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| Trucker Mouth, Eigenvertrieb, 2008 |
| Tim Atkins |
Vocals, Guitar |
| Chad Raleigh |
Guitar |
| Steve Sofronas |
Bass |
| Patrick Barrett |
Drums |
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Länge: 59 Min 37 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Black Cat | 7. For The Take |
| 2. Nothing To Hide | 8. Sugar Brown |
| 3. Likeness | 9. Wasted Mind |
| 4. Love & A Shotgun | 10. Simple Things |
| 5. Take Me Home | 11. Lithography |
| 6. Jimmy Lee | 12. Degenerate Friend |
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Es gibt keinen Grund zum jammern, die jungen Bands kommen im Dutzend und machen die Alten vergessen. Na ja, vielleicht nicht ganz vergessen, aber auf jeden Fall machen viele junge Kerle heute wieder Musik, die wir alten Säcke mit ganz anderen Namen als TRUCKER MOUTH assoziieren. TRUCKER MOUTH aus Boston kennen wir nämlich bis dato noch gar nicht. Die gibt es seit 2006, wahnsinnig viele Konzerte hat die Band noch nicht gespielt, aber ein verblüffendes Debütalbum vorgelegt. Ebenso verblüffend ist die Tatsache, dass inzwischen viele, wirklich sehr viele Bands die BLACK CROWES in ihre Vorbildliste aufgenommen haben. Es war doch eben erst vor ein paar Tagen, als die Krähen dem Rock & Roll neues Leben eingehaucht haben. Oder? Und sind sie nicht längst wieder unwichtig mit ihrem Jam-Zeugs, den sie heute spielen?
Nein, sind sie nicht. In den letzten zwei, drei, vier Jahren hatten wir gut zwei handvoll Kapellen, die sich auf die CROWES beziehen. Höchstens drei davon waren interessiert am frühen Sound der seltsamen Robinson-Brüder, alle anderen orientieren sich an den Jam-Crowes. TRUCKER MOUTH können beides: Jam und Rock & Roll! Nachdenklich macht nur, dass TRUCKER MOUTH a.) bei so genannten "Black Crowes Cover Up"-Shows mitwirken und b.) es derlei überhaupt gibt. Liebe zu einem Vorbild hin oder her, förderlich für die eigene Entwicklung sind solche "Amerika sucht die neue Superkrähe"-Events nicht. Dringender Rat an alle Bands: Überdenkt solche Geschichten sehr konzentriert!
Auf der CD kann uns derlei Klon-Gehabe egal sein, es werden schließlich eigene Lieder gespielt und außerdem brummt das Ergebnis ganz famos.
"Trucker Mouth", das Album mit dem in Europa so provozierend wie ein toter Fisch wirkenden Cover (ein richtiges Weib wie Marilyn Monroe wäre deutlich wirkungsvoller als das doch sehr dünne blonde Mädel gewesen), legt prächtig los. Slide, Stomp, Groove, Funk, ja, das ist prima, da passt wirklich alles, es wird hochklassig gerockt. Das Spiel zwischen Lead- und Rhythmusgitarre plus angemessen rauchigem Gesang ist hervorragend. Das Solo kommt süffig und mit viel Respekt vor den ganz Alten. Keef und Woodie sind im Jahr 2009 nicht mehr nötig, Typen wie Tim Atkins und Chad Raleigh (und all die anderen bei uns schon beschriebenen) haben die ollen Riffs, Licks und Rhythmustricks ganz genauso drauf, noch dazu ohne Gichtfinger.
Von Anfang an fällt das starke Schlagzeugspiel auf. Patrick Barrett scheint einer jener Groove-Könner zu sein, die viel Zeit in der Percussionschule verbracht haben. So einen hört man im Mix auch gerne noch etwas weiter vorne, aber das sind Marginalien. Wichtiger sind die schönen zweistimmigen Gitarrenlinien in Nothing To Hide, bei denen echtes Südstaatenfeeling aufkommt. Bis hierhin ist die Sache zwar entspannt, aber deftig rockend und nur ein klein bisschen im Jam-Bereich angesiedelt. Die Slide kommt übrigens deutlich weniger schulmeisterlich als die von Luther Dickinson zuletzt bei den CROWES. Sehr angenehm, wenn man eine Slidegitarre ohne Doktortitel, dafür mit Verve gespielt hört.
Noch angenehmer, wenn so mit Melodie gespickte Nummern wie Take Me Home zum Vortrag kommen. Klar, auch das hatten wir alles schon früher, aber solche Dinger werden den Rock'n'Roller immer begeistern. Natürlich könnten TRUCKER MOUTH noch ein wenig an dem einen oder anderen Arrangement feilen, allerdings sprechen wir hier von einer blutjungen Band, die ihren Erstling veröffentlicht hat, nicht von Routiniers, die irgendwann mal das Händchen für Ohrwürmer hatten und heute vor lauter Hybris kein vernünftiges Riff mehr spielen können. Das vom flotten Rocker Jimmy Lee könnte gut und gerne auch von Dan Baird sein. Aber der ist alt.
Verschiedentlich fällt im Gespräch über TRUCKER MOUTH auch der Vergleich zu den Schrabbel-Königen DRIVE-BY TRUCKERS. Und tatsächlich, in schwachen Momenten wie bei Simple Things passt der Vergleich - es sind nicht die Highlights der CD (außer man ist DBT-Fan). Überhaupt scheinen den Bostonern im letzten Drittel der CD ein wenig die Ideen ausgegangen zu sein, der Pfiff der ersten Songs ist irgendwie weg, man flüchtet sich in mehr oder minder gelungene Jam-Übungen. Um ehrlich zu sein, WIDESPREAD PANIC können das besser. Aber die sind ja auch schon alt.
Also, diese erste CD ist ohne wesentliche Nörgelpunkte gelungen und macht Appetit auf mehr. Ein bisschen mehr Distanz zu den Vorbildern wäre wünschenswert, allerdings nur was das Auftreten betrifft (will sagen: werdet keine Coverband!), musikalisch sollen die Ostküstler ruhig weiterhin zwitschern wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. TRUCKER MOUTH ist eine Option auf die Zukunft und locker gut genug für einen Sofortkauf.
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