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Popa Chubby

Electric Chubbyland

Popa Chubby plays Jimi Hendix
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DixieFrog Records
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All Music Guide (englisch)

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Electric Chubbyland
Electric Chubbyland, DixieFrog Records, 2006
Popa Chubby Vocals, Guitar
Chris Reddan Drums
A.J. Pappas Bass
Länge: 144 Min 38 Sek Medium: 3 CDs
CD 1 - "Live Part One":
1. Intro6. Purple Haze
2. Spanish Castle Magic7. Can You See Me
3. Foxy Lady8. Remember
4. Catfish Blues9. 3rd Stone From The Sun
5. The Wind Cries Mary
CD 2 - "Live Part Two":
1. Intro5. Hey Joe
2. Come On6. Little Wing
3. Red House7. Voodoo Chile
4. Who Knows
CD 3 - "Studio":
1. Manic Depression5. Burning Of The Midnight Lamp
2. Up From The Skies6. Highway Chile
3. I Don't Live Today7. Bold As Love
4. Isabella8. San Catri (For Jimi)

Jimi Hendrix ist so lange tot, dass man ganz schlicht sagen kann: Sein Einfluss auf die heutige Populärmusik ist gleich Null.
Nur ganz halsstarrige Überlebende werden jetzt bitterlich weinen und fiese Emails verfassen. Nun, schaut Euch doch mal die Charts der letzten 15, 20 Jahre an, wo isser denn, der Hendrix-Sound, der die Musik angeblich erst zu dem machte was sie heute sein soll? Nur noch ganz alte Säue juckt diese Mucke, die Konsumenten ab Baujahr 1970 bestenfalls im Promillebereich (demoskopisch, nicht alkoholisch), aufstrebende Musiker allerhöchstens marginal, und die Industrie... Schwamm drüber, die wird noch in dreihundert Jahren irgendwelches Übungsgerülpse des Meisters veröffentlichen und den allerletzten $ abkassieren. Da ändert auch die Tatsache nichts, dass verzückte Konzertbesucher bei der Zugabe jeder zweiten Bluesband aus Kleinwanzleben in Jubelstürme ausbrechen, wenn nämlich Red House, Hey Joe oder Purple Haze meistens mehr schlecht als recht dahingestolpert werden. Ab dem siebten Bier ist auch Florian Silbereisen (ich liebe ihn wirklich ganz arg, den kleinen Schleimbatzen) True Metal.
Ja, neiiin, Hendrix war mal der Allergrößte, heute spielt er keine Rolle mehr, was ihn von z.B. Jim Morrison unterscheidet (der ist auch tot und war mal Sänger der DOORS und zig Jungdrogisten versuchen so zu sein wie er; Hinweis für die nachgeborenen Leser) und mit Janis Joplin eint. Alle tot...
Und an dieser Stelle tritt der beleibte Popa Chubby mit einer Dreifach-CD namens "Electric Chubbyland" ins Geschehen.

CD auspacken, angucken und Vorurteil bilden ist oft in 10 Sekunden geschehen. In diesem Fall auch. "Electric Chubbyland" klingt so abgedroschen, dass man nichts anderes als dröges Plagiat im Blues-Gewand erwartet. Wie viele elektrische Länder mag es wohl schon gegeben haben? A-b-e-r, da wäre noch die schicke Verpackung im Digipack (wie geil sähe das erst im LP-Format aus?), die Tatsache, dass es sich um drei CDs handelt und eben der vorführende Artist. Von Popa Chubby weiß man, dass er ein regelrechter Hendrix-Anbeter ist, man weiß auch, dass er über die Jahre zu einem immer besseren Gitarristen geworden ist, und man weiß ebenfalls, dass er nicht der einfachste und umgänglichste Mensch auf Rockes Bühnen ist - eine deutliche Parallele zu James Marshall Hendrix. Aber gleich drei CDs mit den Songs des zur bloßen Ikone verkommenen Genies?
Zwei davon sind live in einem hörbar sehr kleinen Club aufgenommen, die dritte mehr oder weniger live im Studio. Alle Songs sind von Hendrix, außer den bereits von ihm adaptierten Catfish Blues, Come On, natürlich Hey Joe und dem abschließenden San Catri, das Popa Horowitz Chubby als viertelstündiges "Thank you, Jimi" angehängt hat.
Nach wie vor steht die Frage "kann das denn auch nur annähernd spannend sein?" im Raum.

JA!

Natürlich im Trioformat, diesmal mit dem 28jährigen Basser AJ Pappas und dem noch viel viel jüngeren Trommler Chris Reddan, zelebriert Popa... gar nichts. Weder sich selbst noch diesen albernen Hendrix-Kult, dem sich zig Epigonen bis zur völligen Selbstaufgabe hingeben und dafür auch noch als Hendrix-Surrogatextrakt von der Jugend ü/50 abgefeiert werden. Popa hatte ganz offensichtlich Bock auf diese "Experience" und sie hat ihm merklich Spaß gemacht.
Noch ein Plus: "Chubbyland" hat mit den üblichen Bluesrocker-Coverversionen für Schwerstbetrunkene nichts zu tun. Die Aufführung bewegt sich natürlich nahe an den Originalen, versucht aber niemals auf Teufel komm raus wie das Original zu klingen, um dabei zwangsläufig abzusaufen wie jede andere Coverband. Popa Chubby spielt den Rock oder Blues oder Boogie immer genau dann, wo ER meint, dass es passt. Jimi Hendrix hätte vieles so niemals gespielt, oder sogar spielen können, da gibt es Auslassungen, Einlassungen und Improvisationen, die man vorher nie so gehört hat, da ist viel mehr Popa Chubby drin, als Hendrix draufsteht.
Der Dicke zickt nicht an seiner Gitarre herum, er macht einfach Remember zu einem simplen Boogie mit Wohlfühlsolo, erklärt 3rd Stone From The Sun zu einem der drei von Hendrix geschriebenen "prophetischen Songs" und legt eine straighte, fast schon moderne Gitarrenlinie drauf. An keiner Stelle taucht diese furchtbare Samstagabend-Clubstimmung auf, die jede noch so hoffnungslose Coverversion zum ultimativen Partyhit und Bierbestellbefehl werden lässt - morgen kann man ja ausschlafen. Der Trick im Chubbyland ist: Zeig was du kannst und wie du Jimi Hendrix liebst, aber fuchtel nicht mit albernen Hüten und Tüchern herum, versuche nicht die zugedrogteste Livefassung von Foxy Lady zu kopieren - der Erfinder hätte das nüchtern niemals so gemacht - und spiele vor allem nie deine Gitarre kopfüber oder gar mit den Zähnen! Nur so kann man sich eben nicht lächerlich machen und trotzdem fast zweieinhalb Stunden mit längst kaputtgespielten Gassenhauern à la Voodoo Chile unterhalten. Und zwar anspruchsvoll. Die Soli klingen auch bei einem Rechtshänder und mit richtig aufgezogenen Saiten großartig.
Einem The Wind Cries Mary gibt Popa eine Extraportion Melodie, der Manic Depression zaubert er ein Lächeln ins zerfurchte Gesicht und Purple Haze muss man nicht zwangsläufig schräg, schief und falsch spielen (hört ihr, ihr Straßenfestkapellen?).

Popa Chubby und seinen beiden Helfern ist tatsächlich ein beinahe nicht mehr für möglich gehaltenes Kunststück gelungen. Das alte Zeug klingt in der vom sechsunddreißigjährigen Totenkult befreiten Ausgabe so frisch, dass man beinahe wieder glauben möchte, dass es sich um immer noch einflussreiche Musik handelt. Eine schöne Imagination und eine formidable Vorstellung der Band!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 17.11.2006

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