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| Mit Krone, Kreuz und Geisteskraft durch die Jahrhunderte, Sprechende Bücher, 2009 |
| Amil Gorgis, Jan Spitzer, Bernd Vollbrecht, Tobias Meister, Clemens Grote, Joachim Kerzel, Torsten Michaelis, Peggy Sander, Manfred Lehmann |
Sprecher |
| Alexander Block |
Gitarre |
| Henrik Ilgner |
Vocals |
| Magdalena Szesny |
Sopran |
| Jens Semrau |
Komposition |
| Produziert von: Jens Semrau & Andre Lamijon |
Länge: 117 Min 40 Sek |
Medium: Do-CD |
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Wo soll man bei dieser Scheibe anfangen zu schreiben? Das ist gar nicht einfach, denn so etwas vielschichtiges, phänomenales und geniales habe ich selten zu hören bekommen. Dabei kann ich gar nicht sagen, ob "Das Abendland Projekt" nun ein Hörspiel, ein Hörbuch oder ein Hörfilm ist. Auf alle Fälle ist es großes Kopfkino.
Sind es nun gute Texte mit Musik untermalt oder klasse Musik mit tollen Texten? Irgendwie ist es beides. "Das Abendland Projekt" erzählt die Geschichte des Abendlandes in kurzen Sequenzen, gesprochen von ein paar der bekanntesten Synchronsprechern. Wäre dies ein Kinofilm, er wäre einer der Filme, die sicherlich mit einem Oskar ausgezeichnet würden, wenn nicht sogar gleich mit mehreren. Alleine die Besetzung würde einen ganzen Sack mit diesen Skulpturen füllen: Jack Nicholson, Sir Anthony Hopkins, Bruce Willis, Brad Pitt, Wesley Snipes und Antonio Banderas - wenn die alle in einen Film spielen würden, er würde monumental.
Schöpfer dieses umfangreichen Werks sind Andre Lamijon und Jens Semrau. Ersterer hat die Texte geschrieben, letzterer zeichnet sich für die musikalische Untermalung bzw. Umsetzung des Ganzen verantwortlich. Herausgekommen ist dabei eine Doppel-CD, die man nicht mal eben und nebenbei konsumieren kann, sondern die gerade jetzt in der trüben Jahreszeit dazu einlädt, es sich unter den Kopfhörern bequem zu machen, die Augen zu schließen und die Entstehung und Entwicklung des Abendlandes an sich vorüberziehen zu lassen. Da man es in seiner Gänze zu sich nehmen muss, kann man auch keine einzelne Sequenz gesondert hervorheben. Das gehört an einem Stück genossen, so wie ein formidables Essen mit einem guten Rotwein.
Über drei Jahre haben sich die beiden Herren des Jahrgangs 1966 hingesetzt, getüftelt, geschrieben und Stück für Stück das Projekt entstehen lassen. Dass es dabei so umfangreich wurde, war beiden zu Beginn nicht bewusst. "Der Grund für das Ausmaß dieser Produktion erklärt sich zum einen mit dem schöpferischen Drang, der jedem Menschen innewohnt, und zum andren mit dem Anspruch, durch das Wort - getragen von Musik - einer Kulturindustrie, die dazu beiträgt, das die Kunst zum inflationären Begriff verkommt die Stirn zu bieten", so ist es dem Pressetext zu entnehmen.
Hier ist keine leicht verdauliche "Popkost made by Bohlen" entstanden, sondern wirklich ein Werk, das anspruchsvoll ist und damit in der heute so schnelllebigen Zeit, ein gewagtes Unterfangen darstellt. Das kann aber gelingen, wenn man es denn zulässt und sich die Zeit dafür nimmt. Wer also lieber bei McDonalds isst, sollte hier vor dem Genuss gewarnt werden - es ist kein leicht verdauliches Futter. Aber das schrieb ich bereits mehrfach.
Die einzelnen Zeitepochen werden durch kleine Intermezzi miteinander verbunden. Was alle Abschnitte textlich verbindet ist der Hinweis, was passiert, wenn die drei göttlichen Tugenden, Glaube, Liebe und Hoffnung, wegbrechen. Wer allerdings Geschichtsunterricht erwartet, ist hier fehl am Platz. Dafür sind die Texte zu kryptisch, zu vieldeutig geraten - was aber wiederum ein Grund dafür ist, dass es sich hier um Kopfkino handelt, bei dem jeder Hörer wahrscheinlich andere Bilder vor seinem inneren Auge entstehen sieht.
Gibt es denn gar nichts an diesem Werk zu kritisieren? Doch! Die Tatsache, dass die einzelnen Sequenzen musikalisch immer wieder unterbrochen werden, fügt dem flüssigen Erzählverlauf einen Bruch zu. Meiner Meinung wäre es besser gewesen, wenn man alle miteinander verbunden hätte und so ein großes Ganzes geschaffen hätte.
Wir vom Home of Rock können "Das Abendland Projekt" nur wärmstens empfehlen, auch wenn es von Rock so weit entfernt ist wie Dagobert Duck von der Einrichtung einer Stiftung. Menschen, die gerne Musik hören und dabei ein gutes Buch lesen wollen, können hier gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und dabei völlig entspannt auf der Couch liegen, ohne dass die Arme einschlafen.
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