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All Points In Between
All Points In Between, Eigenvertrieb, 2009
Pat Buffo Vocals, Guitar
Brian Jeffries Guitar
Tom Spittle Guitar, Harmony Vocals
Dave 'Hefty' Stevenson Bass
Sonny Harlan Drums
Produziert von: Rebel Pride Länge: 38 Min 48 Sek Medium: CD
1. Girls Wanna Dance6. Touch Our Souls
2. My Kinda Girl7. Backin' It Up
3. Cocaine Gun8. Hertage Not Hate
4. Me & The Boys9. It Is What It Is
5. Gonna Take A Lot More10. One More Chance

"The girls wanna dance", sagt Herr Buffo, der Sänger, und außerdem, dass sie, die Mädels, sich nicht für Gitarrensoli und Basstrommeln, nicht mal doppelte, interessieren. Erstens: Was ist mit den Boys, die auch mal tanzen und gut aussehen wollen? Zweitens: Ist dies vielleicht ein Fingerzeig an Herrn Ingram, bei dessen Fallbeil-MOLLY inzwischen weder Buben noch Mädels mehr tanzen wollen?
Die fleißige Band REBEL PRIDE ist innert weniger als vier Jahren mit ihrem dritten Album am Start, und man beginnt zu ahnen, dass da doch deutlich mehr als eine halbherzige Redneck-Saloon-Band zugange ist. Und vor allem eine Band, die sich konsequent weiterentwickelt.
Die neue CD heißt "All Points In Between" und ist ihren guten bis vorzüglichen Vorgängern "It Is What It Is" und "Backin' It Up" viele Meilen voraus. Die Nachricht lautet: REBEL PRIDE sind dem Newcomerstatus entwachsen - altersmäßig sowieso, wir haben es mit einer gestandenen Männerband zu tun, Boygroups sehen anders aus.
Die andere Nachricht ist natürlich, dass REBEL PRIDE keinesfalls der Moderne erlegen sind, im Gegenteil, "All Points In Between" bewegt sich auf dem denkbar konservativsten Southern-Rock-Tanzboden, das aber so leichtfüßig, dass man Vergleiche mit MOLLY HATCHET und BLACKFOOT künftig nicht mehr unbedingt braucht. Ähnlichkeiten, vor allem gesangliche, gibt es naturgemäß weiterhin, aber hier wird neben dem Southern-Boogie auch die feine Feder geschwungen, den Traditionalisten sei ein gut produziertes "Los Hombres Malo"-Album von den OUTLAWS als Anhaltspunkt gegeben.

Ein ganz besonderes Schmankerl haben Pat Buffo und Brian Jeffries, die beiden Songwriter der Band, mit den "Titelsongs" der beiden ersten CDs eingebaut. Da kommen doch glatt It Is What It Is und Backin' It Up in Liedform daher. Letzteres ist der wohl beste HATCHET-Song der letzten 10 Jahre, It Is What It Is ein textlich überaus witziger Südstaaten-Stomper. "Sometimes we lose our pants". Diese Männer haben nicht nur Humor und Southern-Charme, sie haben auch Verstand. Welche Angeberband gibt schon freiwillig zu, dass sie "sometimes sounds like total shit". Ja, diese Guitar-Army ist souverän, geht auch mit den kleinen Unsauberkeiten an der einen oder anderen Gitarre offensiv um und belässt sie einfach so wie sie sind; it is what it is, vermutlich hat beim einminütigen Abschlusssolo von My Kinda Girl einfach der Gesamtgroove im Studio so gestimmt, dass man nicht mehr nachbessern wollte. Die Produktion ist übrigens ebenfalls besser als zuletzt gelungen, differenzierte, warm gemischte Gitarren von links und rechts und oben und unten, schön mittig gesetzter Gesang ohne Totschlageffekt, treibender Rhythmus von hinten, das klingt sehr, sehr gut. Einzig dem Schlagzeug hätte man noch zwei Dezibel mehr zugestehen können, aber das ist nur für Fell-Fetischisten von Belang.

Am Ende sind es aber doch nur die Songs, die eine mittelmäßige von einer guten von einer tollen Platte unterscheiden. "All Points In Between" hat die tollen Songs, die ein Southern Rocker braucht, und die den Genrefremden begeistern könnten, so er sie denn hört. Buffo und Jeffries haben das Melodieverständnis, die gesamte Band hat den Punch, die Gitarren-Dreierkette schafft Platz für trickreiche Varianten bei den überfallartigen Riffattacken aus der Tiefe des Raums, den handgepickten Goodtime-Flankenläufen und den brillanten Boogie-Vorstößen durch die Mitte. Wer schon mal Franck Ribéry beim Fußball gesehen hat, weiß, dass es den tödlichen Pass mit anschließendem Touchdown gibt. REBEL PRIDE sind mit ihrer dritten CD ganz nah dran am finalen Home Run.
Jetzt haben wir Baseball mit American Football und Fußball vermischt, da bleibt nur noch zu sagen, dass nach diesem famosen Album einzig eine Kleinigkeit abzustellen wäre: Die Fahnenschwenker-Lyrics zu Heritage Not Hate sind irgendwie … nicht mehr zeitgemäß. Da braucht man nicht auf Obama verweisen, auch wir Europäer verstehen die Nachricht ganz ohne Rebel Flag, den Pride hin oder her.

"All Points In Between" geht bravourös ab. Hört solche Knacker wie Cocaine Gun, Me & The Boys oder die gewaltigen Soli in Touch Our Souls, das ist für Southerner ein klares Muss.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.02.2009

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