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| The Weirdness, Virgin Music, 2007 |
| Iggy Pop |
Vocals |
| Ron Asheton |
Guitar |
| Scott Asheton |
Drums |
| Mike Watt |
Bass |
| Steve MacKay |
Saxophone |
| Produziert von: Steve Albini |
Länge: 40 Min 24 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Trollin' | 7. Greedy Awful People |
| 2. You Can't Have Friends | 8. She Took My Money |
| 3. ATM | 9. End of Christianity |
| 4. My Idea Of Fun | 10. Mexican Guy |
| 5. The Weirdness | 11. Passing Cloud |
| 6. Free & Freaky | 12. I'm Fried |
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Erste Reaktionen in Internetforen auf das CD-Comeback der STOOGES: "Der Gesang ist schwach und rumpeln tut es auch", "langweilig", "also ich fand 'Raw Power' besser", "iiih, da sind ja SS-Runen auf dem Cover".
Heiliger Zorn könnte einen überkommen. Ach, wieso der heuchlerische Konjunktiv? In den studierten Arsch gehören die Hirnis getreten! Als ob Iggy und seine Handlanger jemals nicht gerumpelt hätten, als ob Herr Pop jemals absichtlich die Töne getroffen hätte, als ob diese Band nie auf Krawall gebürstet war und anno 1969 Liebe und Frieden gepredigt hätte. Nix kapiert, Schuss nicht gehört, Thema verfehlt, setzen & weiterhin jeden Rolling-Stone-Hype kaufen.
Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass im Jahr 2007 irgendwer nach politischer Korrektheit plärrt, während uns populistische Berufskorruptiker aus Berlin das Recht auf Selbstzerstörung wegnehmen und ein Rauchverbot einführen wollen. Hauptsache die Atomkraftwerke glühen weiter vor sich hin und deutsche (und nur deutsche) Autos dürfen bis ins Jahr 2000nimmerlein jeden Abgasgrenzwert überschreiten.
Wenn überhaupt, kann man über die Notwendigkeit einer Reunion der STOOGES diskutieren. Genau wie man über jede Reunion einer Band aus den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern diskutieren kann. Sieht Don Henley nicht wie der Spießer von nebenan aus? Haben sich IRON BUTTERFLY nicht schon 6 Tage nach In-A-Gadda-Da-Vida hoffnungslos selbst überlebt? Wartet jemand auf weitere Konzerte der SEX PISTOLS? Ist Rock & Roll tot? Mann.
Pop, Ron und Scott Asheton und Steve MacKay sind aus den Urzeiten dabei, dazu kommt Mike Watt, früher als Bassist bei den Post-Punkern fIREHOSE, THE MINUTEMEN und PORNO FOR PYROS maßgeblich tätig. John Cale wurde nicht hinzugezogen - schade für die Pop-Intelligenz. Dafür produzierte Steve Albini "The Weirdness", und der bekam schließlich schon für NIRVANAs "In Utero" die Seligsprechung. NIRVANA war trotzdem eine Mistkapelle, aber wenn heute neben Rick Rubin ein Produzent für modernen Höllenlärm steht, dann ist das Steve Albini. Iggy Pop scheut sich auch mit knapp 60 Jahren nicht, sich mit einem solchen Sound-Dominator einzulassen. Und Iggy Pop kann auch mit fast 60 noch immer kleine Jungs verstören. Und genau deshalb macht diese CD Sinn. Soll sie sich doch 3 ½ Millionen mal verkaufen. Soll sie doch den alten Säcken die Rente sichern. Soll sie doch angebliche Nazisymbole auf dem Cover haben. Wenn es nicht weh tut ist es kein Rock & Roll!
Eines sollte aber jedem Käufer klar sein: THE STOOGES waren vor mehr als dreieinhalb Jahrzehnten keine Chartbreaker, Iggy Pop war Zeit seines überraschend langen Lebens keine Hip-Figur, ergo wird auch "The Weirdness" die Welt nicht in den nächsten 8 Wochen verändern. Vielleicht dauert es 20, 25 Jahre, bis ein Musikhistoriker folgenden Satz formuliert: "2007 lieferten THE STOOGES den gleichermaßen versöhnlichen wie mutwillig bösartigen Abgesang auf die prägende Kultur des 20. Jahrhunderts. Damit war Rock'n'Roll endgültig reif fürs Museum. Ruhe also in Frieden und nimm uns nicht die letzte Illusion von Wildheit und Anarchie. Danke." Vielleicht passiert aber auch gar nichts und nur ein paar übrig gebliebene Altfreaks beklatschen leicht arthritisch die anstehenden Konzerte. Ist das so? Dann wäre unsere Lieblingsmusik schon längst in der Asservatenkammer gelandet.
"I wanna be your friend - to the bitter end" singt Pop in You Can't Have Friends. Witzig, ne? Vor allem für einen, der seine Selbsthinrichtung vor gut 30 Jahren irgendwie überlebt hat und mit dem Dasein als Hund danach offenbar abgeschlossen hat. Passend dazu: My Idea Of Fun. "is killing everyone". Dazu gibt es im gesamten ersten Drittel der CD archetypischen STOOGES-Heavyrock aus der Garage. Bäng! Die fällige Verbeugung vor Bowie folgt im Titelsong, MacKay bläst eine dezente Kanne und Ron Asheton legt über den verschrumpelten Rhythmus eine tadellose Lead-Line.
Vielleicht erfährt man irgendwann auch den Hintergrund zum vermeintlichen Patriotismusschunkler Free & Freaky (in the USA). Erschließt sich nämlich nicht sofort, weil man den Text einfach nicht komplett verstehen kann. Vielleicht bekommen auch die zwei, drei kompositorischen Durchhänger zur Halbzeit der Platte einmal ihre metaphorische Bedeutung zugeteilt, bis dahin gehören sie zu den eher schwächeren Songs der Band, stellen aber trotzdem ziemlich alle jugendlichen Rabauken heutiger Tage in ein schlechtes Licht. THE STOOGES bolzen sich eben mit der Kraft der frühen Geburt durchs Dickicht.
End of Christianity ist selbsterklärend, in Mexican Guy brabbelt Pop zum desperaten Tarantino-Gitarrengeschrabbel seltsames Zeug, während Scott Asheton am Schlagzeug Assoziationen an Moe Tucker von VELVET UNDERGROUND herbeiklopft. Das folgende Passing Cloud könnte dann direkt von Reed stammen. So verschwimmen über die Jahrzehnte die Grenzen und Unterschiede.
Ein großartiges, lautes, lärmiges, vielleicht epochales Spätwerk einer Band die sich keinesfalls neu erfunden hat, zweifellos aber allen ihren Nachfolgern so weit voraus war, dass sie die nun im Rückwärtsgang und freihändig überrundet. Das soll Don Henley erst mal hinkriegen.
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