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| Live In Boston 1970, Rhino Entertainment/DMC, 2007 |
| Jim Morrison |
Vocals |
| Ray Manzarek |
Keyboards |
| Robby Krieger |
Guitar |
| John Densmore |
Drums |
| Produziert von: Bruce Botnick |
Länge: 172 Min 00 Sek |
Medium: 3-CD-Box |
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| CD 1 - First Show: | |
| 1. Start | 9. When The Music's Over |
| 2. All Right, All Right, All Right | 10. Rock Me |
| 3. Roadhouse Moan | 11. Mystery Train |
| 4. Roadhouse Blues | 12. Away In India |
| 5. Ship Of Fools | 13. Crossroads |
| 6. Alabama Song (Whiskey Bar) | 14. Prelude To Wake Up! |
| 7. Back Door Man | 15. Wake Up! |
| 8. Five To One | 16. Light My Fire |
| CD 2 - Second Show: | |
| 1. Start | 9. Five To One |
| 2. Break On Through | 10. Astrology Rap |
| 3. I Believe In Democracy | 11. Build Me A Woman |
| 4. When The Music's Over | 12. You Make Me Real |
| 5. Roadhouse Blues | 13. Wait A Minute! |
| 6. The Spy | 14. Mystery Train |
| 7. Alabama Song (Whiskey Bar) | 15. Away In India |
| 8. Back Door Man | 16. Crossroads |
| CD 3 - Second Show (Continued): | |
| 1. Band Intros | 8. Light Me Fire (Reprise) |
| 2. Adolf Hitler | 9. More, More, More! |
| 3. Light My Fire | 10. Ladies & Gentlemen |
| 4. Fever (Light My Fire Cont'd.) | 11. We Can't Instigate |
| 5. Summertime (Light My Fire Cont'd.) | 12. They Want Home |
| 6. St. James Infirmary Blues (Light My Fire Cont'd.) | 13. Been Down So Long |
| 7. Graveyard Poem (Light My Fire Cont'd.) | 14. Power Turned Off |
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Boston, 10. April 1970, 19 und 22 Uhr, Tickets von $ 3,50 bis $ 6,50: THE DOORS.
Jim Morrison war gerade 26 Jahre alt - er wäre heute noch nicht ganz 64! - und er war unfassbar kaputt. Der schönste Mann der Rockgeschichte war "on the way down". Was muss sich Cobain angestrengt haben auch so cool zu werden, doch er war es nie. Nicht so attraktiv, nicht so talentiert, nicht so authentisch, nicht so charismatisch. Und genau ums Charisma geht es auf dieser exzellent remasterten Triple-CD, deren Inhalt den Bootleg-Sammlern seit Jahrzehnten bekannt ist. Den echten Sound kennen sie nicht, denn den gibt es erstmals hier.
Es waren zwei Konzerte der letzten DOORS-Tour, die für das geplante "Absolutely Live" Album aufgenommen wurden, sie wurden anschließend - ähnlich wie die Aufnahmen der vor einigen Jahren erschienen CD "Live In Hollywood - als nicht veröffentlichungswürdig zu den Akten gelegt. Völlig zu Recht, denn Morrison war in keiner guten Verfassung, und auch die Band leistete sich einige Schnitzer, der dilettierte Einstieg in den Roadhouse Blues auf der ersten CD spricht Bände. Aber: wenn man sich das Gekreische der (weiblichen) Fans im fünfzehnminütigen When The Music's Over beim Frühabendkonzert anhört, kann man sich die Ausstrahlung dieser Band, dieses Sängers halbwegs vorstellen. Ergo haben solche Veröffentlichungen mehr als dreieinhalb Jahrzehnte später Sinn, denn sie befriedigen Sammler gleichermaßen wie junge Menschen, die dem Phänomen Morrison erliegen.
Konzert und CD 1 kann man bis inklusive Back Door Man als für die DOORS normale Show bezeichnen, sieht man von Morrisons völliger Trunkenheit ab. Spätestens ab Five To One spielen sich Robbie Krieger und Ray Manzarek in einen beeindruckenden Rausch - was angesichts des offenkundigen Pegels der Herrschaften natürlich leicht wortspielerisch klingt. Krieger stiehlt Morrison mit seinen funky Licks beinahe die Butter vom Brot, doch der Master of Cerenomy geht den Groove mit und setzt noch einen drauf.
Was für eine haltlose Seele Morrison war, wird im Verlauf der CD immer wieder deutlich. Er hatte sich und seine Stimme nicht im Griff, grölte mitunter haarsträubend, verursachte (und verursacht bis heute) im nächsten Moment mit seinen berühmten "spoken words" Augenblicke der völligen Entrückung. Genau so funktioniert Rockmusik: "We want the world and we want it. NOW!"
Mag mancher behaupten, dass Robbie Kriegers Gitarre völlig verstimmt klingt. stimmt. Und? Sein Spiel hat in jedem schrägen Ton mehr Seele als alle so genannten Gitarrenhelden der Jetztzeit zusammen auf die Waage bringen. Egal auch, dass sich die Band nicht über die Setlist einig war, da wird dann schon mal munter diskutiert. Interessant ist das Geplänkel Morrisons mit dem Publikum, das er ermuntert ordentlich zu vögeln. Und das in der Kindervorstellung um 7. Geheuer war er den Moralaposteln damals eh nicht.
Bis zum zweiten Auftritt des Abends hatte Morrison wohl neben ein paar kräftigen Schlücken auch ein halbes Stündchen Ruhe intus, jedenfalls klingt er anfangs etwas entspannter und führt wenigstens zeitweilig halbwegs souverän durch die leicht umgestellte bzw. erweiterte Programmabfolge. Von einem guten oder gar perfekten Konzert kann man auch hier nicht sprechen, zu viele Unsauberkeiten und vor allem der desperate Frontmann machen die Sache für Notenzähler schwierig. Aber es ist die Magie dieser Band und die unendliche Strahlkraft Morrisons, die auch diesen 10. April 1970 zu einem musikhistorischen Tag werden ließ. Wenn man die überlebenden Bandmitglieder heute über damals sprechen hört, kann man durchaus irritiert sein, denn die Mischung aus geschäftsmäßiger Resteverwertung und eigenartigen Äußerungen über Morrison klingt nicht immer wie Stolz, Teil des Spektakels gewesen zu sein. Sicher, Morrison war "over the edge", aber sich 37 Jahre später noch für seine Ausfälle zu schämen? Als Hörer wird man auch von Konzerten dieser Art beeindruckt sein.
Wie tight die DOORS miteinander spielen und improvisieren konnten, zeigt das beinahe viertelstündige When The Music's Over. Man kennt ekstatischere Performances, aber kaum eine, die so hart arbeitend versucht, doch noch die Kurve zu kriegen. Krieger und Manzarek versuchten in der Tat alles, ihren Sänger aufrecht zu halten. Dabei ging wohl ein paar Mal der eigene Spaß flöten, aber spätestens beim Solo im Roadhouse Blues ließ Robby Krieger seinen Frust gewaltig heraus.
Immer wieder eine Ohrenweide ist zweifellos John Densmore. Der konnte nicht nur gut trommeln, er konnte auch die zwangsläufig entstandenen Löcher mit seinen Rolls und Fills stopfen. Die Band war eben nicht komplett an diesem Tag.
Ab dem Alabama Song fiel Morrison wieder in seinen Rausch-Tunnel und wurde zunehmend nölig. Backdoor Man geriet entsprechend langweilig und Five To One lebt nur vom Gitarrensolo. Morrison erscheint gelangweilt, nur kurz von einer Wutattacke durchgeschüttelt. Doch dann plötzlich, im elegant swingenden Build Me A Woman, stimmt das Bild vom angriffslustigen Bürgerschreck wieder und die "Motherfucker" sind mit echtem Hass geschrieen. You Make Me Real rockt urgewaltig und der beschleunigende Mystery Train macht angesichts des schwer angeschlagenen Lokführers Angst und geht kaum merklich in Away In India und Crossroads über. So muss es sein.
Die restlichen knapp 40 Minuten der Abendvorstellung sind auf der dritten CD untergebracht. Morrison lallt immer mehr wunderliche Geschichten zwischen den Songs, verursacht bei Light My Fire die obligatorische Gänsehaut und überlässt der Band mehr und mehr das Feld. Die verhaspelt sich bei L.M.F. gehörig, findet aber dann doch noch den Notausgang, während der Sänger in Summertime nicht ganz textsicher erscheint. Been Down So Long als Zugabe ist überflüssig und die letzten neun Minuten bestehen aus Zuschauergeschrei und Ansagergefasel. Zeitschinderei, um die CD wenigstens halb voll zu bekommen.
Am Ende schreiben Musikkritiker immer gerne Sätze wie: "Diese CD ist geeignet für.". Das ist grundsätzlich Nonsens, denn was macht der Kritiker, wenn sich plötzlich aus irgendeinem Grund seine minderjährige Tochter nicht mehr für TOKIO HOTEL sondern für die DOORS begeistert? Hausarrest? Musik sucht sich seine Zielgruppe ganz alleine und das wird "Live In Boston" auch tun. Wenn man sieht, welche Faszination die eigentlich anachronistische Musik der späten Sixties bis heute auf Jugendliche ausübt, wenn man die verbliebenen Alt-Fans dazuzählt, wird klar, dass auch mit mediokren Veröffentlichungen wie dieser a.) Geld verdient und b.) ein gewisser Bildungsauftrag erfüllt wird.
Man muss nicht jedes Desaster seiner Helden im Schrank haben, dieses kann man aber ohne Reue hinzufügen.
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