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| Live - After All These Years, Emphasis Records/Atlanta Music Group, 2005 |
| Wayne Bruce |
Guitar, Vocals |
| Spencer Kirkpatrick |
Guitar |
| Steve Pace |
Drums |
| Tommy Vickery |
Bass |
| Gäste: |
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| Stevie Hawkins & Edgar "Big Ed" Brimer |
Background Vocals |
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Länge: 79 Min 31 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Glitter Queen | 8. Diamond In The Rough |
| 2. Wasting Time | 9. Land Of Money |
| 3. Feel A Pain | 10. Keep You Around |
| 4. You're The One | 11. Miriam |
| 5. Baby Please Stop Messing Round | 12. Rattlesnake Shake |
| 6. Making Plans | 13. Going Down |
| 7. Feel Like Running | |
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Mea culpa. Diese CD wollte vor zwei Jahren keiner anfassen, auch ich nicht, zu groß war die Angst vor einem Fiasko und dem dann notwendigen Verriss einer Jugendliebe. Zwei Wochen später war die Band mitsamt CD über dem Tagesgeschäft auch schon wieder vergessen.
Wie elend Wiedervereinigungen solcher Semi-Legenden ausgehen können, zeigte einmal mehr das Desaster von POINT BLANK im letzten Jahr, dementsprechend skeptisch hielt ich die CD "Live - After All These Years" von HYDRA in der Hand, als sie nun mit geringfügiger Verspätung über einen rührigen osteuropäischen Radiomacher doch noch zu uns kam.
HYDRA. Drei wunderbare LPs in den Jahren 1974, '75 und '77, danach Auflösung und rastloses Herumgeistern im Schattenreich von Plattenbörsen und Second Hand Läden, die die Scheiben zu völlig überteuerten Preisen bis weit in die Neunziger immer wieder vertickten. Die Band blieb aber ein weißer Fleck auf unserer ansonsten relativ vollständigen Konzert-Landkarte, denn bis auf zwei Dutzend Reunion-Gigs in einem Club in Atlanta vor gut 10 Jahren (zum Teil ohne Wayne Bruce) hatte sich HYDRA erledigt und eine Live-LP gab es sowieso nie. Nur bei unseren privaten Nostalgiepartys liefen die Highlights aus "Hydra", "Land Of Money" und "Rock The World" immer wieder, irgendwann auch die von der kurzzeitig wiederauferstandenen Firma Capricorn aufgelegten CDs, angeblich sogar remastert. Nun ja, besser klangen die auch nicht wirklich.
Die beiden ersten LPs erschienen bei eben jenem Kult-Label Capricorn Records, was der Band, natürlich neben ihrer Herkunft aus Atlanta, GA, den Ruf einer Southern Rock Band einbrachte - und vermutlich auch den Kopf kostete. Für klassischen Southern Rock waren sie Mitte der Siebziger viel zu sehr Rock'n'Roll und Boogie (MOLLY HATCHET waren noch nicht erfunden), für Hard Rock speziell beim Debut deutlich zu differenziert (wofür nicht zuletzt die Plattenfirma verantwortlich war) und als die neue Plattenfirma Polydor 1977 auf das Pferd Stadionrock setzte, war der Gaul längst abgaloppiert und Boogiemonster wie FOGHAT oder Gitarrenhelden wie Ted Nugent hatten den Hafer. Für HYDRA blieb nur Stroh.
Immerhin ersparten sich Wayne Bruce und Spencer Kirkpatrick, die beiden Köpfe der Band, schlimme Peinlichkeiten, wie sie fast allen anderen so genannten Southern Rockern ab Ende der Siebziger bis 1987/88 passierten. Da kamen LYNYRD SKYNYRD zurück und fegten den unfassbaren Produktionsmüll der vergangenen Jahre hinfort. Ab diesem Moment wurde wieder "echter" Southern Rock gespielt. Dass die Zeit für viele der alten Bands trotzdem abgelaufen war, steht auf einem anderen Blatt.
HYDRA blieben verschollen, bis am 7. Mai bzw. 28. Juli 2005 die beiden Konzerte stattfanden, die zu dieser CD führten. Natürlich konnte man sich mit der hochtrabend benamten Atlanta Music Group nur die Dienste einer Hinterhoffirma leisten und die Aufnahmen haben auch keine besonders pflegliche Behandlung erfahren, entsprechend kommt "Live - After All These Years" optisch und klanglich absolut "indie" daher. Aber die älteren Herren wären keine stolzen Südstaatler, wenn nicht am Anfang ein Stimmungsmacher die ganz große Wortkeule schwingen würde: "In the seventies this band was a true southern legend…".
Ladies and Gentleman, im Jahr 2005 legten die Herren Gitarristen Bruce und Kirkpatrick zum Einstieg eine so scharfe Glitter Queen aufs Parkett, dass weder Schlagzeug (mit Urmitglied Steve Pace) noch Bass (erstmals auf CD: Tommy Vickery) folgen konnten. Die glitzernde Lady selbst ist ja erst 35 und hatte hörbar Spaß an dem Spektakel. Man kennt dieses Gefühl, wenn zwei Gitarristen böse Riffs und kleine Soli spielen und sich die Haare des Zuhörers aufstellen: Double-Leads, rücksichtsloser Boogie, Kerle beim gruppendynamischen Resthaarschwingen - that's Rock & Roll.
Vor lauter Begeisterung über sich selbst schienen sich Bruce und Kirkpatrick selbst überholen zu wollen und Steve Pace konnte die beiden tatsächlich erst beim zweiten Song einfangen. Da wurde auch der Sound besser und druckvoller, man wird nicht mehr nur von den Gitarren filetiert. Wasting Time rockt, zeigt aber auch genau auf, dass HYDRA niemals eine traditionelle Southern Band waren. Wie auch, auf "Rock The World", von dem Wasting Time stammt, war nur noch ein Trio am Werk, Wayne Bruce spielte den Bass für den ausgestiegenen Orville Davis. Hier ist erstmals zu hören, wie sich Bruce und Kirkpatrick bei Wasting Time die Gitarren teilen. Ist aber immer noch nicht southern, sondern schlicht toller Hardrock der etwas angestaubten Art.
Dann ist aber vorbei mit der Herrlichkeit, schon an dritter Stelle kommt die erste Verschnaufpause. Feel A Pain stammt vom Keyboarder und Bandkumpel Will Boulware und war schon auf "Hydra" eine sperrige Angelegenheit. Auch Jahrzehnte später schleppen sich die ersten Minuten mühsam dahin, bis endlich doch eine Art "Gitarrenschlacht" zum freundlichen Ende führt. Ganz anders dann You're The One von "Rock The World". Plötzlich ist die Wayne Bruce gesanglich over the top, kommt nah an DOC HOLLIDAYs Bruce Brookshire heran und macht den damals mainstreamigen Rocker zum Highlight. Feine Backings, wenigstens erahnbare Bass-Raffinessen und gelungene Drum-Fills runden die Sache ab.
Man hört auf "Live - After All These Years" überdeutlich den Wechsel der Aufnahmeorte, mal ist das Publikum laut, mal leise, mal der Sound gut, dann wieder wie bei einer Audience-Aufnahme, allerdings wirft man die CD deswegen nicht unmittelbar aus dem Fenster, weil die Band anständig spielt und Spaß vermittelt. Das gilt auch für den Peter Green-Blues Baby Please Stop Messing Round (hieß der im Original nicht einfach Stop Messin' Round?), den HYDRA locker und mit hübsch rudimentären Gitarren ans Publikum brachten. Typischer Samstagabend-Club-Bluesrock zum zigsten Bier.
Die LP "Land Of Money" ist leider nur mit Making Plans und dem Titelsong in der Setlist der CD vertreten. Möglicherweise wurden bei den Konzerten mehr Nummern gespielt, auf Konserve fehlen Kracher wie Little Miss Rock'n'Roll, The Pistol und vor allem Slow And Easy. Schade, denn die Double-Leads bei Making Plans und das Stakkato-Riffing bei Land Of Money versprechen eine Menge. Die platten Feel Like Running und Diamond In The Rough von "Rock The World" sind kein Ersatz.
Federleichten Southern-Boogie gibt's bei Keep You Around, allerdings auch einen ziemlich verhunzten Schlagzeugeinsatz im Break und danach ein leicht taumelndes Kirkpatrick-Solo. Da war er wohl mit Freunde begrüßen beschäftigt. Miriam war schon immer altbacken und diente bei den Konzerten bestimmt als Pippipause, genau wie seinerzeit auf "Hydra".
Bei nur drei Langspielplatten wäre eine etwas andere Songauswahl durchaus möglich gewesen, beispielsweise könnte man grundsätzlich auf einen weiteren Rattlesnake Shake durchaus verzichten. Doch entgegen allen Befürchtungen groovt das Ding trotz Schlagzeugsolo anständig über geschlagene 12 Minuten und mit ein bisschen Hall auf dem Mikro bringt Wayne Bruce beinahe Arena-Atmosphäre zustande.
Zum Schluss noch das obligatorische Going Down. Klar, hat man schon deftiger gehört, allerdings viel zu oft miserabler. HYDRA spielen noch mal alle Stärken aus (Stichwort "screaming guitars") und landen mit ihrer Version im vorderen Mittelfeld, weit vor den meisten jungen Bands, die solche Gassenhauer heutzutage verbraten.
"Live - After All These Years" ist eine sympathische Amateuraufnahme einer ehemaligen Profiband mit großen Hoffnungen. Erst recht sympathisch wird die Chose durch die klare Einsicht der Protagonisten, dass mit ein paar Konzerten und einer CD "after all these years" niemals ein Comeback zustande kommen kann, sondern es sich um ein nettes Freizeitvergnügen handelte. Da steckten keine Ambitionen mehr dahinter, der Spaß stand im Vordergrund und das war es dann auch schon. Seither hat man von HYDRA nichts mehr gehört, vermutlich wird das auch so bleiben.
Neue Fans gewinnt man auf diese Weise selbstverständlich nicht mehr, aber für die alten ist diese Live-CD ein schönes Erinnerungsstück und der tönende Beweis, dass diese Band eine gute war. Aber keine von den ganz großen.
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