|
|
| Boys Town, Metal Heaven, 2009 |
| Andy Pierce |
Lead Vocals |
| Peter Espinoza |
Guitar |
| Dick Qwarfort |
Bass |
| Rikki Dahl |
Drums |
| Produziert von: Matti Engdahl & Andy Pierce |
Länge: 47 Min 08 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Rock Out | 7. 48 Hours |
| 2. Boys Town | 8. 7 Year Itch |
| 3. Method To My Madness | 9. Evil One |
| 4. Scar For Life | 10. It's Not Love |
| 5. Nite Like This | 11. Need The Nite |
| 6. Crashlanding | 12. It Ain't Easy |
 |
Huch, die schwedischen Zweitligisten aus der Haarsprayliga sind auferstanden. Na ja, richtig wundern braucht man sich nicht, schließlich kommen so gut wie alle irgendwann wieder aus ihren Höhlen, aber auf die NASTY IDOLS hätte wohl kaum mehr jemand gewettet. Zu erfolglos war ihre "große" Zeit, zu folgenlos blieben ihre Ergüsse aus den Jahren 1989 bis '93. All das großmäulige Geplapper und die angeblichen Exzesse haben nicht geholfen, die Band ging gnadenlos unter, schob das zwar auf den toten Onkel Kurt aus dem NIRVANA, vergaß aber, dass die echten Größen des Glam-Metal monströse Granaten am Start hatten, NASTY IDOLS hingegen war eine Nachgeburt, die zwar laut und bunt, aber unterm Strich trotz aller illegalen Substanzen zu substanzlos war. An CRÜE, TWISTED SISTER oder gar KISS und ALICE COOPER war seinerzeit von Oslo aus kein Herankommen. Selbst die Finnen HANOI ROCKS waren unerreichbar. Mangels Soloerfolg haben sich drei der vier Mitglieder von 1990, vorne dran natürlich Chef und Sänger Andy Pierce, vor ein paar Jahren wieder zusammengetan und nun endlich "Boys Town" fertig gestellt. Mal gucken, ob es diesmal klappt.
Mit mehr Klischee als der eröffnenden Polizeisirene könnte eine Glam-Platte nicht beginnen, die Riffs sind auch nicht origineller, das heulende Minimalsolo sowieso nicht. Ein musikalischer Kollateralschaden? Ach was, das macht Spaß und geht gut ins Bein. Freilich sind die Songs samt und sonders nicht fürs Musikkonservatorium geeignet, aber das ist nicht die Idee hinter solchen Bands. Wer ehrlich ist, muss doch zugeben, selbst schon mal eine gute Nummer zu POISON & Co. geschoben zu haben. Oh, Lapsus Linguae…
Das Rezept geht wenigstens bei den ersten drei Songs auf. Abmarsch-Krawall, simpler Hard Rock mit allen gängigen Poserverrenkungen, richtig gut gemacht. Andy Pierce klingt geil, hängt gar die meisten aktuellen Glam-Schreihälse locker ab, aber bei Scar For Life offenbart sich die Problematik dieser Musik: sobald ein Song nicht wirklich knackt oder die Hookline langweilig ist, sinkt der Partyfaktor gegen 0. Und bitte, wer will eine Ballade von solchen Typen? Nite Like This ist eine, und zwar die erwartet uninteressante. Normalerweise sollten Poserballaden seit Every Rose Has Its Thorn verboten sein. Unter diesem Aspekt kann man die Schlussnummer von "Boys Town" getrost vergessen.
Aber die NASTY IDOLS kriegen die Kurve und legen mit Crashlanding einen satten Riff-Brocken nach. Nur so funktioniert das. 7 Year Itch wäre ein hübsches Duett mit Suzi Quatro wert gewesen, prima Stampfer, und Evil One ballert tatsächlich ziemlich böse.
Man kann an "Boys Town" nicht viel herummeckern, 2/3 der zwölf Nummern gehen tadellos nach vorne, sind gut produziert und effektiv eingespielt. Die Enddreißiger mit den doofen Frisuren blamieren sich mit ihrem Comeback nicht, und das ist im Sleaze-Metal heutzutage mehr als man gemeinhin bekommt. Die Klassiker des Genres sind schon lange geschrieben, aber für 2009 brauchen NASTY IDOLS nicht viele Gegner fürchten.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|