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The Hard Way

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The Hard Way
Die CD gibt es im Home of Rock zum Hören und Kaufen
The Hard Way, Eigenvertrieb, 2003
Billy Moss Guitars, Vocals
Troy Moss Guitars
Don Swensen Bass, Vocals
Bobby Nesbitt Drums
Joe Turnbull Keyboards, Vocals
Gäste:
Joe Riggio Acoustic Guitar (A Little Lovin'), Guitar Solo (Gals From Mississippi)
Jeff Moss Backing Vocals (No Settled Man & Livin' On The Tracks)
Produziert von: Joe Riggio, Jeff Moss & Rebel Storm Länge: 58 Min 30 Sek Medium: CD
1. No Settled Man (3:26) Ohr7. True Tales Of The Black Forest (7:06) Ohr
2. True To My Baby (3:49)8. Gals From Mississippi (4:47)
3. Livin' On The Tracks (3:52)9. Treat Me Right (5:49)
4. Midnight Traveler (3:57) Ohr10. Stateline (4:54)
5. A Little Lovin' (4:23) Ohr11. Like A Fool (4:39)
6. Firefly Lightnin' (5:05) Ohr12. Standin' In The Rain (6:36)

Ganz ehrlich: Auf viele CDs kann ich mich gar nicht mehr richtig freuen. Grade im guten alten Southern Rock haben mich zu viele Bands zu oft enttäuscht und sinnlos lange auf mäßige Leistungen warten lassen. Von den eh nie passierenden Tourneen gar nicht gesprochen.
Das heißt aber natürlich nicht, dass ich die Musik nicht mehr mag. Im Gegenteil, nie wird es genialeres geben als die typischen Southern Rock Klischees. Zweistimmige Gitarren, Vollgas, ein shoutender Frontmann, Piano, ab und an eine Ballade, die sich dann nach 5 Minuten in ein Gitarrenduellmonster auswächst. Kommt also alle heiligen Zeiten so eine CD auf den Markt, rennt meinereiner sofort los und muss das Teil haben.

Eine der schönsten Nebenerscheinungen eines Magazins wie dem Home of Rock ist, dass sich mehrere Verrückte treffen und jeder bringt seine "geheimen" Schätze ein, man tauscht sich aus und immer wieder ist eine echte Perle zu entdecken. So lief das auch mit REBEL STORM. Der Rest ist bekannt:
Nach dem Review der ersten CD "Stormin' South" war plötzlich Interesse an der Band da, die Jungs wagten im letzten Herbst eine selbstfinanzierte Tour durch Europa und hinterließen allerorten mehr als begeisterte Fans. Dabei faszinierte nicht nur die musikalische Qualität, sondern auch die sympathische Art der Männer aus der amerikanischen Provinz.
Zurück in den U.S.A. ging es sofort ins Studio und jetzt ist sie da, die neue CD mit dem Namen "The Hard Way" (der dem Verfasser dieser Zeilen gar schrecklich bauchpinselt - aber das ist eine andere Geschichte).

Um eins von vornherein klarzustellen: "Stormin' South" war eine schöne CD, die bis heute oft in meinem Player landet. Aber was Rebel Storm mit "The Hard Way" abgeliefert haben, ist mehr als ein Quantensprung. Es ist Jahre her, dass ich von einer CD vom ersten bis zum letzten Ton so dermaßen begeistert war. Kurz gesagt haben wir es definitiv mit einer der besten Schallplatten des Genres Southern Rock überhaupt zu tun. Und zwar in jeder Beziehung. Die Songs, die Darbietung und der Sound sind schlichtweg perfekt. Kapiert?

Feuerwerk pur bereits beim ersten Song. No Settled Man legt los wie die Feuerwehr und man wird von den Gitarren und dem mehr als lässigen Gesang einfach an die Wand geblasen. Härtegrad: LYNYRD SKYNYRD seit Medlocke dabei ist. Frischefaktor: Thunfischfilet 3 Minuten nach Fang. Es ist wie ein Penalty beim Eishockey. Nur stürmen hier 5 Angreifer gleichzeitig auf den Torwart/Hörer ein und ballern ihm den Puck kreuz und quer direkt ins Netz/Ohr.
Mein Problem bei der Nummer: Die folgenden mussten eine halbe Stunde warten, weil ich immer wieder auf Repeat gedrückt habe. Das ist unfair und wird mit einer 5 Minuten-Strafe geahndet. Weil True To My Baby nämlich garantiert beleidigt ist, denn eine solche Zurücksetzung hat es nicht verdient. Ein flinker Honky-Tonk mit herrlichem Piano. Ja sakrament, warum kriegen denn die alten Helden so was nicht mehr hin? Bei denen klingt ein Song dieser Machart immer nach "jetzt fällt uns grad nichts mehr ein, lassen wir den Pianisten ein bisschen rumspielen".

It's funky time! Livin' On The Tracks gab es bereits auf der Tour live zu bestaunen (oder täusche ich mich?) und was da für Gitarren im Mittelteil kommen, sollte alle Möchtegern-Funker abhalten etwas in dieser Richtung zu versuchen. Don't try this at home!. Aber das ist nur das Vorspiel zum vielleicht spannendsten Track der CD. Der Midnight Traveler ist ein Epos irgendwo zwischen POINT BLANK und MOLLY HATCHET. Man sieht förmlich die Kondensstreifen, die die Gitarren ziehen. Und dem empfindsamen Hörer stellen sich wieder alle Haare auf.

Rebel Storm haben bekanntlich in Don Swensen und Billy Moss zwei hervorragende Lead Sänger. Wenn die sich zusammentun und ein Lied singen, dann kommt A Little Lovin' dabei heraus. Wer unbedingt einen Vergleich haben will: Die OUTLAWS haben in ihren allerbesten Momenten solche Songs hingekriegt. Und wieder diese Gitarren und Joe Turnbull's Piano. Einfach ein Traum... Der jäh unterbrochen wird von der Slideguitar in Firefly Lightnin'. Wieder leicht funky, eminent kraft- und druckvoll, so dass ein gewisser Mr. Charlie Daniels endlich seine Rentenansprüche geltend machen sollte und uns fürderhin mit seinen saudummen Sprüchen verschonen könnte.

Wir sind erst bei der Halbzeit der CD! Und schon haben wir mehr Klassiker als auf ganzen CD-Jahrgängen. Doch Rebel Storm sind noch zu mehr fähig! Denn jetzt kommt die längste Nummer der Scheibe und die steigert sich in ihren 7 Minuten in einen monströsen Jam.
Keine Ahnung, welche True Tales Of The Black Forest uns Billy Moss auf diesem Instrumental erzählen will, aber wenn ich die Gitarrenschlacht richtig deute, dann ist das im Schwarzwald ganz schön heftig abgegangen. Ich muss immer wieder grinsen, wenn ich vergleichend die untauglichen Versuche der heutigen ALLMAN BROTHERS BAND hinzuziehe. Ich bitte wirklich inständig, dass jeder, der meint, dass Derek Trucks ein guter Gitarrist wäre, sich das hier anhört!

Nach dem erfrischenden Gals From Mississippi stampft wieder ein klassischer Southern-Honky-Tonk daher (GRINDERSWITCH fallen mir entfernt als Referenz ein) und die Gitarren tun alles um die Hammond irgendwie im Zaum zu halten. Wenn es sein muss, dann erheben sie ihre Stimmen eben im Duett. Ich weiß nicht, wie oft die CD bisher gelaufen ist, aber mir steht jedes Mal wieder der Schweiß auf der Stirn.
Da hilft auch kein lockerer Rocker wie Stateline.
Auf der ersten LP von Molly Hatchet flogen die Funken vergleichbar erfrischend. Jenseits von heutiger Hard Rock-Brutalität, einfach nur Gitarren links und Gitarren rechts, ein packender Groove, eine treibende Bass- und Drum-Fraktion und fertig ist das Paket.

Man kommt bei dieser Scheibe nicht zur Ruhe. Dauernd zwingt dich irgend ein Rhythmus wieder zum grooven, mit den Beinen zu stampfen und mit dem Kopf zu wackeln.
Nicht zuletzt ist der Sound dieser CD dafür verantwortlich. Ich würde ihn als klassisch bezeichnen. Man fühlt sich an alte Vinyl-Zeiten erinnert. Tiefe, Räumlichkeit, Transparenz, nicht der glattgebügelte Digitalsound heutiger Produktionen. Don und Billy erzählten vor ein paar Wochen im Home of Rock-Chat, dass die Scheibe von einem gewissen Randall Merryman gemastert wurde und der hat immerhin mit Leuten wie der MARSHALL TUCKER BAND und Albert und Freddie King zusammengearbeitet. Solche Koryphäen wissen, dass Musik organisch klingen muss.

Zum Abschluss der Scheibe gibt es noch eine lange Nummer. Standin' In The Rain ist aber mitnichten ein weiterer Free Bird-Abklatsch. Es ist einfach ein wunderschönes Lied.

Ja, wir haben es mit "The Hard Way" mit einem echten Southern Rock-Masterpiece zu tun. Nicht mehr und nicht weniger. Ganz ehrlich: Ich bin verdammt stolz darauf, das (erste) Review zu diesem Meisterwerk schreiben zu dürfen. Thank you boys, wir sehen uns im Herbst auf Tour!

Die CD ist exklusiv bei Bärchen Records erhältlich. Bestellungen nehmen wir gerne entgegen und leiten sie an Jürgen, das Oberbärchen, weiter.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 27.03.2003

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