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Kharma Baby

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Kharma Baby
Kharma Baby, FAP Records, 2008
Floor Kraaijvanger Vocals, Percussion
Frank van der Wiel Guitars
Rob van den Broek Bass
Thomas Calis Drums
Gäste:
Mike Roelofs Keyboards
Karl Adams Backing Vocals
Rob Lamothe Vocals (You're So Cold & Miss You)
Produziert von: Mike Donkers & Superfloor Länge: 47 Min 25 Sek Medium: CD
1. No Good For Me7. Soul On Fire
2. Kharma Baby8. You Talk Too Much
3. Get Out Of Here9. Lose My Cool
4. You're So Cold10. I Wanna Rock With You
5. Been Down11. Miss You
6. Led Me

Ah, ist schon wieder Rockpalast?
Ladies and Gentlemen, please welcome from Funk Rock Arnhem (nun ja, Georgia klingt irgendwie… glamouröser): Floor Kraaijvanger & SUPERFLOOR!
Jetzt bitte keine Diskussion, diese Florence Kraaijvanger ist seit MOTHER'S FINESTs Joyce Kennedy und der frühen Chaka Khan die erste und größte Hoffnung auf den Funk-Rock-Thron, und zwar trotzdem sie auffällig blond ist. Wir nennen sie ab jetzt Baby Floor.

"Kharma Baby" ist das erste richtige Album dieser holländischen Band SUPERFLOOR, die nicht umsonst den Vornamen der Sängerin glorifiziert. Es ist in der Tat so, dass es seit Unzeiten kein so drastisch rockendes Album aus der Abteilung "Funk, Soul, Hard Rock" mehr gegeben hat, schon gar nicht mit einer solchen Frau am Mikrophon. Da können die drei Männer um die Göttin tun was sie wollen, sogar manchmal nach den BLACK CROWES und Verwandten oder einem guten halben Dutzend Helden aus den Siebzigern klingen (die Basslinie in Been Down ist aber so was von THIN LIZZY), am Schluss bleibt wenig mehr als diese sagenhafte Stimme übrig.
Hoffentlich hat keiner der Herren ein übergroßes Ego. Das wäre fatal, weil sich ganz grundsätzlich jeder Instrumentalist einem solchen Gesangstalent unterordnen MUSS, egal was er kann oder will. Auf "Kharma Baby" funktioniert die Devotion der Männer, sogar ein Klassesänger wie Rob Lamothe fällt nicht weiter und schon gar nicht negativ auf.

Oben steht: "… am Schluss bleibt wenig mehr als diese sagenhafte Stimme übrig". Das ist der einzige - völlig subjektive - Kritikpunkt an "Kharma Baby", und er lässt sich nicht wirklich real begründen. Die Band rockt, Floor treibt einen mit ihrer irren Stimme zur finalen Ekstase, zwischendurch gibt es herrliche Hammonds, der Gitarrist Frank van der Wiel lässt es genau an den richtigen Stellen heulen/krachen/sliden, die Produktion ist für heutige Verhältnisse mehr als angenehm, trotzdem hat man auch beim zigsten Durchlauf den Eindruck, dass hier eine Solokünstlerin am Werk ist. Ehrlich!, das ist unbegründet, SUPERFLOOR sind eine Band und sie treten auch so auf, aber die Stimme ist übermächtig. Was für ein Luxusproblem.
Da kann der Bassist Rob van den Broek im eröffnenden No Good For Me Tieftonschlamm aufwirbeln wie er will, das Lesliehorn im Titelsong rotieren bis es schwarz wird, die spektakulären Akzente setzt Baby Floor. Erst bei der Ballade So Cold nimmt man die Band wahr, obwohl das fürchterlich ungerecht ist, denn die Jungs geben nicht nur alles, sie sind auch gut.
Ein solches Missverhältnis zwischen Istzustand und Wahrnehmung ist selten, möglicherweise waren BIG BROTHER & THE HOLDING CO. das letzte "Opfer" dieser Art, obwohl die ihrer Chefin tatsächlich nicht standhalten konnten.

Wie gesagt, echte Kritik kann man an "Kharma Baby" nicht üben, höchstens anmerken, dass nicht alle 11 Titel vor Spannung bersten, vielleicht zwei mal schleicht sich leichte Langeweile ein, ansonsten bekommt man Soul und Classic Rock der Sonderklasse geboten. Van der Wiel wechselt an der Gitarre immer wieder zwischen SRV-ähnlichen Tönen und Hard-Rock-Brett, van den Broek spielt mit seinem Bass nicht nur mit, er gibt den Weg auch gerne vor, und wenn Floor I Wanna Rock With You singt, geht man ohnehin auf die Knie und weint vor Freude.
Man hört, dass Tina Turner wieder auf Tour gehen will. Vielleicht schickt ihr jemand diese CD ins Altersheim, dann weiß sie, dass es nicht mehr nötig ist - die Enkelin erledigt den Job viel besser als Oma.

P.S.: Eine Ballade des Jahres gibt es auch noch. Allerdings sollte man keinen Liebeskummer haben, wenn man sich Miss You ausliefert. Dann wechselt die Stimmung nämlich von traumschön in herzzerreißend.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.05.2008

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