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Freeride
Freeride, ESP/Turicaphon, 2007
Denise "Deux" Pfyl Vocals
Michael "iivel" Buchser Guitar
Baet "Blue Beat" Hüppin Bass
Pietro "Tempomat" Angeloni Drums
Gäste:
Mat Flügi Organ-Donor (One Night Rock Fight)
Marianne Choir (Wanna Have Fun)
Produziert von: Michael "iivel" Buchser Länge: 43 Min 14 Sek Medium: CD
1. The Man7. I Like Rock
2. Wanna Have Fun8. I.O.U.
3. Hide9. Masquerade
4. Rose Garden10. NME
5. Fallin'11. One Night Rock Fight
6. Fear The Dark11. Take Some More

Das wäre beinahe schief gegangen. Platte beim Abendessen quergehört und als viel zu leichtgewichtig befunden. Zwei Wochen später ein neuer Versuch, diesmal konzentriert zum Bier, prompt rockt das Ding. Fazit: "Freeride" ist eine Party-CD, keinesfalls große Kunst oder Dinnermusic.
Der Name TUMBLIN DICE ist sicher nicht der großartigste unter der Sonne, mancher ältere Fan wird die Band ungehört ins Plagiatekörbchen werfen, der CD-Titel "Freeride" strahlt ebenfalls nicht unbedingt Experimentierfreude aus, das Cover ist trotz dem witzigen Mann aus der Kanone nicht kunstpreisverdächtig, kackbraun und elendiglich winzig mit den Texten bedruckt, der Wahlspruch "We rock your socks off" ist so durchgekaut wie tausendfach widerlegt. Außerdem: An Menschen ohne Socken denkt natürlich mal wieder niemand. Dazu kommt noch der Gesang. Was sich anfangs wie ein durchgeknalltes Glam-Punk Bürschchen aus der Crackszene vom Sunset Strip anhört, stellt sich bei genauerem Hinhören als Frau heraus. Passenderweise heißt der Opener The Man. Hust. Irgendwie hat man den Eindruck, die Schweizer legen sich selbst ein paar Felsbrocken in den Weg. Hoffentlich nehmen sich die einschlägigen Kritikerkollegen für die Scheibe ein wenig mehr Zeit als die branchenüblichen 35 Minuten, sonst gibt das Haue für TUMBLIN DICE.

Fangen wir anders an. Im Vergleich zum 2003er Erstling "Decision" (kann man sich auf der Homepage komplett anhören) haben T.D. gewaltig zugelegt. Songwriting, Attitüde, Abrockfaktor, alles um mehrere Stufen verbessert. Sogar die Vorbilder sind inzwischen deutlicher herausgearbeitet. Nennenswert wären dabei die RAMONES, ca. ½ Dutzend Hairspray-Heroen, die vereinigte Sleaze-Gemeinde, das Classic-Rock-Lexikon und die RAMONES. I Wanna Have Fun hat nebenbei noch eine ausnehmend coole Gesangslinie - wenn man mit beispielsweise den DONNAS etwas anfangen kann. In Summe gibt es ein durchaus hörenswertes Mischverhältnis, auch wenn TUMBLIN DICE damit keinen Erfinderpreis gewinnen werden. Überdies sind tatsächlich ein, zwei Lückenfüller dabei, die den berühmten Weg rechts rein und links wieder raus nehmen.
Ist es bezeichnend, dass ausgerechnet ein uralter Schlager die beste Nummer auf der CD ist? Nein, es liegt einfach daran, dass Rose Garden schon von Joe South genial war und in der Hitversion von Lynn Anderson 1970/71 zum unsterblichen Klassiker wurde. Unsere Schweizer machen einen wunderhübschen Stomper draus, dankenswerterweise ohne den Charakter zu verändern und die naive Aussage zu veräppeln. Bei Dan Baird würde es wohl ähnlich klingen. Aber auf "Freeride" sind noch etliche andere Hochkaräter. Der erwähnte Opener The Man ist Stadionrock für kleinere Hallen, wie ihn beispielsweise SKEW SISKIN beherrschen, Fallin' eine kleine funky Hymne mit geil-schräg sägender Leadgitarre.
Funky ist insgesamt ein Stichwort. Was da an Rhythmusarbeit (guter Drummer) und Gitarrenschweinereien kommt, hat Klasse. Höre Masquerade!
Michael "iivel" Buchser scheint ein ziemlich ausgewachsenes Exemplar der Gattung "Les Paul Würger" zu sein, auf jeden Fall hat er die ganz großen Sounds drauf (und spielt hoffentlich ne Les Paul.). Nicht umsonst ist das zweite Cover Paul Gilberts I Like Rock vom 2002er Album "Burning Organ". Übrigens vermutlich dessen "punkigster" Song.
Es geht aber auch anders, richtiger Headbanger-Stoff auf NME und I.O.U., Classic-Rock bei One Night Rock Fight, zum Schluss noch mal RAMONES-Gaudi.

TUMBLIN DICE haben eine gute Platte gemacht. Eine rockende Platte. Eine Spaß machende Platte. Aber wo sind die 10 fehlenden Prozent? Ist es der manchmal leicht verwirrende Wechsel zwischen Anspruchs-Rock und, Frau Pfyl möge verzeihen, Hulligullidrecksauparty? Fehlt einfach nur der optische Anreiz via Cover? Ist die Produktion nicht stringent? Es wäre wichtig die Band live zu sehen, um ihre letztendliche Marschrichtung zu erkennen. Potential ist mehr als genug vorhanden, um demnächst 110% abzuliefern.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.06.2007

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