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The Return

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The Return
The Return, Wallbreaker Live Recording, 2003
Tim Bogert Vocals, Bass
Carmine Appice Vocals, Drums
Bill Pascali Vocals, Organ
Teddy Rondinelli Vocals, Guitar
Produziert von: Wallbreaker Länge: 75 Min 12 Sek Medium: CD
1. Intro6. Bass Solo
2. People Get Ready7. She's Not There
3. Shotgun8. You Keep Me Hangin' On
4. Tearin' Up My Heart9. Encore... You Can't Do That
5. Some Velvet Morning / Season Of The Witch

Wir Musikschreiberlinge sind megacool und wirklich so richtig abgewichst. VANILLA FUDGE, ha, haha, die sind ja älter als der Böhmerwald und demzufolge auch wieder nur einer der vielen Retro-Acts, die sich ihre Rente noch ein bisschen aufbessern wollen. Muss man nicht hin, muss man nicht haben, wir kriegen schließlich tagtäglich frische Kost frei Haus geliefert, all das Zeug, wo sich die Innovationen gegenseitig auf die Füße treten und der Trendsetter sich die Hände reibt, denn es springt nicht nur neue Musik dabei heraus, nein, auch die Mode fürs nächste halbe Jahr wird festgelegt und die Frisurentwürfe bringen wir gleich zu unserem Lieblings-Trendcoiffeur.
VANILLA FUDGE, hahaha, ein Grauhaariger, einer der aussieht wie Fredl Fesl 1978 und dazu noch Carmine Appice, der rein frisurentechnisch schon seit 30 Jahren out ist. Und erst der Bart...

Jetzt ist das aber so, dass der Schreiber dieses Reviews sich vor 25 Jahren die Hacken abgelaufen hat, um an die raren LPs von CACTUS zu kommen. Unbezahlbar waren die für einen Schüler/Lehrling damals. Und eben dieser jetzt grauhaarige Bassist Tim Bogert und der bärtige Schlagzeuger Carmine Appice prügelten diese Sternstunden des Boogie-Rock & Roll damals ein. Nur für VANILLA FUDGE blieb seinerzeit irgendwie keine Zeit. Die waren ja schon Mitte der Siebziger verdammt alt und total out und die LPs gab es sowieso nicht mehr regulär. Also wuchs meine kleine FUDGE-Sammlung erst in den letzten Jahren auf stattliche 3 CDs an und sooo übel war das gar nicht, was die Herrschaften in den Sixties vor CACTUS so getrieben haben. Natürlich, mächtig verstaubt klingen Platten wie das Debüt von 1967 heute und selbst die letzte LP ("Rock & Roll") von 1970 tönt inzwischen durchaus altbacken, wenn auch immer noch knallig.

Im Juli 2003 kommt ein Typ mit dem Pseudonym "Wallbreaker" auf die Idee, einen Gig der (mal wieder) reformierten Band in Henry's Bluesgarage in Hannover/Isernhagen mitzuschneiden. Man muss wissen, dass dieser Wallbreaker ein Verrückter ist, der seine ganze Energie alten Bands (auch vielen deutschen Krautrockern) widmet und von unzähligen Konzerten autorisierte Mitschnitte macht. Von VANILLA FUDGE hat er nun die Genehmigung bekommen, die Aufnahme vom 11. Juli offiziell als CD zu veröffentlichen. Und jetzt kommt's: In Deutschland wird es nur 500 Stück dieser CD geben! Die anderen 500 sind in Amerika bei der Band.
Wer bis hierher gelesen hat, sollte die CD eigentlich sofort bestellen, denn wenn es dumm läuft sind sie bis zum Ende dieses Reviews ausverkauft.

Und warum soll man diesen alten Kram in aufgewärmter Form kaufen?
Weil diese 75 Minuten rocken. Rrrocken. RRROCKEN!

Habt Ihr schon mal 'nen mittelalten Home of Rock-Schreibzausel beim headbangen zu einer BEATLES-Nummer gesehen? Nicht? Ich schalt gern die Webcam für Euch ein, wenn ich demnächst You Can't Do That wieder höre. Oh Mann, was für ein Boogie, was für ein Shuffle. Und das ist der Abschluss dieser CD. Davor kommen unglaubliche Dinge auf den Liebhaber klassischem Hardrocks zu.
Unglaublich ist nicht im Sinne von "nie gehört" zu verstehen. Natürlich habt Ihr Rock & Roll-Tiere so was schon gehört. Aber eben noch nicht von einer Band diesen Alters und in dieser gradezu schockierenden Intensität und Frische.
Weil diese alten Herren neben ihrer Spielfreude auch noch Humor besitzen, spielen sie tatsächlich den *NSYNC-Hit Tearin' Up My Heart in einer 9-Minuten-Psychedelic-Hardrock-Variante. Da geht dem Boygroup-Groupie vermutlich der Knopf an der Bluse - der vorher für Bussibär Justin Timberlake geöffnet wurde - vor Schreck wieder zu. Was man aus solchem Popschrott für Monster machen kann...

Wir halten fest: Neben Drum-Untier Carmine Appice, der vor sich hin prügelt wie nix Gutes, prägt natürlich Tim Bogert die Band. Bogert ist der Typ "freundlicher älterer Herr, der dir so nebenbei die Eier mit seinen 4 Saiten feinsäuberlich in Streifen schneidet".
Bei der Tour spielte ein gewisser Teddy Rondinelli die Gitarre. Urgestein Vince Martell war krank und Teddy sprang ein. Und das verdammt gut. Und außerdem ist er der Bruder von Bobby Rondinelli, der als Drummer auch nicht ganz unbekannt ist (BLUE ÖYSTER CULT, RAINBOW, BLACK SABBATH, DORO und viele andere).

Na klar, wenn sich 9 Songs auf 75 Minuten erstrecken, dann kriegt man keine 3-Minuten-Terrinen serviert. Das kann dann schon mal 'ne knappe Viertelstunde dauern, bis sich die Herren so richtig abreagiert haben. Aber in der Zeit hat man erstens ein Bier getrunken und zweitens das letzte halbe Jahrhundert der Rockgeschichte erlebt. "Rockgeschichte für Anfänger leichtgemacht" und "Rockgeschichte für Kenner - Auffrischungskurs" heißen die zwei Bücher, die man über diese wundervolle CD schreiben könnte.
VANILLA FUDGE spielten 1967 ihre erste LP ausschließlich mit Coversongs ein. Darunter waren People Get Rady (hier der Opener) von Curtis Mayfield und She's Not There von Rod Argent. Beide Gott sei Dank auf dieser CD vertreten.
Und dann ist da natürlich noch die allererste Single dieser Legendenband: You Keep Me Hangin' On vom Hitschreibergespann Dozier/Holland/Holland für die SUPREMES um Diana Ross irgendwann in der Steinzeit geschrieben. Mein Gott, warum schreibt heute niemand mehr solche Songs? An dieser Stelle muss auch noch Keyboarder Bill Pascali erwähnt werden. Was für Orgelkaskaden, was für Sounds. Great, man!

Merkt Ihr es? Ich schwärme. Das passiert mir immer bei Platten, die mich erschüttern. Bei QUO oder Dan Baird oder all den anderen Rockern, die sich nicht verbiegen lassen. THE FUDGE gehören dazu.
"The Return" ist ganz sicher ein Kandidat für meine Jahreshighlights und die Platte ist so verdammt ehrlich. Du hörst was passiert ist. Sogar das Gequatsche eines niedersächsischen Plappermauls hört man in People Get Ready. Macht nix, das ist Rock & Roll und der Sound ist erdig, roh und geil.
Wenn Ihr auch noch tolle Fotos von diesem Concert sehen wollt: Guckt!

Kaufen! Schnell!! Sonst Shot Gun!!!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 22.08.2003

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