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The Reverend Peyton's Big Damn Band

The Whole Fam Damnily

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The Whole Fam Damnily
The Whole Fam Damnily, SideOneDummy Records, 2009
Rev. Peyton Guitar, Vocals
Washboard Breezy Peyton Washboard, Percussion, Backing Vocals
Jayme Peyton Drums, Bucket, Percussion, Backing Vocals
Produziert von: Paul Mathern & The Rev. Peyton Länge: 39 Min 36 Sek Medium: CD
1. Can't Pay The Bill8. Them Old Days Are Gone
2. Mama's Fried Potatoes9. Wal-Mart Killed The Country Store
3. Worn Out Shoe10. I'd Love You Baby
4. DT's Or The Devil11. Why Is Everybody Getting Paid But Me
5. Your Cousin's On Cops12. What's Mine Is Yours
6. John Hughes13. Persimmon Song
7. The Creeks Are All Bad

Die Unterschicht schlägt zurück! Nach endlosen Jahren Missmanagement des Regimes um George W. musste es ja soweit kommen...
Reverend Peyton hat seine alte abgewrackte Dobro genommen und ist mit seiner Familie (Mrs. Peyton am Waschbrett und Bruder Jayme am Schlagzeug) von seiner Farm in Indiana aufgebrochen, um der Welt da draußen zu sagen, was wirklich los ist in Amerika - und von den Gagen der Konzerte nebenbei noch ein paar längst überfällige Rechnungen zu bezahlen.
Und es scheint so, als ob das Konzept der Familienband aufzugehen scheint. Nicht nur, dass ihr Underschicht-Country-Speed-Punk-Blues, oder "Country Blues on crack", wie es ein Fan mal bezeichnend titulierte, sie inzwischen zum Geheimtipp auf diversen Festivals quer durch die Staaten werden ließ - auch Europa erobern sie derzeit im Sturm.
In ihrer Kirche haben sie das raue, oldstyle-klingende Album "The Whole Fam Damnily" aufgenommen und es inzwischen erfolgreich auf ihren Konzerten verkloppt - mit einem netten kleinen Vertriebsdeal ist es auch zu uns über den Teich geflattert und steht rechtzeitig zur Tour bereit.

Beim ersten Hören schleicht sich der Eindruck ins Bewusstsein, dass es im Grunde nur eine etwas abgedrehte Unterhaltung ist, was das Trio uns präsentiert: Eine wilde Mischung aus Delta-Country-Outlaw-Blues, gespielt in einer irrwitzigen Geschwindigkeit, die manche Speedfolk- oder Punk-Band erbleichen lässt. Und die Konzertmitschnitte auf U-Tube verstärken diesen Eindruck: glückliche, abtanzende Leute mit Biergläsern in der Hand. Doch ein Reverend wäre kein echter Reverend, wenn er nicht auch noch eine Message parat hätte. Und so präsentieren sich die scheinbar harmlosen Songs als knallharte Abrechnung mit den Umständen, die gerade den kleinen Leuten das Leben so schwer machen.
I Can't Pay The Bill ist der Einstieg in diese kleine Songreise durch den Alltag der Unterschicht, die sich trotz allem an Mama's Fried Potatoes ergötzen kann, weiter die Worn Out Shoes trägt und sich klar darüber sein sollte, dass "Whiskey und Wodka nicht das richtige Frühstück sind..." (DT's Or The Devil). Auch die Verwandten kennen den üblichen Alltagsstress (Your Cousin's On Cops), treffen zerbrochene Vietnam-Veteranen (John Hughes), haben keinen Spaß mehr am Angeln, weil die Gewässer verschmutzt sind (The Creeks Are All Bad) und sehnen sich nach alten Zeiten (Them Old Days Are Gone), als der kleine Laden nebenan noch nicht vom Super-Discounter platt gemacht wurde (Wal-Mart Killed The Country Store). Die schlechten Zeiten lassen einen zusammenrücken, so folgt nach dem Love-Song I'd Love You Baby, die Feststellung, dass der kleine Mann eh immer die Zeche zahlt (Why Is Everybody Getting Paid By Me). Man freut sich an dem bisschen, was einem bleibt (What's Mine Is Yours) und lässt sich von niemand seine Lieblingsspeise nehmen (Persimmon Song - das Rezept dieser virginiaschen Dattelpflaumen-Nachspeise ist übrigens im Booklet abgedruckt).

Musikalisch gesehen hat Mr. Peyton tatsächlich mehr drauf, als der erste Anschein vermuten lässt. Neben wilden Bottleneck-Slides werden seine Songs von prägnantem Melodiespiel getragen und die paar ruhigen Songs des Albums offenbaren eine alte Folksinger-Tradition im Hause Peyton. Und das ist wohl das Geheimnis der Band: Familie Peyton kommt so ehrlich, liebenswürdig, zugegeben etwas rau, etwas schräg daher, dass sie die Herzen ihres Publikums erreicht. Und das wird bei ihren Konzerten nicht nur unterhalten, sondern bekommt in den Lyrics sozusagen noch eine Predigt des Reverends mit.
Bekanntlich lässt sich die Wahrheit ja besser ertragen, wenn sie in ein schönes Gewand gekleidet ist. Die Klamotten von THE REVEREND PEYTON'S BIG DAMN BAND sind zwar abgewrackt, aber jede Narbe, jeder Schweißtropfen offenbart eine tiefe Liebe zur Musik und zu den Menschen, für die sie spielen.

Volker Gruch, (Artikelliste), 01.05.2009

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