Man darf eben nie vergessen, dass Bands wie JETHRO TULL Musikgeschichte geschrieben haben. Ich werde künftig lieber diese tolle CD auflegen und auf Zeitreise gehen, als mir die alten Herren noch mal live antun.
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