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The Crybabys

What Kind Of Rock'n'Roll?

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What Kind Of Rock'n'Roll?
What Kind Of Rock'n'Roll?, Castle Music/Sanctuary Records, 2003 (1990 & 1991)
Honest John Plain Guitar, Vocals
Darrell Bath Guitar, Vocals
Robbie Rushton Drums, Percussion
Mark Duncan Bass ("What Kind Of Rock'n'Roll?")
John Cooper Bass ("Where Have All The Good Girls Gone")
Gäste:
Vom Ritchie Drums ("What Kind Of Rock'n'Roll?")
Jools Bass ("What Kind Of Rock'n'Roll?")
Brian Dove Piano ("Where Have All The Good Girls Gone")
Produziert von: The Crybabys Länge: 100 Min 56 Sek Medium: Do-CD
CD 1 - What Kind Of Rock'n'Roll?
1. (Boo Hoo) I Ain't Your Crybaby8. Who Were You Thinking Of?
2. Lightning Strikes9. Li'l Miss Paradise
3. Thin Ice (Don't You Ever Coz It Wouldn't Be Clever)10. Operator
4. No Justice In Love11. Black Train
5. Crawling Over Your Doormat12. Fucked Up
6. Sad Souvenir13. What Kind Of Rock'n'Roll?
7. Hijack Your Heart
CD 2 - Where Have All The Good Girls Gone
1. Where Have All The Good Girls Gone9. European Girls
2. You Don't Have To Wear Boots To Be A Cowboy (But You've Gotta Leave Your Horse Outside)10. Too Hot To Last
3. This Is What We Want11. When You Leave Me baby Can I Come Too
4. She Didn't Like Rock And RollBonus Tracks:
5. Remember To Forget12. Where Have All The Good Girls Gone (Single Version)
6. Lovin' What's Left13. The Letter (Live)
7. Go Go Girl14. Crimson And Clover (Live)
8. Money15. Walking The Dog (Live)

This one is for the Rockers, Rollers & Saufnasen unter Euch!
Weil ich keines von beiden, hmm, bin, ist diese Band vor 14 Jahren an mir vorbei gegangen. Und das ist blöd. Aber wir haben ja einen gewissen Herrn Schmidt unter unseren Schreiberlingen und der ist Rocker, Roller und Trinker und der kennt auch alle diese anderen Trunkenbolde, wie z.B. Tyla, die DOGS D'AMOUR, die QUIREBOYS, die DIAMOND DOGS und SABRE JET, Dan Baird und natürlich (!!) Darrell Bath.
Außerdem hat er einen Hang zu den STONES, FACES und den zugehörigen Gesichtsschabracken wie Ron Wood. Mir ist das natürlich grad recht, weil ich - trotz selbstredend ungleich höherem intellektuellem Anspruch, hüstel - auch ab und an solche Partymusik mag und so kann man sich redaktionsintern durchaus mal austauschen ("Hey, i mag koan Whiskey". "Und? Saufst halt no a Weißbier!").

Diesmal bin ich ihm voraus. Ich hab nämlich diese wunderbare Rock'n'Roll-Doppel-CD von den CRYBABYS.
Wer sind THE CRYBABYS?
Circa 1990 gegründet, ungefähr 3 Jahre durch die Clubs gesoffen, mit den TOTEN HOSEN getourt, letztlich an Grunge gescheitert und hinweggespült. Oder war es nur Unfähigkeit, so wie man sie vielen britischen Bands vorwerfen kann? Ich weiß es nicht. Fakt ist, dass die Band vor allem aus dem Gitarren-/Gesangsduo Honest John Plain (THE LURKERS, THE BOYS, Ian Hunter) und eben Darrell Bath bestand. Diese beiden Figuren haben die CRYBABYS zur entschärften und dennoch nicht faden Version der QUIREBOYS gemacht.
Was bedeutet entschärft? Nichts schlimmes! THE CRYBABYS klingen genauso versifft, versoffen und verkommen, streuen aber ein paar mehr Sixties-Einflüsse (britische selbstverständlich) ein und lassen ansonsten den Rock'n'Roll vollkommen zwanglos dahinpoltern, inklusive Piano, Gibson-Overdrive und mehr als lässigem Gesang.

Diese Engländer. Immer wieder kamen und kommen großartige Liedermacher von der Insel und kaum einer hat es wirklich richtig geschafft. Ray & Dave Davies, Keith & Mick, Lennon und Ian Hunter, die schon. Hab ich einen vergessen? Nö, oder? Darrell Bath ist einer aus der dritten Liga, kommerziell gesehen, und dabei hat der sooo wunderbare Songs gemacht. Mit den CRYBABYS fetzt er sich, zusammen mit Honest John Plain, in Anlehnung an die bereits genannten Größen und KINKS (ein Wortspiel...) plus Inspirationen von z.B. Johnny Thunders und, vor allem auf dem Debut "Where Have All The Good Girls Gone", den großen HEAVY METAL KIDS durch 40 Jahre britische Rockgeschichte.

CD 1 heißt "What Kind Of Rock'n'Roll" (wie die gesamte Veröffentlichung) und beinhaltet die fertige, aber nie veröffentlichte, zweite CD vom Juni 1991. Im Großen und Ganzen würde ich "What Kind..." als "die QUIREBOYS-CD" bezeichnen. Dazu kommen die erwähnten Sixties- und Punk-Einflüsse (wobei Punk relativ zu verstehen ist und sich mehr in der Stimmung als im Sound niederschlägt). Zum großen Teil ist es simpler, straighter Rock & Roll, der mit der einen oder anderen Note "Skepsis" (Who were you thinking of? ... when we made loving last night - was it a stranger or a close friend - auch bekannt von Freddy Fender und dem SIR DOUGLAS QUINTET) und Tyla-Kaputtheit (Hijack Your Heart) versetzt ist. Damit wird die CD über den Verdacht der puren Good-Time-Schunkelei erhoben. Dazwischen immer wieder Highspeed-Fetzer und Shuffles (Li'l Miss Paradise, What Kind Of Rock'n'Roll? u.a.) und sogar spanische Gitarren ertönen wunderschön auf Operator.
Gesanglich ist Ian Hunter immer wieder im Hintergrund präsent, Marc Bolan auch, Ray Davies mit seinem Zynismus sowieso und man fragt sich wirklich, wie dämlich eine Plattenfirma sein muss, damit sie eine solche CD nicht veröffentlichte. OASIS gab es noch nicht, die QUIREBOYS waren schon wieder aus dem Rennen, man kann doch nicht jeden Firmenblödsinn auf NIRVANA schieben.
Insgesamt ein tolles, klassisch englisches Singer/Songwriter-Rock & Roll-Album.

CD 2 ist die originale erste CD "Where Have All The Good Girls Gone?" von 1990 und hätte ich sie damals gekannt, der Platz neben den HEAVY METAL KIDS und den FACES in meinem Regal wäre reserviert gewesen. Hier wird auch der Unterschied im Songwriting-Stil von Plain und Bath deutlich. Plain ist möglicherweise noch stärker von Ian Hunter (speziell beim Titelsong) und Marc Bolan (der Anfang von Money ist direkt dreist geklaut) beeinflusst, davon abgesehen entsprang er der 76er-Ur-Punk-Band THE BOYS und seine STONES-Lektion hat er selbstverständlich auch gelernt (She Didn't Like Rock And Roll), während Darrell Bath eher der Hardcore-Rocker und Sixties-Fellow mit abseitigen Ideen ist. You Don't Have To Wear Boots To Be A Cowboy (But You've Gotta Leave Your Horse Outside). Noch Fragen?

Wie schon auf CD 1 gehabt, gibt es pfundweise Gitarrenbreitseiten, Boogie überall und Rhythm & Blues bis die Sohlen rauchen. Sehr vergnüglich das alles. Ab und an kommen direkt hardrockige Züge zum Vorschein, z.B. European Girls dampft mächtig dahin. Irgendwie scheinen auch UFO ihre Spuren bei den CRYBABYS hinterlassen zu haben.

Als Bonus gibt es noch die Singleversion vom Titeltrack und 3 Livesongs. Tolle Wieder-/Neuveröffentlichung. Rockers, Rollers und Trinker sollten schnellstens zuschlagen und sich auch mit den anderen Arbeiten von Darrell Bath mal beschäftigen. Als Beispiel seien SABRE JET erwähnt. Und die beiden neueren CDs der CRYBABYS ("Daily Misery" von 2002 und "Rock On Sessions" von 2000) sollten mit etwas Glück auch zu kriegen sein.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.12.2003

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