|
|
| Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott, Allegria-Ullstein/ECON-Taschenbuchverlag, 2009 |
| ISBN: |
978-3793421665 |
| Umfang: |
304 Seiten (Gebundene Ausgabe) |
| Preis: |
16,90 Euro |
 |
Gott-Vater ist eine füllige, gut gelaunte Afroamerikanerin, die ausgezeichnet kocht, immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat und in ihrem i-Pod der Musik von "Diatribe" - einer ziemlich schrägen Teenieband, die sich erst in ca. 20 Jahren gründet und mit ihrem eurasischen Funk-Blues und scharfen Beats einen Musikstil namens "West Coast Juice" kreieren wird. Außerdem genießen Bruce Cockburn und Westcoast-Singer-Songwriter Airplay in der Küche, wo "Papa" für den Rest der Trintität - also ihren Sohn Jesus und Sarayu, den heiligen Geist (in Form einer asiatischen Frau) einfach "göttliche" Scones bäckt.
In diese Wohngemeinschaft gerät die Hauptperson des Buches, Mackenzie Allen Phillips, vom Leben gebeutelter Familienvater, an einem verschneiten Winterabend irgendwo in einer Hütte im Wallowa State Park von Oregon. Mack ist, seit seine jüngste Tochter während eines Campingausfluges von einem Kindesmörder entführt wurde, in tiefe Lethargie und Traurigkeit verfallen - unfähig für sich und seine Familie eine Perspektive, geschweige denn Antwort darauf zu finden, warum ausgerechnet ihn dieses Leid treffen musste. Sein Gottesbild ist darüber verständlicherweise zerbrochen. Umso erstaunlicher ist, dass er sich auf dieses Experiment einlässt und gegen jegliche Vernunft die Einladung Gottes annimmt, die ihn ausgerechnet in die Hütte zurückführt, wo die letzten Lebenszeichen seiner Tochter (ein zerrissenes Kleid mit Blutflecken) gefunden wurden.
Die Story nimmt ihren Lauf, Mack gerät in eine Art Parallelwelt. Er führt ebenso tiefe wie unterhaltsame Gespräche mit Gott, oder lernt auf gemeinsamen Ausflügen mit Papa, Jesus oder Sarayu den Sinn von Leid, Trauer, Vergebung und Veränderung. Letztendlich bringen ihn die Erfahrungen des Wochenendes wieder zurück in ein lebenswertes Leben.
"The Shack - Die Hütte" wurde in USA ein Bestseller, der jenseits von frommen oder säkularen Verlagsimperien innerhalb von wenigen Monaten seinen Weg zu Millionen von Lesern gefunden hat.
Ursprünglich wollte William Paul Young (dessen persönliches Leben viele Parallelen zu Mackenzie aufweist - und der sich im Buch in der Nebenrolle von Macks bestem Freund Willie wieder findet) nur eine Geschichte für seine Kinder zu Weihnachten schreiben. Auch fühlte er sich nicht zum Bestsellerautor berufen. Nur dank erfahrener Freunde konnte das Buch so Gestalt annehmen: Die Story wurde gestrafft ohne die Tiefe seines Inhalts zu verlieren und lässt beim Lesen spüren, dass ein erfahrener Drehbuchautor mit Hand anlegte. Die Verfilmung des Werkes ist außerdem schon im Buch als nächstes Ziel anvisiert.
Was besonders auffällt ist, wie undogmatisch William Paul Young an die Sache herangeht. Der christliche Glaube ist für ihn kein unsteter Monolith von Vorschriften und Einschränkungen. Von der Hauptperson des Romans lernen wir, dass sich unser Gottesbild immer wieder neu verändern kann - ohne dass es dadurch an Glaubwürdigkeit verliert. Allen voran geht die Dreieinigkeit im Buch sehr locker mit den festgefahrenen Vorstellungen der Menschen um, die diese von Gott haben. Ein Gott, der genug Schalk im Nacken hat, um Jesus sagen zu lassen: "Ein kleiner Tipp, Mackenzie: Wenn Du übers Wasser gehst, zieh vorher die Schuhe aus!"
"Die Hütte" ist ein Buch, das - locker an einem Wochenende zu schaffen - dem Leser eine besondere göttliche Erfahrung vermitteln kann, mit durchaus positiven Auswirkungen auf sich selbst und seine Umwelt.
|