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Best Of The 90s

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Best Of The 90s
Best Of The 90s, Art Beat Records / Phoenix Music, 2003
Lizard 1991:
Georg Bayer Vocals
Harald Seeger Guitars
Uwe Dinkel Bass
Rainer Kunert Drums
Volker Klenner Guitar
Werner Thumser Guitar
Borderline:
Georg Bayer Vocals
Bruce Brookshire Guitars, Vocals
Bernie Marsden Guitars, Vocals
Micky Moody Guitars, Vocals
Danny "Cadillac" Lastinger Drums
Daniel "Bud" Ford Bass
Lizard 1996:
Georg Bayer Vocals
Christoph Berner Guitars
Volker Dörfler Guitars
Andreas Kemmer Bass
Klaus Brosowski Keyboards
Helmut Kipp Drums
Remastered/Produziert von: Peaceman & Tom Hallek Länge: 76 Min 34 Sek Medium: CD
1. Riding On A Train10. White Cross
2. She Drives Me Crazy11. Ridden Down
3. Woman12. Ordinary Southern Man
4. Josephine13. Fly Away
5. Macon Georgia14. No Time
6. Homesick15. Prisoner Of Love
7. Long Cool Woman16. Willie Boy
8. Hold Me Now17. Josephine (live)
9. Out On The Road18. Riding On A Train (live)

Sonntagmittag und ich bin stocknüchtern. Trotzdem wird mir schwindlig. Alles dreht sich, ich habe Koordinationsprobleme. Was wirkt da nach? Der Fisch von gestern? Oder der Wein?
Nichts von alledem. Ich versuche nur die Tracklist der "neuen" LIZARD-CD zu entziffern. Meine Güte, wie kann man nur eine dermaßen unleserliche Schrift und ein so blasses Design verwenden? Das sieht wirklich nicht gut aus. Von Fielmann empfohlen? Oder müssen wir den Layouter an Fielmann empfehlen?

Neues Label, bald eine wirklich neue Scheibe am Start, und zum Einstand bei Art Beat Records/Phoenix Music eine 18-Track-Compilation mit Songs aus den alten, vergriffenen, CDs "Rock'n'Roll Refugees" (1991) und "Line Up", dem legendären BORDERLINE-Projekt aus dem Jahr 1993. Dazu noch ein wenig aus der 96er "Riding On A Train"-EP.

Es mag dem einen oder anderen Leser etwas großspurig vorkommen: "Best Of The 90s". Aber: ES IST SO!
LIZARD waren Anfang der Neunziger schon die beste Southern Band Deutschlands und haben mit dem Debut "Rock'n'Roll Refugees" die Messlatte zwischen all den Möchtegern-Cover-Southern Bands, die sich in den Saloons, Clubs und Bierzelten herumtrieben, in unerreichbare Höhen gehängt. Es gab keine andere Band, die eine ganze Platte mit eigenen Songs füllen und dabei musikalisch und kompositorisch überzeugen konnte.
Unglücklicherweise kam dann der Split und Georg Bayer musste zusammen mit den Newcomern von DOC HOLLIDAY plus Micky Moody und Bernie Marsden und einigen weiteren unbekannten Musikern die "Line Up"-Scheibe in Atlanta einspielen. Trotz soundtechnischer Unzulänglichkeiten war "Line Up" bis 2001 (dem Release von "Southern Steel") die beste Southern Rock-Veröffentlichung mit deutschem Sänger. Bis heute sind eine gute Handvoll meiner All-Time-Lieblingssongs von dieser CD.
Die Auflösung der Ur-LIZARDs machte außerdem den Weg für die heutige Weltklasseband frei.

Wie will man dem Sammler eine solche Best Of schmackhaft machen, schließlich hat er ja die Originale im Schrank stehen. Oder?
Erstens ist die Songzusammenstellung äußerst gelungen, zweitens ist das Ding mit über 76 Minuten pappvoll, drittens ist der Sound gegenüber den Originalen verbessert und angeglichen und viertens hat vielleicht doch nicht jeder Fan alle drei CDs.
Leichter ist es natürlich, dem Neueinsteiger in Sachen LIZARD diese CD schmackhaft zu machen. Mädels und Buben, Ihr braucht die Scheibe einfach! Ich erkläre auch gern, warum das so ist.

Mitte der Achtziger, Anfang der Neunziger hat sich kein Mensch auch nur die Bohne um Southernrock geschert. Um solchen aus Deutschland schon gar nicht. 4, 5 Bands hielten krampfhaft die Rebelflag in die Höhe und würgten sich angestrengt Coverversionen von Sweet Home Alabama, Free Bird, Ramblin' Man und T For Texas raus. Die besten dieser wenigen Aufrechten waren die Jungs der GENERAL LEE BAND. Aber auch die kamen letztlich nicht über den Status einer regionalen Coverband hinaus. Als Ewiggestrige wurden sie sowieso alle belächelt.
1986 kam der Schwabe Georg Bayer auf die sparsame Idee, eine eigene Southern Band zu gründen. Bis zur ersten CD hat es ein paar Jahre gedauert, aber dann hatte er eine Band beieinander, die um Längen stärker war als alle anderen. Endlich (halbwegs) authentischer Gesang, fette Double Leads und eine Rhythmusabteilung, die wohl auch heute noch ihresgleichen suchen würde. Rest siehe oben.

Auf dem Frühwerk "Rock'n'Roll Refugees" sind einige mächtige Dampfer vertreten. White Cross oder Prisoner Of Love zum Beispiel. Oder das Gitarrenmonster Fly Away. Riding On A Train von '96 sowieso. Die Songs von "Borderline" fast ausschließlich. Man kriegt also Vollbedienung von Europas bester Band in ihrer frühen Phase. Und man kann sich die geilsten Songs des führenden deutschen Southern-Singer/Songwriter aus den Jahren 1991 bis '96 am Stück genehmigen. Und als Dreingabe kriegt man Bruce Brookshire, Micky Moody, Bernie Marsden und andere Götter mitgeliefert.
Das sollte Grund genug sein. Scheiß aufs Cover! Und außerdem überbrückt es die Wartezeit bis zum neuen Album.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 21.07.2003

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