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Manfred Hörstmann

Meine sportlichen Niederlagen

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Meine sportlichen Niederlagen
Meine sportlichen Niederlagen, Books on Demand GmbH, 2003
ISBN: 3-8311-4845-7
Umfang: 98 Seiten
Preis: 7,90 Euro
Illustrationen von: Ole Biege

Ich muss mir die sportlichen Niederlagen meiner Kollegen jeden Montag anhören. Was Wunder, sind diese Kerle doch auch Anhänger solcher Vereine wie den Stuttgarter Kickers (Betonung auf Kickers), den ehemals (Roten) Teufeln aus Kaiserslautern oder gar Rot-Weiß Essen (Schlachtruf: "Nie mehr zweite Liga!"). Neulich haben wir sogar eine CD besprochen, deren Urheber aus der Stadt des Wuppertaler SV stammt. Ich meine, da braucht man sich über das Gejammer nicht wundern. Jungs, Ihr müsst nur den richtigen Vereinen huldigen. So wie ich. Und wenn der große FCB ausnahmsweise gegen Alemannia Aachen im Pokal verliert, dann steckt dahinter eine große Verschwörung, ein Komplott, der große Plan... So schaut das aus, Damen und Herren.

Weil wir Schreibdeppen im Home of Rock aber nicht nur dumpfsinnig irgendwelche CDs anhören, sondern neben dem dumpfsinnigen Hören irgendwelcher CDs durchaus auch noch andere Tätigkeiten verrichten können (ich kann mich zum Beispiel bei laut aufgedrehter Musik duschen, mir ein Bier einschenken oder in der Nase bohren), ergehen wir uns ab und an in Lesungen. Das bedeutet: Nicht alle Redaktionsmitglieder können lesen. Die lassen sich vorlesen! Dabei haben sie viel Spaß und wir diskutieren dann auch oft über die literarischen Ergüsse anderer und haben noch viel mehr Spaß. Nebenher läuft eine beliebige Platte unserer derzeitigen Favoriten.

Was hat das alles mit dem zu besprechenden Buch zu tun?
Eine ganze Menge, denn "Meine sportlichen Niederlagen" ist so etwas ähnliches wie Rock & Roll in sportlich-sprachlicher Buchform. Zu oft haben wir Rock-Tiere an Niederschlägen zu knabbern, als dass man die gegensätzliche Beziehung noch weiter verheimlichen könnte (aber was ist eine gegensätzliche Beziehung?). "Was, Du hörst immer noch die gleiche Musik wie vor 25 Jahren?", "ja, schon, aber es gibt eine Menge neuer geiler Bands", "mmmh, ich hab jetzt einen 9-Sitzer gekauft. Für uns und die Kinder und Antenne Bayern macht klasse Musik."
Da stehst du da wie ein Verlierer, mit deinem Fahrrad und ohne Kinder, aber mit einem Sack geiler Scheiben. So wie damals, als mein Lateinlehrer sagte "Schüler Schmidtlein, sie haben ja wohl ihre gute Kinderstube mit dem D-Zug durch Feldmoching durchquert." Feldmoching ist ein ehemals etwas bäuerlicher Vorort von München und ich liebte ihn. Ich musste da immer durch, wenn ich ein wunderbares Wochenende bei Oma und Opa vor mir hatte. Letztlich hab ich auch nie Abitur in Latein gemacht.

Jetzt aber zum Buch. Dieses Buch kann man überall lesen. Also zum Beispiel auf dem Klo, in der U-Bahn oder im Bus, am Samstagnachmittag auf dem Sofa oder am Mittwochabend auf dem Balkon.
Ist man aber ein so genannter Aktiv-Leser (das sind die, die auch bei guter Musik mitstampfen und sich bei Louis de Funes auf dem Boden wälzen), fallen öffentliche Orte direkt aus. Ich hab das probiert und die Reaktionen meiner U-Bahn-Mitfahrer auf meine Lachattacken waren gemischt. Von "armer verwirrter Kerl, sieht doch eigentlich ganz vernünftig aus" bis "das besoffene Schwein, schon morgens um 7..." gab es alles. Bleibt also Klo, Sofa und Balkon.

Ach ja, eines muss ich noch sagen. Ich kaufe die Süddeutsche Zeitung seit 25 Jahren nicht zuletzt wegen dem täglichen "Streiflicht" auf der ersten Seite. Und wegen der freitäglichen Glossen von Axel Hacke im SZ-Magazin. Das ist kurz und bündiger Unsinn in sprachlicher Höchstform. Und genau deswegen ziehe ich hier meinen Hut vor Manfred Hörstmann und seinen kleinen Essays. 100 Seiten voll mit wunderbaren Erinnerungen und Geschichten über das Scheitern seinerselbst und anderer. Dazu ein Sprachduktus, der Ehrfurcht gebietend ist. Worte die kaum mehr jemand kennt, der Pedell zum Beispiel (ja, liebe Schüler, wer oder was ist der Pedell?), Satz- und Wortbildungen, die so bei heutigen Germanistikstudenten nicht mehr stattfinden.

Ich muss noch was sagen. Es geht wirklich um Sport! Auf jeweils etwa einer Seite werden uns die Freuden verschiedenster Sportarten präsentiert (manchmal auch mit äußerst verständlichen Explosionszeichnungen illustriert). Hyperaktive Trendsportenthusiasten sollten das Buch ganz langsam lesen, denn sie bekommen etwa 50 verschiedene Tipps für ihren nächsten Actionurlaub im Clubhotel. Das schafft Ihr nicht! Nehmt Euch Zeit. Und ein gutes Buch.

Leser und Leser, Kollegen und Kollegen, Genossen und Genossen (das leidige -innen könnt Ihr Euch denken), wenn Euch in diesen ach so harten Zeiten nur ein Fünkchen Resthumor geblieben ist, wenn Ihr unsportliche Bierglasstemmer seid oder fitnessgeile Triathleten, headbangende Thrashmetalhörer oder spagatierende Status Quoiker, Katzenfreunde oder geschieden, Bauer oder Westfale, egal, "Meine sportlichen Niederlagen" macht furchtbar Spaß!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.04.2004

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