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| Born To Boogie, Sanctuary Visual Entertainment, 2005 |
| Marc Bolan |
Vocals & Guitars |
| Mickey Finn |
Percussion, Vocals |
| Steve Currie |
Bass |
| Bill Legend |
Drums |
| Gäste: |
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| Ringo Starr & Elton John |
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| Produziert von: Tony Visconti |
Länge: ca. 325 Min |
Medium: Do-DVD |
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| DVD 1: | |
| Born To Boogie - The Motion Picture | Born To Boogie - Original Theatralic Trailer |
| T. Rex in Concert - 8.30pm, 18th March 1972 | |
| DVD 2: | |
| T. Rex in Concert - 5.30pm, 18th March 1972 | Re-Born To Boogie - Restoration Feature |
| Cosmic Rock - Documentary | T.Rextras - Outtakes, Interviews & more |
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Die formidable CD "Born To Boogie" hatten wir vor zwei Monaten besprochen, jetzt also die zugehörige DVD. Film gucken dauert immer etwas länger (Filmkritiker ist kein schöner Job) und ein Epos wie "Born To Boogie" muss man eben drei-, vier- oder siebenmal in ganzer Länge und Breite analysieren. Erstens ackert man sich durch beinahe fünfeinhalb Stunden Material, zweitens gibt es dieses Material in verschiedenen Tonformaten (wobei 5.1 genial ist) und dazu ist noch eine kommentierte Tonspur abrufbar - Untertitel gibt es nebenbei in 5 Sprachen. Value for money; eigentlich nur vergleichbar mit anderen Grundsatzwerken wie LED ZEPPELINs Doppel-DVD oder der "Four Flicks" Box der STONES.
Die Frage, ob denn eine Band wie T. REX derlei Aufwand überhaupt lohnt, verbietet sich nach der Einfuhr des Stoffs von selbst. Es gibt nur eine einzige Antwort: JA! Marc Bolan war eine der wichtigsten Figuren der Rockmusik in den letzten 35 Jahren. Punktum.
Ein paar Vorbemerkungen.
Das Filmmaterial wurde sensationell aufgearbeitet, man kann sich - so man sich die, ähm, farbenfrohen Klamotten wegdenkt - kaum vorstellen, dass der Film 1972 entstand. Und die Arbeit am Ton ist schier unglaublich gelungen. Tony Visconti, der Mann mit dem perfekten Ohr, hat Unfassbares geleistet und beweist, dass man mit verantwortungsvoller Vorgehensweise "Teufelszeug" wie ProTools als Referenzwerkzeug des 21. Jahrhunderts benutzen kann. "Born To Boogie" ist also mitnichten eines der üblichen, aufpolierten Nostalgiewerke, der Film und die Konzerte dokumentieren eine Ära und ihre Auswirkungen auf beinahe alle populären Lebensbereiche bis in die heutige Zeit. Ob Musik, Kleidung oder Humor, T. REX strahlen aus bis in alle Ewigkeit.
Marc Bolan war der Prototyp des perfekten Popstars und setzte 1972 in Punkto Habitus und Good-Time-Rock'n'Roll-Singer die Maßstäbe. Nicht dass auch andere glänzend aussahen, aber Bolan hatte nicht das morbide Charisma eines Jim Morrison und nicht die grundsätzlich erotisierende Ausstrahlung eines Mick Jagger oder Robert Plant und auch nicht dessen Stimmkraft. Er war "nur" der hübsche Glam-Boy mit einem Sack voller Hits, die sich glücklicherweise als zeitlose Evergreens erwiesen. Auch wenn es nach weniger klingt als bei den genannten Helden, diesen Status kann heute kein Sänger mehr erreichen, damit muss sich die Industrie für alle Zeiten abfinden.
Der Film entstand auf dem Mist und mit dem Geld von Ringo Starr. Der hatte bekanntlich eine ganz besondere Art von Humor und grinst beim "Born To Boogie - Motion Picture" aus allen Ecken. Die eingestreuten Sequenzen mögen damals surrealistisch gewirkt haben, in Wirklichkeit wollten Starkey und Bolan die Leute einfach nur veräppeln (es ist ja auch ein Apple-Film). Bolan im Cabrio auf einem Flugfeld dahinrollend, als Chauffeur ein als Maus verkleideter Ringo, ein völlig sinnentleertes Telefonat im Auto führend; Bolan mit Nonnen und einem Nonnerich im Park sitzend, umschwirrt von einem glorios klischeebehafteten und Hamburger servierenden Butler Geoffrey Bayldon, besser bekannt als Catweazle, und grundlos aber wunderschön mit Streichern Jeepster, Hot Love und Get It On improvisierend; Ringo und Marc beim "Some people like to rock"-Versuch - all das zeigt den unbedingten Willen der beiden Helden, nur bloß keinen Zweifel an der Unernsthaftigkeit des Projekts aufkommen zu lassen. Gut möglich, dass genau deswegen der Erfolg des Films begrenzt blieb, aber wer sich bei Monumentalwerken wie "Life of Brian" oder "Der Sinn des Lebens" amüsiert, wird auch bei "Born To Boogie" des öfteren brüllend auf dem Boden sitzen.
Dass nebenher auch noch 60 Minuten vorzügliche Musik geboten wird, tritt beinahe in den Hintergrund - zu lustig ist der Unfug zwischendurch. Einzig das Studiointermezzo Tutti Fruitti mit Elton John am Piano und Ringo am Schlagzeug animiert nicht zum Lachen, zeigt dafür den jungen Elton als legitimen Sohn von Little Richard und Jerry Lee Lewis und einen konzentriert trommelnden Ringo, die Marc den Rock'n'Ball punktgenau zuspielen.
Ganz auf die Musik und ihre Begleitumstände kann man sich im Anschluss konzentrieren. Das komplette, ebenfalls einstündige Konzert vom 18. März 1972, 20.30 Uhr, dokumentiert alle Stärken und Schwächen der Band und die damals laufende T. REX-Mania. Hysterische Fans, natürlich fast nur Mädchen (und dazu größtenteils auch noch typisch englische Krapfen), heillos überforderte Ordner (Rentner mit Käppi und Uniform und offensichtlich Brüder von Catweazle - köstlich) und T. REX als Bolan-One-Man-Personalityshow. Sensationell, wie ein begnadeter Performer eine Bühne und Halle ganz alleine füllen kann, ohne zu Theaterblut, Explosionen und Videoleinwänden greifen zu müssen. Gut, letzteres gab es damals natürlich noch nicht, aber auch heute könnte Bolan darauf verzichten und sich einfach auf sich selbst beschränken.
Wie alleinherrschend Bolan in der Band war, zeigt die Unterwürfigkeit seiner Kollegen. Mickey Finn, so wunderbar er auch auf die Congas eindrischt, starrt pausenlos auf seinen Chef um ihm folgen zu können, Bass und Schlagzeug sind nicht viel mehr als austauschbare, obschon vorzügliche Mittel zum Rock, da hilft auch das Superman-Kostüm von Drummer Bill Legend (der eigentlich Fifield heißt und von der Band LEGEND kam und als einziges noch lebendes Bandmitglied heute Kirchenmusik macht) nichts. Dass Finn in den Neunzigern und bis zu seinem Tod als T. REX durch die Lande zog, entlarvt ihn als schäbigen, armen Dieb - er hatte nie das Recht auf diesen Namen und die Songs. Nur Marc Bolan war "Born to Boogie" und zeigt und lebt das in jeder Sekunde des 18.03.1972 vor 10.000 Fans in Wembley.
Genau wie diese Review ist auch die DVD im Grunde falsch aufgebaut. Eigentlich muss man zuerst zu DVD 2 greifen und sich die drei Stunden Dokumentation "Cosmic Rock", die Erläuterungen zur Restauration von Bild und Ton sowie die "T.Rextras" ansehen (keine Angst, die Zeit vergeht wie im Flug!). Marcs Sohn Rolan interviewt die noch lebenden, am Filmprojekt beteiligten Menschen, einige Fans und die für die DVD-Edition zuständigen Techniker und dabei werden ganz wichtige Informationen und Einblicke gegeben. Tony Visconti erzählt packend, erklärt Ringos Rolle und den Ansatz des Films. "Lasst uns einen surrealistischen Film machen" sagte Ringo und Viscontis Erklärung dazu lautet heute: "Das war beschönigend für Mist." Die Absurdität im Park wurde zum Beispiel in John Lennons Haus gefilmt, Ringo verlangte Nachschlag vom Erdbeerkuchen, und zur Szene auf dem Flugfeld sagt Visconti "Ich wünschte ich wüsste was für eine Story dahinter steckt, es war alles völlig improvisiert." Bolans Photograph behauptet "Marc wollte ein Bild von sich am Steuer eines Autos und sagte 'ich habe eine Vorahnung, dass ich in einem Auto sterben werde'."
Nur Ringo Starr und Elton John fehlen leider bei diesen Schulstunden.
Auf DVD 2 ist außerdem noch die komplette Nachmittagsvorstellung dieses 18. März enthalten. Die Performance ist kein bisschen weniger packend. Rexologen werden aufmerksamst die Unterschiede zur Abendgala erforschen.
Some people like to rock. Mit dieser Traum-DVD sollte es auch der allerletzte Verweigerer lernen. Catweazle hat es schon vor 33 Jahren getan.
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