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| This Charming Life, Hypertension Music, 2010 |
| Joan Armatrading |
Vocals, Guitar, Bass, Keyboards, and the rest of it |
| Miles Bould |
Drums, Percussion |
| Produziert von: Joan Armatrading |
Länge: 45 Min 11 Sek |
Medium: CD |
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| 1. This Charming Life | 7. Diamond |
| 2. Love, Love, Love | 8. Promises |
| 3. People Who Win | 9. Virtual Reality |
| 4. Two Tears | 10. Best Dress On |
| 5. Heading Back To New York City | 11. Cry |
| 6. Goddess Of Change | |
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Ende des Jahres wird Joan Armatrading 60, rein optisch würde sie bei jeder TV-Soap als Super-Nanny durchgehen, und dass sie vor rund 20 Jahren die musikalische Steigbügelhalterin für Tracy Chapman war, wissen leider nur noch die Insider... that's showbiz.
Andererseits darf sich Mrs. Armatrading stolz in die zweite Reihe der ewig aktiven, eigenständigen, aber leider nie so richtig erfolgreichen Musikerkollegen wie z. B. Paul Carrack einreihen. Und wer innerhalb noch nicht mal einer Dekade drei Alben hinlegt, die aufhorchen lassen und - im Falle ihres 2007er-Silberlings "Into The Blues" - sogar für den Grammy nominiert wurden, der muss eine musikalische Sprache sprechen, die verstanden wird.
Ihr neuestes Album "This Charming Life" zeigt eine gutgelaunte reife Songwriterin, die bis auf die Drums alle Instrumente und Gesangsspuren selber einspielt und sich nicht zu schade ist, die E-Gitarre auch mal krachen zu lassen. By the way: Letztes Jahr gastierte sie im BBC und lud sich in 5 Folgen einer Fernsehreihe nacheinander ihre Lieblingsgitarristen ein: Mark Knopfler, John Williams, Bonnie Raitt, Bert Jansch und Russel Lissack. Die Auswahl der Gitarrenkollegen zeigt, dass sich die Engländerin mit karibischen Wurzeln noch lange nicht aufs musikalische Altenteil und die Verwertung ewig gestriger Sounds und Songs zurückgezogen hat, sondern erstens voll im Musikkosmos des Hier und Jetzt zuhause ist und zweitens ihre Kollegen schätzt und von ihnen ernst genommen wird.
Da darf sich die Dame dann auch jenen jugendlich-frisch-verliebten Charme des Einstiegssongs This Charming Life leisten, der zwar gänzlich im fröhlichen Popgewand daherkommt, aber zwischen den Zeilen ein verschmitztes altersweises Lächeln trägt. In diesem Song ist übrigens das erste Mal auf dem Album eines ihrer (in meinen Augen bzw. Ohren) "gefürchteten" Gitarrensoli zu hören, das mich in der Simplizität doch a bisserl an Neil Young erinnert - und das ist ja in Musikerkreisen bekanntlich keine große Auszeichnung... Sei's drum: "Ich schreibe Songs, weil es mir Spaß macht", soll Joan Armatrading mal als Motivationsgrund für ihre langjährige Musikalität angegeben haben. Den Satz glaube ich ihr sofort, denn die Arrangements sind stilsicher und nicht von schlechten Eltern, wenngleich die musikalische Achterbahnfahrt mein altes Soul-Singer-Songwriter-Bild der Joan Armatrading zerstört hat, das sich in meinem Plattenschrank v. a. durch Vinyl-Schätzchen aus den späten Siebzigern wie "Back To The Night" und "Steppin' Out" im musikalischen Gedächtnis festgebrannt hatte. Damals noch sehr afro-like und mit 12-String-Ovation, hatten ihre Songs genau dieses kämpferisch-leidenschaftlich-zärtliche, das es später Tracy Chapman erst möglich machte, auf der Überholspur an ihr vorbeizuziehen. Joan Armatrading hatte immerhin zwischenzeitlich mit Songs wie Drop The Pilot, Love And Affection sowie Me, Myself, I oder Steppin' Out Achtungserfolge und ließ ihren Inspirationsfaden in den letzten Jahrzehnten nicht abreissen. Und Mutter Courage hat es der aktuellen Babyface-Singer-Songwriter-Soldateska gezeigt, worauf es ankommt.
Die langstreckentrainierte New-York-Marathon-Frau trägt alles mit spielerischer Beständigkeit, weiß sie doch aus Erfahrung, daß die Goddess Of Change die Zügel fest in der Hand hält, womit wir wieder bei einem Song ihres aktuellen Albums wären. Sie singt nicht nur über Virtual Reality, sondern auch und vor allem über das reale Leben - und da ist Love, Love, Love (mit Surfer-Laune in den Backings) immer noch ein wesentlicher Bestandteil. Ein Leben zwischen Diamonds, Promises und der Sonnenseite: People Who Win. Letztere sind bezeichnenderweise bei Joan Armatrading nicht die Dow-Jones-Surfer und dekadenten Oberschichtler, sondern die, die sich trauen, die Berge zu besteigen, die sich einem in den Weg stellen. Da kann man auch schon mal einen Cry loslassen, zieht aber anschließend sein Best Dress On, verdrückt noch schnell Two Tears und macht sich ab Heading Back To New York City (warum auch immer... ich kenne schönere Orte auf der Welt...).
Musikalisch, wie gesagt, all-in-all ein paar richtig schöne cleane Stratsounds (Mrs. Armatrading spielt gerne ohne Plektrum!) - und crunchy Leads, Groove, Emotion, Soul - auch die Basslinien und Backingvocals sind nicht von schlechten Eltern. Allerdings - ich muss gestehen - brauchte es die ersten frühlingshaften Sonnenstrahlen, bis sich dieses Album meinen Ohren erschloss: Songs wie der Titelsong This Charming Life atmen soviel Frühlingsluft, das passte einfach nicht zu den trüben langen Wintertagen. Joan Armatrading kann ihre sonnige karibische Heimat nicht verleugnen und nach 46 Jahren musikalischen Schaffens hat sie sich vielleicht einfach mal den Luxus geleistet, uns ein bisschen mehr auf den Weg mitzugeben als ein paar nette Songs...
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