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Gods Of War - Live

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Gods Of War - Live
Gods Of War - Live, Magic Circle Music/SPV, 2007
Eric Adams Vocals
Scott Columbus Drums
Karl Logan Guitar
Joey DeMaio Bass
Gäste:
Joe Rozler & Francisco Palamo Keyboards
Produziert von: Joey DeMaio Länge: 114 Min 47 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Manowar8. Secret Of Steel
2. Call To Arms9. Son Of William's Tale
3. Gloves Of Metal10. The Gods Made Heavy Metal
4. Each Dawn I Die11. Die For Metal
5. Holy War12. Kings Of Metal
6. Mountains13. Warriors Of The World United
7. The Oath14. Balck Wind, Fire And Steel
CD 2:
1. The Blood Of Odin6. Odin
2. The Sons Of Odin7. Hymn Of The Immortal Warrior
3. Glory Majesty Unity8. The Crown And The Ring
4. Gods Of WarBonus:
5. Army Of The DeadGods Of War (Video)

MANOWAR haben es geschafft. Hail! Ach was, vertippt. Bravo!
MANOWAR spielen jetzt die ganz großen Hallen und machen sie auch noch voll. Oh Odin! Ach was, vertippt. Oh Mammon!
Wie macht man das? Ganz einfach: Man braucht nur die perfekteste Promotionmaschine neben der von KISS, ein paar verschobene Tourneen zur rechten Zeit und eine Menge Durchhaltevermögen. Große Klappe, blöde Sprüche, einige einflussreiche Musikjournalisten und devote Fans sind dabei nicht hinderlich. Und dann muss man nur noch Lawinen von Produkten auf das Volk herunterschmeißen, sich bei Stefan Raab komplett zum Horst machen, am Ende bleibt prompt ein riesiger Haufen Kohle übrig. Reschbeggt, Herr DeMaio.
Natürlich ist es nicht so, dass bei diesen riesigen Konzerten in Westfalen-, Olympia-, Schleyer- oder Max-Schmeling-Hallen nur und ausschließlich wahre True Metal Fans zugegen wären, wir hätten dann ein Land der heiligen Metal-Krieger, unter den zig Zehntausenden sind auch all die Adabeis und Trendhopper, die eine Woche später Robbie Williams als DEN Entertainer des Jahrtausends bejubeln. Vor Jahren hätte unser Joey die noch mit seinem beliebten Spruch "wimps and posers leave the hall" vertrieben, heute dürfen sie gerne zum Gesamtumsatz beitragen. Sei es ihnen vergönnt, den drittletzten Aufrechten des Musikbiz. Die anderen sind Florian Silbereisen und Ted Nugent.
Wir fassen zusammen. Die Welle des Megaerfolgs wird bald verebbt sein, MANOWAR werden dann wieder dort landen wo sie herkommen, immer noch genügend Zaster einfahren und gelegentlich durch hirnrissige Aktionen auffallen. Derweil muss aber noch die Schafherde gemolken werden und dies beginnt jetzt mit der Live-CD zur letztjährigen "Demons, Dragons & Warriors" Tour. Die DVD kommt bestimmt auch bald.

"Gods Of War" hieß das letzte Studioalbum und den Worten des Kollegen Wahnfried Litges ist bis heute nichts hinzuzufügen. "Gods Of War" ist die zu Altmetall gewordene Reinkarnation von Benjamin Blümchen und der Räuber Hotzenplotz ist dagegen ein bösartiger Triebtäter. Das Album war Fanverarschung pur, jedoch letztendlich nur konsequent: Als Geschäftsmann muss man die Grenzen der Belastbarkeit seiner Kund- und Belegschaft austesten (frag nach bei der Deutschen Bahn, Siemens, Opel oder dem Arbeitsamt). Großteile dieses Treppenwitzes finden sich auf der zweiten CD dieses opulent ausgestatteten Doppelalbums - und erweisen sich auch in der Bühnenfassung als ausgesuchte Langweiler.
Zum Glück gibt es natürlich auch einen ersten Teil, doch bevor es damit losgehen kann, noch ein paar Anwendungstipps für Eventualkäufer, die nicht tagein tagaus mit dem "sign of the hammer" durch die Schattenwelt sausen. Diese bedauernswerten Kreaturen dürfen "Gods Of War - Live" nur unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen ohral einnehmen. I. Jeden Anflug einer visuellen Imagination sofort unterdrücken. II. Dem Sänger Eric Adams darf gehuldigt werden, jedoch ist Eindringen jeglicher Textzeilen ins Kleinhirn unbedingt zu vermeiden. III. Das dicke Booklet ist gebührend zu bewundern, die Bilder dürfen beklatscht werden, allerdings ist jeder Buchstabe weiträumig zu umlesen. Speziell die Liedtitel dürfen keinesfalls übersetzt und/oder verstanden werden. Weiterführende Information hierzu finden Sie hier und hier. IV. Empfohlene Körperhaltung während der knapp zweistündigen Behandlungszeit: Stehend, beide Beine leicht gespreizt und fest auf der Erde verankert, Nackenmuskulatur entspannt, Kopf heftig schütteln (s.a. "Headbanging"). Alternativ darf auch Luftgitarre mit Propellerhaaren gespielt werden. Dadurch wird jegliche Denktätigkeit unterbunden und gleichzeitig der Kreislauf angeregt. Werden die genannten Sicherheitshinweise beachtet, ist der Genuss des Tonträgers gefahrlos. Und nun: Let's get ready to. na ja, rumble!

Ernsthaft gesprochen, muss man bei MANOWAR und vergleichbaren Kapellen schon immer andere Maßstäbe als bei "normaler" Rockmusik ansetzen. Laut muss es sein, darüber nachdenken darf man nicht, Ironie und Spott der Umwelt muss man vertragen, dann ist die Gaudi beinahe grenzenlos. Voraussetzung ist natürlich eine Band, die ihr Handwerk beherrscht. MANOWAR tun das ohne jeden Zweifel, sogar der aufgeführte Kinderfasching nötigt vermutlich auch dem letzten Miesepampel ob seiner Perfektion Respekt ab, schließlich: wer hat früher nicht auch gerne Indianer und Cowboy oder Ritter gespielt. Dennoch, es ist gut, dass es sich momentan nur um eine Tonkonserve handelt, jedenfalls zum größten Teil, denn über ein gesamtes Konzert diesen Mumpitz beobachten zu müssen, überfordert denn doch die Mehrheit der Heimhörer. Es reichen schon die skandierten Texte und die klanglichen Klischees, die MANOWAR kübelweise abladen (siehe Punkt II.).
MANOWARs großer Vorteil ist, dass sie in ihren besten Momenten eben keine der vielen bocksteifen Prügel-Kapellen des Genres sind, sondern durchaus mit, ääähm, Witz und einer Art Swing an die Sache herangehen. Man nennt das dann eher Hard Rock denn Heavy Metal, aber das will der Gast in der schwer benähten Kutte natürlich nicht hören, er ist ja Metallurg und kein Weichei.
Klingt seltsam, bleibt aber die bittere Wahrheit, MANOWAR donnern zwar nach wie vor wie zehntausend Schwerlaster über einen hinweg, aber im Grunde ihres Herzens sind sie eine Melodic-Band mit Hang zu ganz ganz traditionellen Klängen. Und das, meine Lieben, waren sie schon immer, auch wenn all das Gefuchtel und Geschwurbel geschickt davon abgelenkt hat.

CD 1 ist eine geschickt zusammengestellte Sammlung herausragender Live-Knaller, die zwar sicher nicht den Geschmack eines jeden Sammlers treffen wird, aber einen schönen Querschnitt bietet. Und vor allem einen Querschnitt, der in manchen Teilen sogar überraschen wird, denn beispielsweise Mountains, Gloves Of Metal oder Each Dawn I Die gab es bisher in Liveversionen noch nicht. Nimmt man dazu die Band-Klassiker The Gods Made Heavy Metal, Manowar oder Call To Arms, gehen die ersten 77 Minuten des Doppeldeckers verdammt gut rein - unter Umständen sogar besser als die beiden ersten Live-CDs "Hell On Wheels" und "Hell On Stage" aus dem letzten Jahrzehnt. Nur beim grenzdebilen Basssolo Son Of William's Tale bleibt einem das Schwert im Halse stecken. Das Publikum vor Ort bejubelte aber auch das frenetisch (über Kopfhörer zu verstehender Lustschrei eines Zuschauers: "Mann, ist das scheiße gut!"). Widerspruch zwecklos.
Der Sound ist übrigens gewaltig, außerordentlich differenziert und manchmal an der Grenze des Glaubhaften. Doch wer "death zu false metal" propagiert, wird sicherlich nicht mit Tricks arbeiten, oder?
Nehmen wir es also wie es ist: Teil 1 von "Gods Of War - Live" ist ganz großer Heavy Metal, nicht mehr und nicht weniger. Schraubt man jegliche geistige Ansprüche herunter und ignoriert die Albernheiten, steht man hinterher schwitzend und außer Atem in der Mitte seines Wohnzimmers. So muss das sein, auch wenn man den Wahlspruch Die For Metal (Bonus und bester Track auf "Gods Of War") nicht final befolgen sollte.
An dem Unfug von "other bands play, Manowar kill" ist bis zu dieser Stelle schon was dran.

Part II ist anders zu betrachten. MANOWAR drängen den Fans einen ellenlangen Zugabenblock - bestehend aus dem vorgeblich wichtigen Teil des Hörspiels "Gods Of War" - auf und das grenzt an Nötigung. Mit zwei Keyboardern und furchtbaren Chören vom Band sülzen sich die Kings of Metal durch nahezu unerträgliche Kompositionen, lassen dem armen Odin keine Sekunde seine verdiente Ruhe und bezichtigen die Fans gemeinerweise eine Army Of The Dead zu sein. Gehirntote, um genau zu sein.
Was im regulären Teil noch durch Power und funkensprühende Songs aufgefangen wurde, entpuppt sich nun als leere Banalitätenhülse ohne Sinn und Verstand. Von wegen "Hail, Gods Of War", spätestens nach 10 Minuten pennt man geplagt von Träumen über Wickie den kleinen Wikinger ein. In den Hallen wurden zum Musical noch passende Filmchen gezeigt, hätte Freund Wotan heute noch etwas zu sagen, er hätte es verhindert.
Wohl als Ausblick auf die unvermeidliche DVD bekommt man noch eine erstaunlich miserabel gefakte Video-Version von Gods Of War untergejubelt. Fazit: Die zweite CD ist so überflüssig wie das ursprüngliche Studio-Epos. Damit machen MANOWAR den vergnüglichen Eindruck des ersten Teils kaputt.

Noch ein paar grundsätzlich Worte zu dieser Band. Man hat DeMaio schon allen möglichen Quatsch vorgeworfen, von Gewaltverherrlichung über Sexismus bis hin zu faschistoiden Tendenzen. Bockmist. Wenn man ihm etwas vorwerfen kann, dann die skrupellose Umsetzung sämtlicher kapitalistischer Marktmechanismen unter Einsatz bewusstseinsverändernder Mittel wie eben Rockmusik.
Unsere liebe Frau Sperling schreibt soeben via Email: ". und das Beste: Die meinen das ernst. Putzig!" Da steckt eine Menge Wahrheit drin, denn wer mehr als 25 Jahre unverbiegbar so viel Stuss verzapft, muss am Ende als authentisch durchgehen. Kann man mögen, muss aber nicht. Aber bitte, der Konsument sollte eines niemals tun: MANOWAR über Gebühr ernst nehmen oder gar anbeten. It's only Rock & Roll! Außerdem kümmern sich die Herren rührend um den Nachwuchs. "Your kid could be a true metal kid, too!". Köstlich.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.07.2007

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