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Molly Hatchet

Live In Hamburg

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Live In Hamburg
Live In Hamburg, SPV, 2005
Bobby Ingram Guitars, Background Vocals
Phil McCormack Lead Vocals, Harmonica
John Galvin Keyboards, Programming, Background Vocals
Tim Lindsey Bass
Shawn Beamer Drums, Percussion
Länge: ca. 125 Min (DVD) & 74 Min 36 Sek Medium: DVD & CD
CD & DVD:
1. Intro12. The Rainbow Bridge
2. Whiskey Man13. Keyboard Solo
3. Bounty Hunter14. Instrumental
4. Gator Country15. Guitar Solo
5. Moonlight Dancin' On A Bayou16. Dreams I'll Never See
6. Fall Of The PeacemakersDVD Bonustracks:
7. Devil's Canyon17. The Journey
8. Drum Solo18. Gone In 60 Seconds
9. Beatin' The Odds19. Jukin' City
10. Son Of The South20. Flirtin' With Disaster
11. The Creeper

Live aufgenommen am 24.07.2004, veröffentlicht am 30.09.2005. Alles klar. Hat wohl was gedauert im Studio, bis schlussendlich alle Gitarren nach dem Wunsch des Meisters geklungen haben und der Schlagzeugsound so hingedreht war, dass jede Möglichkeit des Glaubens an die Authentizität beseitigt ist. Fragt mal die damals beim Konzert anwesenden Fans! Himmelarschundzwirn, oder wie Phil McCormack sagen würde "Hell yeah, and wir machen so lang some fuckin' noise bis euch die Ohren bluten". Und jetzt geht hin und freut euch über die erste DVD von MOLLY HATCHET, der vorletzten true Southern Rock Bastion des verlogenen Musikbusiness (und natürlich always dedicated to the Fans, Amerika und den heldenhaften Truppen im nie endenden Krieg gegen alles Unamerikanische). Wer war noch gleich die andere Bastion? Vergessen. Egal. Hauptsache Free Bird und ein langes Leben allen den mich lieben. Sweet home bless you.
Stop the madness und lasst den Peacemaker endlich in des Teufels Canyon fallen.

Quasi identisch mit der - noch unechteren - "Locked And Loaded" Live-CD von 2003, nur erweitert um ein paar öde Soli, einer wirklich gelungenen Version von The Creeper und drei Songs vom im Mai 2005 erschienen Opus "Warriors Of The Rainbow Bridge", erschlägt uns Mr. Ingram nun mit "Live In Hamburg". Und so sehr ich diese Band liebe, so sehr schwindet auch der letzte Funken Hoffnung an eine "ehrliche" MOLLY HATCHET Band. Die andauernde Bobby Ingram Soloshow geht auf den Nerv, der immer gleiche Sound langweilt, die immer gleiche Setlist sowieso (als hätten Hatchet nicht einen ganzen Stapel anderer Klassiker auf Lager), der arme Phil könnte wenigstens mal versuchen einen anderen Text zwischen den Songs abzulassen (wenn er schon immer gleich brüllt) und anstatt eines zweiten Gitarristen könnte man doch einfach einen Pappkameraden auf die Bühne stellen, wäre billiger und zeigte wenigstens die Hochachtung Ingrams für die jeweils betroffenen Stunt-Gitarristen. Wirklich unglaublich, welch subordinierte Rolle der hier physisch anwesende Komparse spielt. Damn it, wir wollen doch keinen Chef mit seinem Basser oder Sänger posen sehen, wir wollen die Guitar-Army!

"Warriors Of The Rainbow Bridge" war ein gutes Album (ich stehe da übrigens im Leser- und Kollegenkreis relativ exklusiv mit meiner Meinung), "25th Anniversary - Best Of Re-Recorded" war der Knüller, die letzte Tour eher sinnlos, "Live In Hamburg" ist es leider auch.
Des ungeachtet sind natürlich die Darbietungen Ingrams höchst spektakulär, er war auch im Juli 2004 (genau wie 2003, nach seiner Herzattacke) agil wie über Jahre zuvor nicht, Phil röhrt großartig (wenn man seine 0,5-Oktaven Stimme verkraften kann), schön auch, dass ausnahmsweise John Galvin an den Keyboards dabei war und beim Bobbys verstorbener Frau gewidmeten Rainbow Bridge ist man bewegt. Nur: Wer zum Geier will all die alten Klassiker wieder und wieder in der Gitarrensoloversion hören, wenn doch das Original mit drei mal sechs Saiten im Plattenschrank steht. Oder noch schlimmer: Solang ich Dreams I'll Never See von LIZARD bekommen kann, ist die M.H.-Bratzversion so überflüssig wie ein Kropf. Obwohl, wenn Ingram mittendrin abhebt, könnte man schon ins träumen kommen. Aber von I'll never see kann trotzdem keine Rede sein - schon gar nicht bei dem hier ganz offensichtlichen Fake an den "zwei" Gitarren.

Die DVD ist handwerklich ok, die Schnitte sind Geschmackssache, die Überblendungen mit den ständig verlaufenden Bildern erscheinen auf Dauer albern, der Focus auf Ingram und McCormack ist betrüblich aber logisch, das Publikum wurde effektvoll auf kleinem Raum zusammengedrängt und ist trotzdem seltsam lethargisch, der Sound aus den Boxen drückt, wenn auch nicht sonderlich surround, der Overdub-Betrug fällt nur bei genauerem Hinsehen auf (interessant was Ingram mit ohne Hände spielen kann., trotzdem ist Moonlight Dancin' On The Bayou ne geile Nummer) und manche Fahrt mit dem Kamerakran ist richtiggehend beeindruckend, macht aber im Fischaugenprinzip alles größer als es wirklich war.
Wie leider so oft, gilt auch hier, dass die Plattenfirma SPV etwas mehr Sorgfalt in die Richtig- oder Falschschreibung ihrer Booklets investieren könnte. Moonlight Dancin' On THE Bayou oder . On A Bayou, Rainbow Bridge oder THE Rainbow Bridge, alles Marginalien, aber für den Fan auffällig und wichtig. Braucht Ihr nen Qualitätsbeauftragten?
Extras gibt's auch. Interview, "Behind the scenes" und die üblichen Bildchen (auch noch mit anderen Bandmitgliedern) und Bio- bzw. Discographien. Kritische Fragen? Hihihohohaha. Wirkliche Einblicke? Aber klar doch.

Quo vadis, MOLLY HATCHET? So geht's nicht mehr weiter, so wird es über kurz oder lang jeder merken, dass diese Band keine mehr ist. Zeigt man die DVD jedoch einem Frischling, wird er begeistert sein von den Songs, den Darstellern und dem Brachialsound. Aber wo findet man heutzutage schon Frischlinge? Im Publikum hab ich nur ein paar altbekannte Gesichter entdecken können.

Format: DVD9
Bildformat: 16:9 & 4:3
Audioformat: Dolby 5.1 & 2.0
Region: Codefree
Untertitel: Englisch & Deutsch

Bonusmaterial:
· Behind the scenes
· Bobby Ingram in talk (Interview)
· Picture Gallery
· Biographie
· Discographie

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 16.09.2005

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