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One-Eyed Jack

Keep Your Head

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Keep Your Head
Keep Your Head, Eigenvertrieb, 2006
Joe Boris Vocals, Guitar, Talk Box, Mandolin & Acoustic Guitar
Gary Gallagher Guitars & Synth Guitar
Adam Riley Bass & Vocals
Squigs Vocals, Keyboards & Synthesizer
Alzie Drums
Bob Ramos Percussion, Bells & Whistles
Gäste:
Buddy Cage Pedal Steel (What You Find)
Rosie Lazroe Vocals (What You Find, Breathe In & Set Me Free)
Produziert von: Joe Boris Länge: 60 Min 49 Sek Medium: CD
1. Firing Line7. Keep Your Head
2. Breathe In8. On My Back
3. What You Find9. Middle Of The Road
4. Grow10. Ain't Easy
5. Euria11. It's Time
6. Wake Up12. Set Me Free

Mitte Juni und die Heizung läuft auf Hochtouren. Draußen hat's 10 Grad im Schatten - und Schatten ist überall, weil die Sonne eh nicht scheint - und allüberall wird man von Fußbällen penetriert. Das schlägt aufs Gemüt. Da kommt eine (für mich) neue Jam-Band gerade recht. Allerdings frustriert die Erkenntnis, dass ONE-EYED JACK schon 15 Jahre bestehen und "Keep Your Head" bereits ihre vierte CD ist, dann noch mal ein paar Prozentpunkte mehr. Da tut man und da macht man und dann geht einem so eine Band über Jahre durch die Lappen. Toller Fachmann der man ist.

"Keep Your Head" macht warm. Das wird jedem direkt beim ersten Durchgang klar. Quatsch, schon nach den ersten 20 Sekunden. So leichtfüßig wie ONE-EYED JACK beim Opener Firing Line kommen nicht viele Bands daher. Verwandtschaften zu altbekannten Bands sind durchaus bewusst, immerhin sagt die Band von sich, mit Konzerten der ALLMAN BROTHERS und GRATEFUL DEAD aufgewachsen zu sein.
Automatisch swingt man mit, erfreut sich an wunderschönen Melodiebögen und klassisch-rockigen Gitarren, einstimmig oder elegisch im Formationsflug. Und an einem Percussionteppich, den man in den letzten Jahren so vielleicht von THE SAVOY TRUFFLE aus Japan gehört hat. Auch die Amerikaner arbeiten mit Drummer plus Percussionist. Nicht zu vergessen ist natürlich der Gesang. Immer angenehm, immer eingängig, immer locker.

Wo den (noch existierenden) Vorbildern in den letzten Jahren zunehmend die kreative Puste ausging, finden ONE-EYED JACK noch den spannenden und entspannenden Dreh, wo manche Genre-Größen auf ihren Studioplatten nur maximal halben Groove erzeugen können (WIDESPREAD PANIC, STRING CHEESE INCIDENT), dreht sich das Rad hier in voller Geschwindigkeit, wo manche - sprich GOV'T MULE - mit Dauergitarre nur für ausgewiesene Sixstringer bekömmlich sind, serviert die Genossenschaft aus New Jersey das komplette Band-Menü. Und das ohne psychedelische Pilze, höchstens mit einem lustigen Kraut, direkt aus Jamaika importiert.
Ja, auf "Keep Your Head" sind einige Verweise Richtung Rastaman zu finden. Allerdings immer im Jam-Kontext, also mitnichten "eintönig" im Roots- oder gar Dancehouse-Stil, dafür in beständiger Bewegung und mit überraschenden Drehungen und Wendungen und vor allem immer wieder hin zum "normalen" Rock. Das ist sicher nicht originärer Reggae, macht so aber auch für durchschnittliche Bleichgesichter Sinn und Spaß.

Die einzige Nummer mit Anlaufschwierigkeiten ist Middle Of The Road. Die spanische Gitarre, der Ausflug zum Limbo, die leicht SANTANA-artige Songstruktur scheint irgendwie nicht richtig zu ONE-EYED JACK zu passen. Andererseits entschädigt die hervorragende Schlagzeug-/Percussionarbeit, die ansteigende Spannungskurve und der Abflug von Gitarrist Gary Gallagher zum Ende hin wieder voll und ganz.
Joe Boris hat natürlich nicht den gleichen Biss wie Gregg Allman zu besten Zeiten in der Stimme, dennoch geht das bluesrockige Ain't Easy konkret in Richtung der ABB zu Beginn der Ära mit Warren Haynes, It's Time und das oben erwähnte Firing Line könnten aus der Frühzeit, also mit Duane und Dickey, stammen. Aber Achtung! Hier wird nicht plagiiert, ONE-EYED JACK sind Erben, keine Erbschleicher.

Im Gegensatz zu den offensichtlich leider kurzlebigen STOCKHOLM SYNDROME, hat sich mit ONE-EYED JACK eine Band etabliert, die dauerhaft und beständig für besten Schwung sorgt. Bitte nicht ignorieren!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 02.06.2006

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