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Soulcatcher
Soulcatcher, Limited Access Records, 2008
Korry Schadwell Vocals
Alex "Thunder" Martin Guitar
Christian J. Rüther Bass
Daniel Kahn Drums & Percussion
Produziert von: The Mystery & Tarek Maghary Länge: 56 Min 24 Sek Medium: CD
1. Ascending Souls9. Heaven At War
2. Take Me To The Light10. World Downfall
3. Judas Betrayed11. Coming Home
4. The Catchers Prelude12. Fire Keeps On Burning
5. Soulcatcher13. Faithless
6. Turn Into Stone14. Angel
7. My Heart Lies Bleeding15. Unready To Die
8. Suicidal Thoughts

Heavy Metal mit einer Frau am Gesang. Klappe zu, Affe tot, alles klar, die nächste notorisch heulende Elfe geht uns mitsamt ihrer nach Disneyland klingenden Retortenband auf die Nerven.
Entschuldigung, Frau Schadwell, Sie waren nicht gemeint, es liegt ein Irrtum unserseits vor, THE MYSTERY haben nichts mit Nimmerland und Kummersound zu tun, die CD "Soulcatcher" ist tatsächlich richtiger Heavyrock - und die blonde Sängerin mit der eindrucksvollen Mähne klingt mehr nach einem leckeren Feierabendbier als nach verhuschter Hohes-C-Primadonna. Doch, diese Frau legt die herausgesprungene Kette an ihrem Fahrrad eigenhändig und ohne ADAC-Pannenhilfe wieder auf und knurrt dazu ein paar derbe Sprüche wegen den öligen Fingern. Wetten?

THE MYSTERY aus Nordrhein-Westfalen gibt es bereits 12 Jahre, es entstanden ein paar Demos, ein Debut von 2005 und derweil wurden drei Sängerinnen sowie diverse Schlagzeuger und Bassisten verschlissen. Chef ist eindeutig Gitarrist und Songschreiber Alex "Thunder" Martin, allerdings sieht er lange nicht so gut aus wie seine Frontfrau.
Ums vorweg zu sagen: "Soulcatcher" ist schon beinahe reaktionär altmodischer Melodic Metal, den man heutzutage nur noch machen darf, wenn man annähernd die Qualität von "Force Majeure" erreicht - was bekanntlich Frau Pesch selbst aufgrund diverser Kehrtwendungen und Irrungen nicht mehr gelungen ist. Klar, auch THE MYSTERY kommen nicht an Doros Meisterwerk heran, aber wenigstens WARLOCKs "Triumph And Agony" von 1987 sollte getoppt werden. Und damit sind die ungefähren Anhaltspunkte für diese CD genannt, viel mehr braucht es im Grunde auch nicht, außer natürlich guten Songs, sonst klingt diese (und jede andere) Art von Musik im Jahr 2008 schlichtweg öde.
Das Volk darf aber beruhigt sein, "Soulcatcher" ist kompositorisch, handwerklich und produktionstechnisch einwandfrei gelungen. Bis auf ein, zwei Längen im Mittelteil bekommen wir fast eine ganze Stunde unterhaltsamen Metal geboten.

Korry Schadwell kreischt und brüllt nicht und singt kein einziges zickiges Uhuhu zu viel, obwohl etliche Songs durchaus so angelegt sind, das die üblichen Verdächtigen aus den skandinavischen Melodic-Werkstätten ganz üble Schmachtfetzen daraus machen könnten. THE MYSTERY bleiben löblicherweise durchgehend straight und verzichten auf Keyboards, Pomp, Pathos und sonstige Circumstances. Auch auf das Getöse aus der Power-Metal-Ecke wartet man vergebens, THE MYSTERY machen einfach lässige Hartwurstmucke ohne Firlefanz - und klingen dabei nur bedingt teutonisch. ZED YAGO waren da zu Zeiten von Jutta Weinhold wesentlich penetranter.
Auch wenn es paradox klingt, "Soulcatcher" ist zwischen all den aufgeblasenen Metal-Produkten der Neuzeit eine erfrischende Rückkehr zu den wenigen guten Momenten der Achtziger. Ein Dank geht an Alex Martin, der mit Guitarhero-Exzessen nichts am Hut hat und lieber fette Riffs und gezielte Soli verbrät. Kein Zweifel, das hat man alles schon gehört, diesmal kommt es aber in glaubhafter Form und von einer richtigen Band, die ihre Instrumente beherrscht.
Besonders erwähnenswert ist die Produktion. So organisch und dadurch authentisch hört man Melodic Metal, speziell aus dem Indie-Bereich, selten. Der Unterschreibende wettert gerne gegen moderne Produktionsmethoden und den oftmals daraus resultierenden Lärm-Overkill, hier klingt sogar die heftigste Double-Bass noch menschlich.
Und letztlich noch ein Wort zu den - wenigen - leisen Tönen: Schön sind sie. Auch wenn die einleitende Gitarrenmelodie in Unready To Die von RAINBOWs Catch The Rainbow geklaut ist.

Knackig, sympathisch, echt, sexy. THE MYSTERY erklimmen mit ihrer Art von Retromusik direkt die Spitze eines kaum mehr existenten Genres. Mehr von so was, dann machen die dumm- und spätgeborenen Manager der Industrie daraus einen Hype. Oder betört nur die Stimme von Korry so, dass der Kritiker Pfauenräder schlägt?

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 18.05.2008

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