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Pat Travers & Carmine Appice

Bazooka

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Bazooka
Bazooka, Cleopatra Records/Music Avenue, 2005
Pat Travers Guitars, Keyboards, Vocals
Carmine Appice Drums, Percussion, Vocals
Tony Franklin Fretless Bass
Chuck Wright Bass
Gäste:
Bobby Kimball Vocals (Last Child)
Steve Lukather Guitar (Last Child)
Rick Derringer Guitar (Bazooka)
Produziert von: Carmine Appice & Pat Travers Länge: 52 Min 02 Sek Medium: CD
1. Evil7. Last Child
2. Disappear8. Snortin' Whiskey
3. Superstitious9. Boom, Boom (Out Go The Lights)
4. Crash & Burn10. Politician
5. Livin' Alone11. Babylon Baby
6. Misfortunate One12. Bazooka

Ich habe mich geirrt. Sogar doppelt. Schrieb ich vor einem halben Jahr anlässlich der CD "Live At The House Of Blues" doch: "Das passt schon, im nächsten Jahr spielen sie vermutlich 5 andere Klassiker und alles ist gut." Es sind nur 4 andere Klassiker geworden und es hat nur 6 Monate dafür gebraucht. Entschuldigung, Leser!

Pat Travers und Carmine Appice sind im Alter offensichtlich hyperaktiv geworden und schmeißen mit neuen CDs inzwischen im Monatsrhythmus um sich. Erst "It Takes A Lot Of Balls" im Herbst 2004, dazwischen die Travers-Soloplatte "PT=MC²", dann "Live At The House Of Blues" und zum 20. Januar 2006 "Bazooka", die dritte Kollaboration mit Appice (in USA bereits im Oktober 2005 erschienen). VANILLA FUDGE haben sich offenbar inzwischen endgültig ins Totenreich verabschiedet oder pausieren wenigstens temporär, insofern hat Carmine Appice ein wenig Muse für all seine anderen Projekte. Dafür hat Tim Bogert bereits eine Reunion von CACTUS für 2006 annonciert, bei der Carmine selbstredend ebenfalls dabei sein wird. Fast meint man, die beiden wollen diverse verschlampte Jahre aufholen.
Eines bleibt bei all der Aktivität jedoch leicht auf der Strecke: Kreativität. Und damit sind wir bei der aktuellen CD "Bazooka".

Bassist T.M. Stevens, auch so ein Vielspieler, ist diesmal nicht dabei. Für ihn gibt es Tony Franklin (THE FIRM, BLUE MURDER, Jimmy Page, Roy Harper, LANA LANE u.v.a.m.) am bündelosen Bass und Chuck Wright (u.a. QUIET RIOT, Ted Nugent, DORO, W.A.S.P. und zuletzt auf "Heavy Hitters" von Michael Schenker) am "normalen" Bass. Außerdem treten auf: Bobby Kimball und Steve Lukather von TOTO, sowie Rick Derringer (von Hang On Sloopy über Johnny und Edgar Winter bis zu seinen Soloplatten und unendlich vielen Gastspielen natürlich ein stehender Begriff für alle unsere Leser). Travers und Appice scheinen also nur den Telefonhörer zur Hand zu nehmen zu brauchen und schon eilen die Größen herbei.
So leicht ist es mit dem Songwriting leider nicht, da müssen die Herren schon selber ran, oder sich ihrer eigenen oder fremder Classics bedienen.

Diesmal wird geklaut bei Willie Dixon (Evil; nicht besonders einfallsreich), Stevie Wonder (Superstitious; immer wieder ein Genuss), AEROSMITH (Last Child; großartiger Song anywhere) und CREAM (Politician; gähn...). Dazu kommen die sattsam bekannten Eigenkreationen Crash & Burn (der Langweiler von Travers, aus der gleichnamigen LP, 1980), Livin' Alone (BECK BOGERT & APPICE, 1973), Snortin' Whiskey (ebenfalls von "Crash & Burn") und Boom, Boom (Out Go The Lights) (auf ungefähr jeder LP von Travers enthalten, natürlich nicht von ihm geschrieben, ist ja ein uralter Blues-Gassenhauer, und dennoch von der BLUES BAND lustiger). Zu allem Überfluss sind gleich vier Überschneidungen mit "Live At The House Of Blues" zu vermelden. Bleiben also ganze 4 eigens für diese CD geschriebene neue Songs. Reicht das?

Natürlich reicht es nicht! Da mag Last Child noch so shuffeln und Appice sich dabei einen Wolf brüllen, da kann Livin' Alone wie der leibhaftige Boogietrain über einen hinwegbrausen, oder Snortin' Whisky fast geiler als im Original rocken, der große Rest ist ziemlich dickflüssiger Heavy-Blues, vollgefüllt mit sämtlichen Klischees, die Bluesrock in den letzten Jahrzehnten nunmal (leider?) hervorgebracht hat. Ah ja, Travers lässt sie natürlich stapelweise heraus, die Riffs und Soli, Appice pumpt sich mordsmäßig auf und vertrimmt seine Trommeln nach Strich und Faden, die Gäste geben alles. Aber die Songs geben leider nicht mehr her als ein leicht gelangweiltes "yo, das kenn ich doch auch". Superstitious fehlt die Funkyness, Evil die Idee für eine eventuell spannende Neuinterpretation, und die neuen Nummern sind, vielleicht bis auf Disappear und das einigermaßen rollende Babylon Baby, einfach zu einförmig und normal. Der Rausschmeißer Bazooka ist ein nettes Instrumental, aber kein Ohrwurm, wie ihn Travers früher am Fließband schreiben konnte.

Schade drum, aber für mehr als technische Spitzenklasse reicht es bei "Bazooka" nicht. Vielleicht sollten sich die Helden ein bisschen mehr Zeit für ihre CDs nehmen. Bezeichnend auch, dass für diese dritte Platte in 1 ½ Jahren bereits die dritte Plattenfirma in Anspruch genommen wird.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 14.01.2006

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