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At Her Majesty's Pleasure

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At Her Majesty's Pleasure
At Her Majesty's Pleasure, Rise Above Records, 2011
James Atkinson Vocals, Guitar
Douglas McLaughlan Bass, Vocals
Bill Steer Guitar
Stuart Dobbins Drums
Produziert von: Gentleman's Pistols Länge: 48 Min 08 Sek Medium: CD
1. Living In Sin Again7. I Wouldn't Let You
2. Comfortably Crazy8. The Ravisher
3. Midnight Crawler9. Sherman Tank
4. Some Girls Don't Know What's Good For Them10. Peeping Tom
5. Your Majesty11. Feed Me To The Lions
6. Into The Haze12. Lethal Woman

Geballte Sprachlosigkeit dröhnt einem im Netz entgegen, wenn man diese Band, von der sich die Mehrheit noch nicht einmal sicher ist, wie man sie schreibt, in Google sucht. Kein Eintrag? Oh doch, jede Menge - zur gegenwärtigen und vorigen CD. Und - was nun "At Her Majesty's Pleasure" angeht (hier setzen die Jungs das Apostroph 's'; im Namen wohl - laut Cover - eher nicht; wir richten uns nach der Info vom Label): Die Sprachlosigkeit sucht, sich, mit Verlaub, in lingualer Diarrhö Raum; es werden die Infos des Waschzettels, aka Press Kit, nachgebetete, die dort zitierten Vorbilder wiederholt und das berühmt-berüchtigte 'Kick Ass' eingedeutscht, was das alles nicht besser macht.

Kollegenschelte? Mitnichten. Vielmehr deutet mein Exkurs an, wo das Problem mit der Band liegt (die von der Mehrzahl der Reviewer, auch das sei erwähnt, positiv bewertet wird). Aber zuerst - die Gruppo de la Torreros für diese Corrida ist um Bill Steer erweitert worden; seines Zeichens Retromeister bei FIREBIRD , und dortselbst als Herr einer Dreimann Combo Saitenhechser und Wahrer des klassischen 'blues-based' Hard Rock; er durfte und darf als Einziger mit Erlaubnis des Home Of Rock den Four Day Creep von HUMBLE PIE darbieten.

Damit dürfte doch dann schon vom Start weg alles in trockenen Tüchern sein, ergötzt man sich doch am klassischen Hard Rock und ist ebenfalls vom Planet Retro, siebzigster Mond im Sternbild 'Pagey's Riff'? Und ja, Bill Steer gauckelt eine gar flinke Gitarre, und die Riffs werden an der richtigen Stelle von der richtigen Güte gesetzt; und die Breaks kommen wir reife Tomaten in Holland im Sommer gepurzelt - aber wir wissen ja, was das Problem mit den hollandse Tomaten ist - da war doch was mit dem Geschmack? Vor lauter Gewächshaus ging der flöten?
Sowas kommt von sowas - wenn Du Tomaten am Reißbrett kreierst, schmecken sie nicht unbedingt so gut, wie sie aussehen. Und wenn Du 70er Blues'n'Hard Rock ohne jegliches Gefühl in noch so gründlich getesteter Stromlinie auffährst, und noch so schön produzieren kannst - da kommt mal nix rüber. Und so sind alle Ingredienzien am richtige Platz, aber allein - es will nicht funken und nicht funkeln. So wie eine Tomate keinen Sommer, eine Abhandlung über Sex keine berauschenden Nacht und eine Metallic Lackierung keinen Porsche macht, macht ein Bill Steer auch mit dieser Band keine Platte, bei der man die Musik fühlt. Man kann sie unter dem Horoskop sezieren, und wird dann das Ergebnis erhalten, dass das gut klingen müsste, es aber nicht tut (auch wenn ich das Mikroskop nehmen, wird das nicht besser, so meine Vorhersage).

Ey, neh, sorry, Jungs - auch wenn das nach allen Großmeistern aus den 70ern klingt - ist es nicht. Man höre nur mal zum Vergleich mal THE INCREDIBLE HOG - da ist dieses Gefühl und die Authentizität da, und auch wenn das auch nicht annähernd so perfekt ist wie das hier - denn das von damals, das gefällt der Majestät aber wirklich. Und daher auch die oben erwähnte 'Sprachlosigkeit' - das ist zu perfekt, und bietet keine Ecken und Kanten, und folglich scheitert jeder Versuch, das zu beschreiben. Und so muss der Waschzettel herhalten. Ginge mir nicht anders. Man ist bei jedem Track versucht, anzuhalten, und sich an das Original zu erinnern … wo hat man das schon gehört (was übrigens alleine schon ärgerlich genug wäre, und einem wie Lenny Wolf das Genick gebrochen hat)?
Werden die Pistolen des Gentleman's Erfolg haben? Aber jede Wette - wo sie doch so gut sind und den Geist der Siebziger atmen. So gut, dass man sich dem Appeal auch bei aller Objektivität kaum entziehen kann - halt mal einem Junkie 12 Sorten des besten, ausgesuchten Libanesen unter die Nase. Ach, und wie das groovt und swingt, die Double Lead Gitarren sich die Solos um die Wette zuspielen, der knurrige Bass die Erinnerungen an die eine oder andere klassische US-Band wachruft! Wir aber rufen dennoch ein fröhliches "Puste-kuchen" und gehen zum CD Regal mit der richtigen Ware. Denn - spätestens ab Ravisher machen sich Ermüdungserscheinungen im Boogiegenudel und mittelmässige Hooklines darbietenden Gebräu breit. Man weiß jetzt, wann welche Breaks kommen, und alles klingt eben wie alles klingt. Tja, Reißbrett eben.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 13.05.2011

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