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Hardpop

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All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
Hardpop
Hardpop, Modern Noise/Dead Frog Music, 2006/2007
Andy Callahan Vocals
Anna Callahan Keyboards
Fred Callahan Drums
Fritz Callahan Guitar
Jonas Callahan Bass
Gast:
Mikelis Lapsa Keyboards (If The World's So Small & Server X)
Produziert von: Anders Alexander Länge: 42 Min 31 Sek Medium: CD
1. Baby I Miss You7. Shooting Star
2. Melody That Counts8. If The World's So Small
3. Mayday9. It's Worse To Die
4. The Saints10. Server X
5. Ordinary11. Make It Alright
6. Dirty Little Angel12. The Callahan Anthem

Längst hätten wir im Home of Rock ein Zeter und Mordio schreiendes Editorial zu den Themen G8, Klimawandel und Brot für die Welt schreiben müssen. Falsch. Längst hätte ich höchstpersönlich das tun müssen. Ich hätte meiner Entrüstung Luft machen müssen, meine Abscheu in drastischen Worten herausblaffen.
Warum ist das nicht passiert? Doch etwa nicht, weil wir nur ein zwar ziemlich viel gelesenes aber doch eben Musikmagazin sind? Papperlapapp. Als ob uns jemals ausschließlich Musik interessiert hätte. Wir haben mehr Wackersdorf/Startbahn-West/Brockdorf-Einsätze hinter uns, als die Weltenretter Bono Vox und Sting je Litaneien gepredigt haben. Leute, wir haben Franz Josef Strauß und die Pershing Raketen schon gestoppt, da lief das Merkel noch im blauen Hemd der FDJ durch die Uckermark. Vom letztendlich durchschlagend erfolgreichen Widerstand gegen Kohl, Thyssen und den Kapitalismus allgemein ganz abgesehen.
Warum also ist nichts geschehen auf unseren rosaroten Seiten, derweil sich zehntausende Aktivisten aufmachen zum großen Zaun um Heiligendamm? Vielleicht weil wir die Hosen voll haben vor lauter Angst, dass uns der fiesäugige Rollstuhlfahrer heimlich die Festplatten ausspioniert und die Telefone abhört? Pffft. Will jemand vom BND ne Geruchsprobe? Es gab Linseneintopf!
Nein, der Grund ist viel banaler: Es hat keinen Sinn. Gar keinen. Null. Was das verbrecherische Pack der "Gruppe der Acht" mitsamt seinen Schergen auch immer beschließen mag, es wird im Sinne der Macht sein, niemals und nicht die Bohne/Linse im Sinne der Weltbevölkerung, nicht in Deinem oder meinem, einzig im Sinn der global vernetzten Bestimmer unseres weiteren Untergangs. So einfach ist das.
Beschäftigen wir uns also mit dem was wir können und mit dem wir manchmal sogar bei dem ein oder anderen Global Player Eindruck hinterlassen, mit Musik. In diesem Fall mit wunderbarer, himmelblauer, konsensfähiger Popmusik aus Schweden. Keine Probleme, kein Dissens, bei THE CALLAHAN ist die Welt in Ordnung. Und somit bei uns auch. Alle Hände in die Höhe und ab auf die Tanzfläche.

In der Tat, was der Fünfer in eineinhalb Jahren Aufnahmezeit zustande gebracht hat, macht Lust auf eine chillige Stunde im Tanzlokal deines Vertrauens. Hey, das ist frischer und fetziger Pop-Rock, wie man ihn noch nie gehört hat. Wenn man die letzten 35 Jahre in einer Höhle gelebt hat.
Sieht der Sänger aus wie ein modisch-punkiger Neffe von Brian Ferry und Iggy Pop, klingt die Musik wie ein vollgesaugter Schwamm - respektive wie ein gut gefüllter iPod. Irgendwie kriegt man von THE CLASH über die KINKS zu Bowie, BLONDIE, U2 und sämtlichen Brit-Poppern der letzten eineinhalb Dekaden alles und jeden irgendwann in den Sinn, während man entspannt und bestens gelaunt "Hardpop" gerne drei- und viermal hört.

Dass alle fünf Bandmitglieder mit Nachname Callahan heißen. bitte, ist halt jugendliche Albernheit. Dass ungefähr jede Melodie irgendwo entliehen ist. tja, damit muss man leben, schließlich wird auch jeder Fallrückzieher an dem von Klaus Fischer aus dem Jahr 1977 gemessen. Der hat damit das "Tor des Jahrhunderts" geschossen, die Platte des neuen Jahrhunderts können THE CALLAHAN mit "Hardpop" natürlich nicht gemacht haben. Aber eine unterhaltsame. Sehr sogar.
Trotz der verdächtig langen Produktionszeit hat sich die Band eine angenehme Alternativ-Attitüde erhalten - Vorsicht! kein Emo, kein Punk, just Pop'n'Rock - und rasselt sich stets eingängig durch die 11 (normalen) Nummern. Der keltische Folk The Callahan Anthem macht das Dutzend voll, ist aber eher ein vergnügliches Ablenkungsmanöver.
Ansonsten dominieren die Gitarren, gerne auch im klassischen Stakkato-Rhythmus diverser Früh-Briten (kann sich irgendwer noch an THE MIGHTY MIGHTY BOSSTONES erinnern?), beziehungsweise die überaus flexiblen Keyboards. Da ist nun wirklich jeder denkbare Quietsche- und Schwabberton aus dem Soundarchiv zu hören. Witzig und sehr ohrwurmtauglich. Dazu noch eine potentielle Hitsingle wie Dirty Little Angel (gesanglich ein Bastard aus Ray Davies, Brian Ferry und David Bowie), schwupp ist ein absolut generationenübergreifendes Album fertig.

Lässige Scheibe. Engländer kriegen so was gar nicht mehr hin, THE CALLAHAN müssen Schweden sein. Und wir ballen jetzt ein bisschen unsere Fäustchen in Richtung Putin, Bush & Konsorten.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 02.06.2007

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