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MEZZ:

Mezz
(Compilation)

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Fortune Records
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Jeff Mezzrow
Mezz (Compilation), Fortune Records/Discipline Records, 1992 - 2000
Jeff Mezzrow Guitars, Vocals
Rick Kolow, Pete Downing, Billy Omalley, Rolo Ruck, John Montagna, Jeff Darosa Bass
Ric Haddad, Jay Bellerose, Lothar Dengel, Buelent Koeksal, Stephen Hart, The Captain, Andrew Frawley, Zephan Courtney Drums
Produziert von: Mezz Länge: 67 Min 22 Sek Medium: CD

"Wir müssen wieder Musik produzieren, die wir uns abends zuhause selbst anhören". Sprach einer der ganz Mächtigen der Plattenindustrie.
Gute Idee, aber irgendwie ist der Zug der Zeit offenbar an Herrn Stein vorbei gezogen. All die kleinen unabhängigen Labels tun das seit Jahren. Musik von Fans für Fans.

Thomas Bauer vom Winz-Label Fortune Records hat uns STEVE SCHUFFERT beschert und jetzt kommt aus seinem Stall die nächste Sensation: MEZZ.
Nicht ganz richtig, weil diese Sensation gibt es bereits seit 10 Jahren auf mittlerweile 7 CDs und mit immer mal wieder wechselnder Rhythmusabteilung. Mir liegt ein Querschnitt mit 17 Songs daraus vor und ich bin begeistert.

Der musikalische Geschmack von Herrn Bauer deckt sich frappierend mit meinem, und das ist gut so. Wir reden wieder von hartem, bluesigem, gitarrenlastigem Rock.

Unsereins ist leicht zufrieden zu stellen. Gleich zu Beginn braucht es kerniges Powerhouse-Drumming, eine messerscharfe Gitarre und einen Song, der richtig abgeht.
Passt alles bei MEZZ. Aber dann folgt sofort der erste echte Hinhörer. Logisch ist I'm A Man eine alte Kamelle, aber in so einer verschärften Version hab ich den Song noch nie gehört. Lieber Himmel, der Typ fängt auch noch zu singen an. Und wie!
Erster Gedanke: Lonesome Dave ist zurück. Der junge Mr. Mezzrow (born 1954 in Chicago) singt unglaublich gut. Tragend wie ein Nebelhorn, sensationell variabel, durchdringend wie ein Beil durch warme Butter. Ein echter Gänsehaut-Sänger.
Dazu die erwähnte Gitarre, knallhart und sägend und eine Band, die so richtig ballert. Uff.

Diese Compilation ist voll mit Coverversionen. Und es kommt nicht oft vor, dass mich das nicht stört. Zu oft hat man Nummern wie Not Fade Away oder Sitting On Top Of The World schon gehört. Aber, glaubt mir, so wie hier hat man sie noch nie um die Ohren geballert bekommen.
Sei es die Scratch-Einlage auf der Gitarre bei Do The Mezz, gefolgt von einem Finish, das auf jede Hendrix-Platte gepasst hätte, oder die Fassung eines uralten Schmachtfetzens wie Dedicated To The One I Love, bei der der Gesang jedes Ohr zum Schmelzen bringt.
Überhaupt, die Balladen sind auf dieser CD das Salz in der Suppe. Absolut schmalzfrei, einfach wunderschön gespielt und gesungen.
Wer sich heute noch traut, When A Man Loves A Woman zu bringen, der muss gut sein, ansonsten fliegt er direkt aus meinem Player!

Natürlich können MEZZ auch anders. Der Heavyrocker Sheez Ta Doi Faw, mit richtigen "Growl"-Vocals und einer puren Metal-Gitarre (nur besser gespielt), beweist es. In diesen 3 Minuten kommt jeder Rockfan ins Schwitzen.

Die Band ist absolut ausgereift, die Songs sind perfekt arrangiert, die Vocals, inklusive Background, sind 100% geschmackssicher gesetzt. Akustische Gitarren, zwischendurch gar etwas spanisch angehaucht, dann wieder härtester Rock, gefolgt von einem Blues, bei dem manches Gitarrenwunderkind blass wird.
Apropos Gitarrenwunderkind. Jeff Mezzrow kann Gitarre spielen. Und das exorbitant gut. Nur ein-, zweimal übertreibt er seine Zaubereien etwas. Beispielsweise das ansonsten phantastische Peek-a-boo wird von einer Nuance zuviel Gitarre zugepflastert.
Bei Not Fade Away hingegen stimmt alles. Ein leicht countryfiziertes Intro, dazu ein Mörderbass, Schweineorgel und dieser gewaltige Gesang machen beinahe ein neues Lied aus dem Jagger/Richards-Schlager.

Die gitarristischen Vorbilder dürften eindeutig Leute wie Jimi, Stevie oder Randy (California) sein. Oft genug zitiert er diese, ohne aber wirklich zu plagiieren. Das klingt moderner und präziser als die Alten. Mezz kommt (fast) immer genau auf den G(ehör)-Punkt.
Through The Chaos Of Live, begleitet von einer tollen Hammond, beweißt es mit der wunderbaren, singenden, spacigen, und trotzdem rockenden Gitarre. California meets Montrose, würde ich sagen.
Oder die Gitarrenwand, die sich bei Back It Up aufbaut. Aus dem Jahr 1969 ins Jahr 2002 und zurück in 17 Sekunden, funky, psychedelisch und heavy in einem, zusammengehalten vom Gesang (hab ich es schon erwähnt, der ist einfach Weltklasse).

Die 80er waren, musikalisch gesehen, wahrlich nicht meine Welt. Hätte es I'll Be Around damals schon gegeben, wenigstens eine Platte von damals hätte Kultstatus in meiner Sammlung. Ein breitwandiger Brecher, quasi der Song, den John Bongiovi nie geschrieben hat.
Erschreckend ist die Vorstellung, was Clowns wie Poison wohl aus der traumhaften Ballade A Rose In The Snow gemacht hätten. MEZZ begleiten den Song schlicht mit der Flöte und dadurch haben wir einen weiteren Höhepunkt der CD.
Gleich darauf geht es noch weiter zurück. Remember Donna Summer? Die Disco-Queen aus den späten Siebzigern. Hot Stuff war immer ein guter Dancefloor-Hit, aber was MEZZ daraus machen ist Hammer. Die Fassung erinnert leicht an einen bekannten Hit von Kiss, nur geht Hot Stuff sowas von ab, dass Mr. Schlabberzunge sicher an seinem seichten Geträllere erstickt wäre. Zu dieser Coverversion würde ich gerne John Travolta über die Tanzfläche headbangen sehen...

"Wir müssen wieder Musik produzieren, die wir uns abends zuhause selbst anhören". Ach, solange es kleine Labels gibt, die das längst tun, brauchen wir keine Majors dazu.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 21.04.2002

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