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| Twenty One, Eigenvertrieb, 2009 |
| Anna Libby |
Vocals |
| Allen Higgins |
Acoustic & Electric Guitars |
| Marty Ballou |
Bass |
| Marty Richards |
Drums |
| Tom West |
Hammond Organ, Piano, Organ |
| Bobby Keyes |
Pick Bass, Hand Claps, Etherial Guitar |
| Mason Thyer |
Piano |
| Russell Keyes |
Bass (Midnight Moon, Amy's Song & Found A Way) |
| Jim Gwin |
Drums (Midnight Moon, Amy's Song & Found A Way) |
| Produziert von: Allen Higgins |
Länge: 44 Min 51 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Freight Train | 7. Indefinetely |
| 2. TV Song | 8. Lucky |
| 3. Famous | 9. Midnight Moon |
| 4. 4 Nothing | 10. Amy's Song |
| 5. Outta Here | 11. Found A Way |
| 6. Unwanted | |
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Der Sinn eines Spaßprojekts ist, Überraschung, schon im Namen hinterlegt. Im Idealfall macht derlei allen Beteiligten Spaß, bei musikalischen Projekten also den Musikern und dem Publikum. BECOMING AUGUST ist ein solches Spaßprojekt, alldieweil der Bandgründer, Songwriter und Gitarrist Allen Higgins kein Profimusiker ist, sondern hauptberuflich im "Pine Tree State" Maine ein Sägewerk betreibt. Ein sehr altes Sägewerk sogar, das da ganz oben im Nordosten der USA Holz für schicke Häuser sägt und den herrlichen Leitsatz "The only thing we don't cut is our hair" hat.
Der Bundesstaat Maine und die Kleinstadt Brunswick (hat nichts mit dem Bowling-Konzern zu tun) sind nicht unbedingt der Weltmittelpunkt der Rockmusik, entsprechend ist unser "Chainsaw Allen" eher dem traditionellen Rock & Roll mit Wurzeln in der Country-Musik verbunden und lässt moderne Einflüsse einfach weg. Industrial passt auch nicht für einen langhaarigen Holzarbeiter. Bleibt die Frage, ob auch das Publikum Spaß hat am Hinterwäldler-Rock'n'Roll.
Allen Higgins, genannt Higmo, hat sich für sein Freizeitvergnügen eine kleine Band zusammengesucht, die von der jungen und durchaus stimmkräftigen Augenweide Anna Libby angetrieben wird. Aufgenommen wurde "Twenty One" äußerst professionell im Studio von Bobby Keyes, der, nicht zu verwechseln mit dem STONES- und SKYNYRD-Veteranen Bobby Keys, ein bekannter Musiker, Songwriter und Produzent von/für Jerry Lee Lewis bis NEW KIDS ON THE BLOCK ist und selbst irgendwo zwischen Blues, Swing, Country und Rock & Roll changiert. "Twenty One" ist also mitnichten eine Übungsraumproduktion mit zerquetschtem Digitalsound, auch kein Schnellschuss aus der Garage, sondern eine wohlüberlegte und ernsthafte Angelegenheit für Higmo und seine Bandmates.
Higgins spricht von "Real American Rock", und hat damit Recht. Das erfreuliche daran ist, dass mit diesem "American Rock" nicht die in den letzten Jahren so dümmlich verbreitete Nationaltümelei mitsamt Credits an die Truppen in den Kriegsgebieten gemeint ist, sondern tatsächlich die Musik. "Twenty One" ist so amerikanisch wie irgend möglich, spricht aber ALLE Menschen an, nicht nur Cowboys, Trucker und sonstige Kaugummi kauende Fahnenschwenker. Man kann sich als pazifistischer Europäer diese CD gefahrlos geben, denn in Higgins' Texten sind genügend schöne, auch intime Details zu Alltagsgeschichten versteckt, dass es problemlos für einen abendfüllenden Film reicht. Natürlich hat man Rock & Roll Klischeenamen wie Freight Train hundertfach gehört, aber der Freight Train von BECOMING AUGUST hat mit dem der epochalen Bluesgitarristin Elizabeth Cotten nichts zu tun, Higmo und Band machen nur eigenes Zeug. Und das gut.
Es dampft und schwitzt schon bei besagtem Freight Train, dem ganz und gar ironischen TV Song gibt Anna Libby noch ein "Let's go!" mit, jetzt ist man spätestens drin im Brunswick'n'Roll. Da ist eine straighte Gitarre, eine schöne Hammond und ein erstaunlicher Bassist.
Dann ist Country-Time. Hinter dem harmlosen Titel Famous und dem ebenfalls harmlosen Saloon-Stomper verbirgt sich die Basiskritik aller hart arbeitenden Menschen: "1 $ earned and 2 $ taken away".
Nach der aufgearbeiteten Beziehungskatastrophe 4 Nothing wird es entgegen der obigen Ankündigung doch beinahe modern, Outta Here kommt mit leicht angeschrägter Gitarre daher, aber Annas Stimme und das famose Piano machen die Sache wieder erdig.
Unwanted ist hoffentlich eine fiktive Story, denn ansonsten müsste man weinen. Tolle Ballade. Und gut, dass es dann bei Indefinitetly mit Bratz-Gitarre wieder rockt. Perfekter Pop, mit dem ROXETTE auf #1 wäre. Und die Vintage-Bratz-Gitarre ist zusammen mit Anna und dem feinem Klavier maximal sexy.
Die Ballade Lucky baut sich schön auf, hat ein kleines Duane-Allman-Gedächtnissolo und wieder tolles Piano, genau wie Midnight Moon von der Orgel partizipiert. Bezaubernd. Einzig Amy's Song kommt mit seinen traurigen Moll-Tönen dem Verlangen nach Party, Bier und einem Burger nicht nach. Macht nichts, denn "Twenty One" funktioniert in seiner Gesamtheit, und zwar so:
Einfache Menschen sind nicht zwangsläufig einfältige Menschen. Im Gegenteil. Man darf unterstellen, dass Higmo und seine Freunde ausgesprochen intelligente und angenehme Zeitgenossen sind, die "einfach" nur ihr Leben musikalisch reflektieren. Das tun sie so gekonnt und sympathisch und offensichtlich vorurteilsfrei wie handwerklich perfekt. Eine CD zum Verlieben.
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