HoR Logo kl CD-Review:

Doppler Affect

Which Way To Go

Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > Doppler Affect > Which Way To Go

Which Way To Go
Which Way To Go, Eigenvertrieb, 2007
Billy Postle Vocals, Guitar & Harmonica
Dave Waugaman Guitar
Dave Phillips Drums
Chris Owoc Bass, Guitar
Brian Dehass Guitar
Gäste:
Kenny Blake Saxophone (What Can I Do)
Produziert von: Doppler Affect Länge: 31 Min 51 Sek Medium: CD
1. One Last Nail5. What Can I Do
2. Which Way To Go6. Ring Of Fire
3. Crystal Tear Drops7. See You Again
4. Where Are You Now8. Goin' Home

Manchmal dauert es tatsächlich nur Sekunden, bis einen eine Band am Haken hat. 15 sind es in diesem Fall. Dann hört man eine Slide-Gitarre, die in diesem unnachahmlichen Southern-Style wie eine Dampflok daherkommt und einen erheblichen Leidensdruck auf den Hörer ausübt. Das Ende vom Lied (natürlich nur sinnbildlich, das eigentliche Ende dieses Liedes ist noch dreieinhalb Minuten entfernt): Man sitzt oder steht rhythmisch mit dem Kopf wackelnd da, hechelt Worte wie "Hell yeah" oder ähnlichen Dummfug und legt sein schwachsinnigstes Luftgitarrenrinsen auf.

DOPPLER AFFECT heißt die Band, kommt aus Pennsylvania und tingelt seit ein paar Jahren unspektakulär durch die Gegend. Sympathisch macht die Gruppe nicht nur der erste Song ihrer bereits dritten CD, auch die einleitenden Worte "The Doppler Affect began as a studio recording project" aus der Biografie zeugen von einer gewissen Ehrlichkeit, die in diesem Genre selten geworden ist. Normalerweise protzen die Protagonisten mit tausenden Konzerten und ihrem chauvinistischen Südstaatenstolz, der ihnen bereits im Kindesalter einen Job als Vorband von Charlie Daniels eingebracht hat. DOPPLER AFFECT geben einfach zu, dass sie erst nach ein paar lobenden Worten (von wem und wo auch immer) zu einer Liveband wurden.
Der nächste Pluspunkt sind die sieben eigenen Songs auf "Which Way To Go" (der achte heißt Ring Of Fire und dürfte bekannt sein).
D.A. lassen dabei selbstverständlich nur wenige Klischees der amerikanischen Cowboystiefelmusik aus, sind aber trotzdem in der Lage halbwegs eigenständige Kompositionen aufzufahren und müssen nicht auf tausendfach gehörten Lynyrd-Allman-Hatchet Plattitüden herumreiten. Will sagen: Wo viele andere Kapellen der letzten Jahre auch auf Konserve wie eine billige Coverband aus dem örtlichen Saloon klingen, haben DOPPLER AFFECT Substanz und bewegen sich geschmackssicher zwischen Boogie, Country und zweistimmigen Gitarrensoli.
Apropos Country. Der Sänger, Billy Postle ist sein Name, hat durchaus einen volksmusikalischen Schlag, aber den haben Doug Phelps von den KENTUCKY HEADHUNTERS oder Bill McCorvey von den PIRATES OF THE MISSISSIPPI schließlich auch. Also nehmen wir hin was unvermeidbar ist und lassen uns ein wenig anknödeln. Wenn dabei eine so herzallerliebste Ballade wie Crystal Tear Drops herauskommt, bitteschön. Das gemächliche aber wunderschöne zweistimmige Gitarrensolo im Mittelteil hebt ab wie ein Paraglider im Aufwind.

Wäre "Which Way To Go" nicht nur etwas über eine halbe Stunde lang, könnte man die von einem prächtigen Saxophon angetriebene Schnulze What Can I Do und die anständige Version von Ring Of Fire - obgleich sie trotz der guten Gitarrenarbeit aufgrund des Erschaffers zwangsläufig nach Kirmes klingt - klaglos verkraften. In der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit nehmen sie der CD ein wenig Schwung, dafür kommt der Abschlusssong Goin' Home umso southernrockiger. Auch wenn man die Nummer verdammt ähnlich schon von REBEL STORM gehört hat, diese Art von Musik wird einer gewissen Klientel immer unter die Haut fahren. Die Gitarre in Where Are You Now ebenso, denn die wurde in Carlos Santanas letzten Hits ganz genau so für die Massen kultiviert.

Auf dieser kurzen CD sind etliche heiße Nummern zu finden, einige ruhigere und trotzdem spannende Songs punkten ebenfalls, allerdings bleiben auch ein paar Fragezeichen. Die Produktion hat Schwächen (man höre den Bruch im Titelsong und das teilweise schleppende Schlagzeug), vor allem aber gilt es den sehr leeren Tourkalender zu füllen. Von dieser Band könnte man sich nämlich live ganz schön die Ohren verprügeln lassen.
Doch, ja, DOPPLER AFFECT haben einen am Haken. Zu klären wäre nur noch, ob der Bandname tatsächlich etwas mit dem physikalischen Phänomen des Dopplereffekts zu tun hat. Den versteht nämlich im Gegensatz zur Musik der Jungs kein Mensch.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 09.05.2008

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

Startseite > CD-Reviews > Doppler Affect > Which Way To Go

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum