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| 9 Degrees West Of The Moon, Frontiers Reords, 2009 |
| Fabio Lione |
Vocals |
| Olaf Thorsen |
Guitar |
| Federico Puleri |
Guitar |
| Alessio "Tom" Lucatti |
Keyboards |
| Cristiano Bertocchi |
Bass |
| Alessandro Bissa |
Drums |
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Länge: 54 Min 48 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Letter To My Child Never Born | 6. The Streets Of Laudomia |
| 2. Violet Loneliness | 7. Fly |
| 3. Fading Shadow | 8. 9 Degrees West Of The Moon |
| 4. Angels In Disguise | 9. Touch Of Evil |
| 5. The Killing Speed Of Time | 10. Fading Shadow (Demo version) |
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Aus Italien kommen lange Nudeln, komisch aussehende, aber leckere Hefekuchen und rote Autos. Fußballerisch haben die was gegen uns, sonst hätten sie uns 2006 nicht aus dem Halbfinale geschossen und ich hätte meine Fernbedienung noch, die ich in der 120. Minute des Spiels auf dem Wohnzimmerboden vernichtet habe. Musikalisch kommt aus dem Land an der Adria eigentlich nur mainstreamige Radiopampe, die uns Rockern die Fußnägel hochkringeln lässt wie z. B. Eros Rambazottel, Adriano "Azurro" Celentano (wobei der schon wieder kultig ist) oder Opernsänger, und während ich das hier schreibe, muss ich wahrscheinlich aufpassen, dass mich nicht gleich die Mafia hopsgehen lässt. [Wer bis heute nicht gemerkt hat, dass Italien eine prima Rockkultur hat, gehört eigentlich mit Betonschuhen im nächsten Baggersee versenkt. Mfg, Don Fred] Soweit die Vorurteile erster Teil.
Zweiter Teil: Wenn es musikalisch im Metal abgeht, dann nur theatralisch bis zum Abwinken und bombastisch, bis die Melodie wie klebriger Honig mit den ganzen Streichern und Orchestern am Kinn hängen bleibt. Und was die Italienerinnen an Feuer und Aussehen qua Geburt mit sich bringen, versuchen die harten Metalburschen dann mit nacktem Oberkörper und föngestylten Haaren wettzumachen. Aber das wird nichts. Soweit der zweite Teil (will ja nicht wirklich Ärger bekommen und deswegen) …
… der dritte Teil: Italiener - und nur DIE - wissen, wie man vernünftige Eiscreme herstellt, sind insgesamt sehr warmherzig und gastfreundlich und haben wirklich verflixt hübsche Frauen im Programm (zumindest wenn ich an meinen Stammitaliener und seine Bedienungen in der Eisbude denke).
Und, wenn man, musikalisch gesehen, die Südländer mal vorurteilsfrei ins Studio schickt und sie das machen lässt, was sie machen würden, wenn sie nicht schon genremässig vorverurteilt wären, kommt dabei so was raus wie "9 Degrees West Of The Moon". Da habe ich aber gestaunt. Was immer sich 9° westlich vom Mond befindet, es muss ungeheuren Eindruck auf die Herren im Studio hinterlassen haben, denn VISION DIVINE kommen aus Italien und das hört man ihnen nicht unbedingt an.
Sicherlich findet man in den 10 Songs Anteile der genannten Vorurteile, aber das ist in diesem Fall nicht lästig, sondern richtig gut. Was die Herren um Gitarrist Olaf Thorsen hier in die Rille hauen, ist feinster Power Metal mit leichten symphonischen Einwürfen und modernen Samples.
Letter To My Child Never Born beginnt mit einem spannenden Intro, das anschließend in einen groovenden Achtminüter einsteigt, der alles hat, was das Powermetallerherz begehrt. Fabio Lione (der auch mal bei RHAPSODY OF FIRE die Stimme zum Gesang erhob) kann hier von Anfang an überzeugen. Ein mehrstimmiger Refrain mit dem Hang zum Ohrwurm bohrt sich langsam aber sicher in den Gehirnwindungen fest. Violent Loneliness legt zwar powermässig einen kleineren Gang ein, fällt aber nicht ab. Das Keyboard trägt durch die Strophen, während die Gitarren im Refrain das Kommando übernehmen. Fading Shadow schwirrt mit seinem Intro leise ein, um dann ziemlich schnell klar zu machen, wohin die Reise geht, nämlich straight nach vorne mit Dampf und genügend Belag auf der Pizza.
Kraft- und druckvoll geht es mit Angels In Disguise los, entpuppt sich aber bei weiterem Hören als eher balladesk - was aber nicht schlimm ist. Spätestens jetzt fällt allerdings auf, dass die Songs alle dem gleichen Schema folgen: lauter Einstieg, in den Strophen fast alles runterfahren, um dann im Refrain wieder durchzustarten. So könnte ich jetzt munter Song für Song weitergehen, mache ich aber nicht, denn die Scheibe ist von vorne bis hinten gut. Einziger richtiger Ausfall - allerdings größtenteils wegen des Gesangs - ist The Killing Speed Of Time. Der verzerrte Gesang passt so gar nicht zum Rest des Songs, geschweige denn der ganzen CD.
Erwähnenswert ist noch das äußerst gelungene JUDAS PRIEST-Cover Touch Of Evil, das sehr nah am Original gehalten ist, aber doch mit einer eigenen Note glänzen kann (also, jetzt nicht als Note im eigentlichen Sinn einer Musiknote gemeint, sondern als Gesamtbetrachtung - Ihr wisst, was ich meine).
Somit sind VISION DIVINE zwar nicht mondmässig weit weg von den Vorurteilen italienischer Metalmucke, aber weit genug, um nicht im Sog der ganzen Kapellen zu schwimmen und unterzugehen.
Empfehlenswert ist die Scheibe auf alle Fälle für Freunde von MASTERPLAN, langsameren HELLOWEEN und GAMMA RAY, auch Anhänger von IRON SAVIOR und SILENT FORCE dürfen hier mal ein Ohr riskieren.
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