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Outlaw Country

Live From Austin TX

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Live From Austin TX
Live From Austin TX, New West Records/Blue Rose Records, 2006
Willie Nelson Guitar, Vocals
Waylon Jennings Guitar, Vocals
Kris Kristofferson Guitar, Vocals, Harmonica
Billy Joe Shaver Guitar, Vocals
Kimmie Rhodes Guitar, Vocals
plus:
Jerry Bridges Guitar
Mickey Raphael Harmonica
Gabe Rhodes Guitar
Eddy Shaver Guitar
Produziert von: Cameron Strang, Jay Woods & Gary Briggs Länge: 49 Min 32 Sek Medium: CD
1. Fighter (Kris Kristofferson)8. Espiritu Santo Bay (Kimmie Rhodes)
2. I'd Have Been Out Of Jail (Waylon Jennings)9. You Just Can't Beat Jesus Christ (Billy Joe Shaver)
3. Just One Love (Kimmie Rhodes with Willie Nelson)10. Too Sick To Pray (Willie Nelson)
4. First And Last Time (Billy Joe Shaver)11. Pilgrim's Progress (Kris Kristofferson)
5. We Don't Run (Willie Nelson with Kris Kristofferson)12. Just Watch Your Mama And Me (Waylon Jennings)
6. Promise (Kris Kristofferson)13. Lines (Kimmie Rhodes)
7. I Do Believe (Waylon Jennings)14. On The Road Again (Willie Nelson with Waylon Jennings, Kris Kristofferson, Billy Joe Shaver & Kimmie Rhodes)

Es muss einer dieser Spätsommerabende gewesen sein, an denen man normalerweise mit einer Kerze, einer Flasche Wein, einer CD und einem Buch auf der Veranda oder dem Balkon sitzt und in zwei Stunden mehr entspannt als bei einem dreiwöchigen All Inclusive Urlaubsgemetzel auf der Insel. Willie, Waylon, Kris, Billy Joe und Kimmie hatten aber anderes vor und nahmen lieber ihre Gitarren, anstatt auf Konservenmusik und Literatur zu vertrauen. Wein war wohl genug im Haus, allerdings zufällig auch Kameras und ein Haufen Publikum. Das mag die fünf Musikanten zuerst vielleicht leicht irritiert haben, aber was sollte solchen Haudegen wie Willie, Waylon, Kris, Billy Joe und Kimmie schon passieren. Sollen doch die Leute lachen, wenn sich Kris in seinem Lied Pilgrim's Progress verhaspelt. Den größeren Spaß hatten eh Willie, Waylon, Billy Joe und Kimmie, weil sie sich derweil über den Wein hermachen konnten, während der alte Kris mühsam die Worte sortierte.
Wie die Fernsehleute so sind, musste noch ein Name für die Veranstaltung her. OUTLAW COUNTRY schrieben sie leicht unbeholfen drüber und stellten den Herrschaften noch eine kleine Bühnendekoration hinter die Stühle. Dann saßen Willie, Waylon, Kris, Billy Joe und Kimmie im Kreis, unterhielten sich, lachten viel und spielten ein paar ihrer alten Songs zum Wein. Wie gesagt, es war wohl einer dieser Abende, dieser 22. September 1996.

Man kann vielleicht hinterfragen, ob es denn Sinn macht, ein knappes Stündchen Hausmusik mehr als zehn Jahre später zu veröffentlichen, aber vorher sollte man wissen, dass Willie, Waylon, Kris, Billy Joe und Kimmie seit (addierten) einigen hundert Jahren große, sehr sehr große Volksmusikanten sind. Wo war eigentlich Johnny an diesem Abend?
Willie Nelson, Waylon Jennings, Kris Kristofferson, Billy Joe Shaver und die wundervolle Kimmie Rhodes saßen auf dieser Veranda/Bühne und machten zusammen ihre leise, nachdenkliche, sehr lustige Musik für die alten, jungen, armen, vielleicht auch ein paar reiche, für die traurigen und glücklichen, einfachen und schwierigen Menschen im Publikum. Das war schön.

Im Hintergrund saß unter anderem noch Eddy Shaver, der geniale und leider unvollendet gebliebene Sohn von Billy Joe, und untermalte die Lieder mit ein paar sparsamen und Gänsehaut erzeugenden Gitarrenlinien, man höre sich nur seines Vaters You Just Can't Beat Jesus Christ an. Vorne unterhielten sich die Stars miteinander und damit das Publikum. Jeder durfte zwei oder drei Mal mit einem eigenen Song reüssieren, manchmal taten sie es im Duett, und am Schluss, bei On The Road Again, alle zusammen.
Ein nahezu himmlischer Moment ist Kimmies Duett mit Nelson bei Just One Love. Man möchte angesichts solcher Klänge nie mehr von irgendwelchem tagtäglichen Mist belästigt werden.
Waylon Jennings, immerhin der zweitjüngste der vier Veteranen (Mrs. Rhodes ist mit weitem Abstand das Küken), schien 1996 gerade so richtig in Schwung gewesen zu sein. Seine Beiträge strotzen vor Vitalität, umso betrüblicher, dass für ihn schon sechs Jahre später die letzte Glocke läutete. Kristofferson nahm die Sache weitaus weniger ernst und knarrte sich sozusagen mit hochgelegten Beinen durch seine Gassenhauer - "here's a song I wrote for my kids . and their mamas".
Und Willie Nelson ist eben Willie Nelson. Ein toller Sauhund. Selbst ein zigtausendmal totgenudeltes On The Road Again klingt mit seiner Stimme noch grandios.

Nach dieser CD mit Willie, Waylon, Kris, Billy Joe und Kimmie geht es euch gut. Und vielleicht bleibt Zeit für ein paar Gedanken. Zum Beispiel jenen, warum vor das Wort Country heutzutage immer New geschrieben werden muss. Nehmt doch lieber den alten OUTLAW COUNTRY.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.02.2007

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