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Nobodys Business

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Nobodys Business
Nobodys Business, Angel Air Records, 2007 (CBS, 1977/78)
Bobby Harrison Lead Vocals, Conga & Percussion
Joe Jammer Guitar & Vocals
Tony Stevens Bass & Vocals
Jerry Frank Drums, Percussion & Vocals
Produziert von: Bob Potter (CD); Sylvia Anderson (DVD) Länge: 47 Min 37 Sek (CD) & ca. 25 Min (DVD) Medium: CD & DVD
CD:
1. Bleed Me Dry8. White Boy Blue
2. Tell Me Your Love9. Doing The Best I Can
3. Losing You10. Nobody's Business
4. Cut In TwoBonus Track:
5. Living Up To Love11. Rainbow Bend
6. Looks Like I'm In Love12. Crucifer
7. Unsettled Dust13. Highway
DVD:
1. Bleed Me Dry4. Vision Of Eros
2. Tell Me Your Love5. Cut In Two
3. Losing You6. Living Up To Love

Es handelt sich bei dieser Band mit dem unscheinbaren Namen NOBODYS BUSINESS um eine uralte Kamelle. Und um die schönste Sensation der letzten vielen Monate. Der Jäger und Sammler im Musikfan bekommt endlich wieder wirklich wertigen Stoff zur Suchtbefriedigung, nicht irgendein aufgewärmtes Zeug aus dem Keller eines längst aufgelösten Studios, nein, diesmal eine LP, die vor 30 Jahren nur in Japan veröffentlicht wurde. Und in Deutschland so gründlich totgeschwiegen wurde, dass in keiner einzigen Musikzeitschrift darüber auch nur ein einziges Wort verloren wurde. Stundenlange Recherchen im hauseigenen Zeitungsarchiv belegen dies.
NOBODYS BUSINESS war eines der vielen Supergroup-Projekte dieser Jahre, das von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Erstens waren zwar die Herkunfts-Bands der Mitglieder groß bis sehr groß, die beteiligten Musiker allerdings alles andere als Superstars, und zweitens stand diese Musik 1977 im Generalverdacht des Dinosaurier-Rock. Wer sich damals keine Sicherheitsnadel durch die Backe stach und nicht wenigstens einer Plattenfirma in die Lobby pisste, hatte per se keine Chance. Davon abgesehen war großer Stadionrock in Europa auch im golden olden age of Rock & Roll bis auf wenige Ausnahmen kommerziell nie der Bringer, also warum hätte sich die CBS die Mühe einer weltweiten Veröffentlichung machen sollen (auch für die USA hätte es nicht gelohnt, die Platte wurde in Nizza von Europäern aufgenommen, nur Gitarrist ist in Amerika geboren). Wer war also dabei.
Bobby Harrison als Sänger. Der trommelte mal bei PROCOL HARUM, sang danach bei den interessanten aber leider nie völlig überzeugenden SNAFU und trat nach NOBODYS BUSINESS eigentlich nie mehr in ein helleres Rampenlicht. Heute lebt der ältere Herr als gläubiger Christenmensch in England und macht entsprechende Kirchenmusik.
Joe Jammer on Guitar. Ein beliebter Funk-Rocker dieser Zeit, halbwegs bekannt durch die Band STEALERS WHEEL um Gerry Rafferty und danach bei den leider völlig unterbewerteten OLYMPIC RUNNERS. Okay, da war viel schlimm seichtes Zeug dabei, aber die Highlights dieser Band konnten locker mit amerikanischen Funk/Soul/R&B-Größen mithalten und wenigstens das 74er Debut "Put Your Money Where Your Mouth" ist bis heute eine intensive Suche wert. Auch der Mann mit dem tollen Namen hatte nach NOBODYS BUSINESS keine nennenswerten Auftritte mehr, ist aber bis heute aktiv.
Über den Schlagzeuger Jerry Frank lassen sich relativ wenige Informationen finden. In den Siebzigern war er ein gefragter Trommler bei Tourneen und diversen Studiojobs, danach verlieren sich seine Wege mehr oder weniger, jedoch stand er für John O'Regans phantastische Liner-Notes bei dieser Wiederveröffentlichung für Fragen zur Verfügung.
Der insgesamt augenfälligste Name dieser "Supergroup" ist Tony Stevens. SAVOY BROWN, FOGHAT, die leider vergessenen ROCK FOLLIES, die leider ignorierten MIDNIGHT FLYER mit der grandiosen Maggie Bell (STONE THE CROWS), Roger Chapman (1984, also bereits nach der SHORTLIST) und letztlich wieder FOGHAT waren seine wichtigsten Stationen. Und genau nach denen klingen NOBODYS BUSINESS am allermeisten, obwohl Stevens' songwriterischer Input eher marginal war.
Tony Stevens entpuppt sich übrigens gerade als komplett reaktionäres Rindvieh und unterstützt im Namen seiner Coverband SLOW RIDE eine unsägliche Organisation namens U.S. VET AID, Inc. Für einen gebürtigen Engländer ist das mehr als abgefahren. Vielleicht ist dieses Idiotendenken auch mit ein Grund dafür, dass Stevens bei FOGHAT raus ist und sich in seiner persönlichen Biographie darüber eher verbittert äußert. Ganz ehrlich: Roger Earl blieb wohl gar nichts anderes übrig, als so einen alten Narren umgehend zu entsorgen. Bei FOGHAT ist inzwischen wieder Craig MacGregor am Bass, wie von 1976 ("Night Shift") bis 1981 ("Girls To Chat & Boys To Bounce"), und damit sind hoffentlich alle Fragen nach Unterstützung der fuckin' U.S.-Truppen im Irak und allen sonstigen Kriegen erledigt. Nun zur Musik von NOBODYS BUSINESS.

Bobby Harrison lieferte einen bewundernswerten Job als Shouter ab. Er ging zwar zum Aufnahmezeitpunkt dieser LP bereits stramm auf die 40 zu, sah aber umwerfend aus. Lange Haare, Schnäuzer (das ging da noch ungestraft durch und war cool), offene Hemden, Rocker to the bone einfach. Natürlich konnte er nicht mit einem 'Lonesome' Dave Peverett konkurrieren, aber das hat er auch trotz gewisser Ähnlichkeiten im Stimmklang gar nicht erst versucht. Er gab einfach den Sänger, der mühelos jedes Footballstadion auch ohne Mikro beschallen könnte, ohne jemals den funky Groove zu verlieren. Große "Headlines", große Refrains ("why don't you tell me that you love me baby" oder "looks like I'm in lo-ho-ho-ve" rocken mit solch einer Band einfach köstlich), bis auf eine fürchterliche Ballade keine Schleimereien. Großes Seventies-Theater.
Genauso überwältigend trat Joe Jammer in den Ring. Fette Gitarren allerorten, grandiose Verbindung von Funk, Hard Rock und Boogie, jedes Hallendach hebende Soli, tonnenschweres Riffing, wunderschöne Exkursionen in spätpsychedelische Gefilde, bei Bedarf böse Slide-Töne. Ebenfalls ganz großes Hollywood.
Den endgültigen Drive verliehen den Songs allerdings Stevens und Frank als Rhythmusabteilung. Verschärft ist untertrieben, denn was die beiden über die gesamte LP (die CD hat drei Bonus Tracks) trieben, ist ohne weiteres mit Stevens/Earle bei FOGHAT zu vergleichen. In der Kombination mit den beiden eher vom Funk kommenden Frontmännern ergab das eine dermaßen explodierende Mischung, dass bei entsprechender Promotiontätigkeit vergleichbare Jahrgänge wie REO SPEEDWAGON, Sammy Hagar, sogar FOGHAT höchstselbst in Bedrängnis hätten kommen können. NOBODYS BUSINESS waren sozusagen die Hardrock'n'Boogie-Version von Edgar Winter, der bekanntlich den Funk beherrschte wie kaum ein anderer Albino, ahm, Weißer.
Stevens war bei vier Songs (inkl. Bonus Tracks) als Co-Autor beteiligt. Wie die klingen, muss man eigentlich nicht extra erwähnen. Dennoch: Eine Stampede wildgewordener Wasserbüffel ist dagegen vergleichsweise harmlos. Aber wer hat schon Wasserbüffel zuhause. Als Kritiker rettet man sich einfach manchmal ins Reich der allerblödesten Vergleiche. Es sind schlicht gewaltige Rocker, die jeden Foghead glücklich machen. Harrison schreit dazu unvergleichlich.
Bis auf die besagte Ballade des Grauens (Losing You) geht die gesamte CD ausschließlich straight nach vorne los. Ein Highlight für alle in den späten Siebzigern verhaftete Rocker und Roller mit Hang zu Mucho-Macho-Funk-Boogie der Extraklasse.

Als Zugabe gibt es eine DVD mit sechs Songs, die seinerzeit als Promovideos aufgenommen wurden. Der Sound ist grade noch okay, die Klamotten ausgesprochen witzig, das Acting "interessant", die Bildregie fehlerhaft. Harrison kaut Gummi bis zum Exzess, Stevens zeigt sich maximal abgewichst, Jammer gibt alles und war der Band mit seinem unfassbaren Space-Outfit optisch Jahre voraus. Bis heute macht er neben betulichem Blues auch experimentelle Musik, die gerne nach (gutem!) 80ies-Wave klingt und manchmal an die TALKING HEADS oder gar Brian Eno erinnert. Und es gibt ein vergnügliches Video namens Halloween Forever! hier bei YouTube.

30 Jahre konnte man ohne diese Schallplatte leben, klar, niemand kannte sie (außer wahrscheinlich unser Redaktionsgedächtnis Joachim). Jetzt muss man sie als Hardrocker besagter Provenienz haben. Absolut unabdingbar.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.06.2007

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