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...Very 'Eavy ...Very 'Umble & Salisbury

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...Very 'Eavy ...Very 'Umble
Salisbury
...Very 'Eavy ...Very 'Umble & Salisbury, Sanctuary Records, 2003 (1970 & '71)
"...Very 'Eavy ...Very 'Umble":
David Byron Lead Vocals
Ken Hensley Organ, Slide Guitar, Mellotron, Piano, Vocals
Mick Box Lead Guitar, Acoustic Guitar, Vocals
Paul Newton Bass, Vocals
Ollie Olsson Drums (Dreammare & Lucy Blues)
Gäste:
Alex Napier Drums
Colin Wood Keyboards (Come Away Melinda & Wake Up)
"Salisbury":
David Byron Lead Vocals
Ken Hensley Organ, Slide & Acoustic Guitar, Harpsichord, Vibes, Piano, Vocals
Mick Box Lead Guitar, Acoustic Guitar, Vocals
Paul Newton Bass, Vocals
Keith Baker Drums
Gast:
John Fiddy Brass & Woodwind (Salisbury)
Produziert von: Gerry Bron Länge: 79 Min 57 Sek & 71 Min 02 Sek Medium: CD
"...Very 'Eavy ...Very 'Umble":Bonus Tracks:
1. Gypsy9. Bird Of Prey (US Album version)
2. Walking In Your Shadow10. Born In A Trunk (prev. unreleased vocal version)
3. Come Away Melinda11. Come Away Melinda (prev. unreleased version)
4. Lucy Blues12. Gypsy (prev. unreleased extended version)
5. Dreammare13. Wake Up (Set Your Sights) (prev. unreleased version)
6. Real Turned On14. Born In A Trunk (prev. unreleased instrumental version)
7. I'll Keep On Trying15. Dreammare (BBC session)
8. Wake Up (Set Your Sights)16. Gypsy (BBC session)
"Salisbury":7. Simon The Bullet Freak (US Album version)
1. Bird Of Prey8. Here Am I (prev. unreleased version)
2. The Park9. Lady In Black (prev. unreleased version)
3. Time To Live10. High Priestess (single edit)
4. Lady In Black11. Salisbury (prev. unreleased single edit)
5. High Priestess12. The Park (prev. unreleased mix)
6. Salisbury13. Time To Live (prev. unreleased mix)
Bonus Tracks:

URIAH HEEP war - neben STATUS QUO - die wohl meistverhöhnteste erfolgreiche Rockband aller Zeiten. Ein Schreiber des amerikanischen Rolling Stone drohte mit Selbstmord, falls die Band jemals den Durchbruch schaffen sollte, das deutsche Geschmackszentralorgan Sounds erwähnte die Band gleich gar nie und Rock-Lexikonist Christian Graf versteigt sich zu Ausdrücken wie "... geistlos ... müder Hammerpop ... Jammer-Rock ...".
Heute ist alles anders. Wann immer Mick Box mindestens einmal im Jahr auf Tour geht, jubelt ihm die Presse zu und die Hallen sind voll mit treuen (und gealterten) Fans. Sitzfleisch zahlt sich also doch aus (dachte sich Helmut Kohl auch).

Die HEEP-Story begann für mich irgendwann ganz am Anfang der 70er und irgendwo muss die alte grüne C90-Kassette von BASF noch rumliegen. Mit Sicherheit völlig unhörbar inzwischen, aber sowas schmeißt man nicht weg. Auf Seite 1 war QUOs "Hello" und die Rückseite war mit "...Very 'Eavy... Very 'Umble" bespielt.
QUO standen in meiner Gunst immer etwas höher als HEEP, klar, die waren auch simpler und eingängiger. Aber wenn HEEP den Rock & Roll-Nachbrenner anschmissen, waren sie ganz nah dran an meinen jugendlichen Traumvorstellungen von guter Musik. Naja, zugegeben, das hat sich bis heute nicht groß geändert. Headbangend geboren und nix dazugelernt...

Castle Music bringt jetzt die x-te Neuveröffentlichung der ersten beiden Alben aus dem Jahr 1970 bzw. '71 auf den Markt. Um es gleich zu sagen: Die Teile sind optisch, klanglich und ausstattungstechnisch bestens gelungen und damit sollte es dann auch gut sein mit den Rereleases. Mehr braucht wirklich kein Mensch. 3 Versionen von Gypsy auf einer CD sind genug.
Kaum vorstellbar, dass irgend jemand die Musik dieser CDs nicht kennt. Aber vielleicht kann man ja ein paar Kids anfixen? Mit mir hat man es schließlich auch so gemacht.
Natürlich, einige Sounds dieser Antiquitäten sind heutzutage wirklich nur noch schwer genießbar. Immer wenn Orgelkönig Hensley seine progressiv-romantischen Anwandlungen hat zum Beispiel. So klingt Wake Up (Set Your Sights) einfach nur kitschig, Come Away Melinda ist eine Schmonzette erster Güte und mancher "Lalala"-Chorus erinnert fatal an Bohlens Kindergartenmusik.
Fakt ist aber, dass Klassiker wie Gypsy einfach unsterblich sind und Rocker wie Real Turned On in der Rockgeschichte selten sind. Immer wenn Hensley zur Slide Gitarre griff, ging die Post ab und seine Power-Orgel konnte schon auch was. Keith Emerson in Brachial sozusagen.
Nebenbei erwähnt war David Byron zwar ein rechter Spinner, aber eben auch ein grandioser Sänger. Und Mick Box ist sicher nicht der beste und schnellste Gitarrist aller Zeiten, aber er wusste immer, wie man wirkungsvolle Riffs brät (Dreammare schrubbt mächtig dahin).
Über die Jahre gewachsen ist der Lucy Blues. Könnte auch von einer beliebigen anderen britischen Bluesrock Band dieser Zeit sein, hat aber ein wundervolles Orgelsolo und zeigt einen knochentrocken und hölzern schlagzeugenden Ollie Ollson, der ansonsten auf der Platte von Alex Napier gedoubelt wurde.
Von den Bonus Tracks ist allenfalls Born In A Trunk erwähnenswert. Das liegt leider nur in Demosound vor, hätte aber die Veröffentlichung damals schon verdient gehabt. Der Rest ist nett aber nicht lebensnotwendig.

Nur acht Monate nach "Very 'Eavy..." wurde "Salisbury" veröffentlicht. Wieder auf 8-Spur-Maschinen aufgenommen und trotzdem ein beträchtlicher Entwicklungsschritt für HEEP. Erstmals wurden Hensley-Kompositionen verwendet (überwiegend sogar) und der Bandsound entfernte sich noch weiter vom Blues.
Mächtige Rocker (Bird Of Prey, Time To Live, High Priestess - wieder mit Hensley-Slide Guitar), die übliche Sülznummer mit The Park und natürlich DER Hit der Band überhaupt: Lady In Black. Ich glaube, niemand der 70er-Jahre Generation hat nicht irgendwann ein Erlebnis mit diesem Song gehabt. Ich meine, ein Erlebnis mit diesem Song und einer Frau (wahlweise Mann). Also, ach, Ihr wisst schon...
HEEP hatten in vielen (Fan-) Augen damals einen riesigen Fehler gemacht. Das epische, 16-minütige Titelstück nämlich. Ich hasste die zweite Seite der LP, habe sie fast nie gespielt. Ein Fehler meinerseits. Salisbury ist hochspannend, klasse arrangiert, einfach eine tolle Nummer. Natürlich ist die Dramatik irgendwie aufgesetzt, die Bläsereinsätze sind vorhersehbar (trotzdem stark) und eigentlich dient das ganze Werk nur der Selbstbefriedigung eines Keyboarders, der sich nicht genügend anerkannt sah. Im Gegensatz zu anderen überlangen Songmonstern der Spätsteinzeit (In-A-Gadda-Da-Vida) ist Salisbury allerdings eine echte Perle, die man auch noch heute gut ohne heftige melancholische Anfälle hören kann.
Bonus ist u.a. Simon The Bulletfreak, das seinerzeit nur als Single bzw. auf der amerikanischen LP veröffentlicht wurde. Außerdem gibt es mit Here I Am einen weiteren langen Song, der ein tolles Solo von Box im Mittelteil bietet. So viel ich weiß, ist diese Nummer bisher überhaupt nie veröffentlicht worden.

Zeit, die alten LPs mit ihren schönen Covers endlich einzurahmen und an die Wand zu hängen!
Diese beiden CDs bieten besseren Sound (der allerdings unterschiedlich laut ist), sehr gute und informative Linernotes und mehr Musik als die Vinyls. Und den Kiddies schicke ich bei Bedarf gerne eine Gebrauchsanleitung, was man mit der Lady In Black und seiner Angebeteten alles anstellen kann. Ihr könnt schon mal herrichten: Kerzen, Rotwein, Schwarzlichtlampe und ggf. einen Joint...

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 04.04.2003

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