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Still Looking For The Answers

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Still Looking For The Answers
Still Looking For The Answers, ProgRock Records, 2011
Brian Cline Vocals, Guitar
Nick D'Virgilio & Jimmy Keega Drums
Bob Madsen Bass
Kenny Steel Guitars, Keyboards
Länge: 56 Min 41 Sek Medium: CD
1. The Bullet's In The Barrel6. Surface Tension (A Drive Thru The City)
2. Living In Hard Times7. Promise The Moon
3. Building Blocks8. Still Looking For Answers
4. The Feather9. The Torch
5. One In A Bar

Was soll man von einer Band halten, die auf dem Coverbild eine Katze abbildet, der man einen Toast auf den Rücken geschnallt hat? Und was soll man von einer Band halten, die auf der Rückseite der CD vor Folgendem warnt: "Hiermit teilen wir Ihnen mit, dass zur Aufnahme dieser CD weder Einhörner, Drachen, magische Schwerter, Moogs oder Mellotrons zu Schaden gekommen sind oder verwendet wurden. Es gibt keine Verweise zu Zeiten, in denen den Bandmitgliedern unerheblicher Bartwuchs wuchs. Der Gebrauch von Geräten zur Erlangung der Bewusstseinskontrolle, erfunden von irren Wissenschaftlern, wurde auf ein Minimum reduziert (außer an einem Nachmittag letztes Jahr im Juli, aber bitte sagen sie nichts, denn Kenny kann sich an nichts mehr erinnern)."

Somit dürfte geklärt sein, dass es sich hier nicht um italienischen Symphonicmetal handelt, in dem es von diesen Fabelwesen nur so wimmelt, sondern um andere Art von Musik. Keine Moogs, keine Mellotrons, des Progistenherz weint, obwohl doch zwei Beardies hinter der Schießbude sitzen und Bob wundert sich, warum auf seinem roten Sweatshirt ein blauer Fussel ist. Lauschen wir dem Dreher, packen die Buletten rein ins Fass und ab geht's. The Bullet's In The Barrel (ja, der Joke aus dem Vorsatz musste sein!!!) beginnt scheinbar mit einem Streitgespräch zwischen Mann und Frau, danach startet der erste Song, getragen von der Gitarre, gesampelten Keyboards und der leicht rauen Stimme von Brian. Wenn MARILLION zur "Anoraknophobia"-Phase hier mal nicht Pate standen, oder auch ENCHANT. Letztere sind schließlich von Brian anno-tuck mit gegründet worden. Laut Bob soll der Song eine Mischung aus Kip-Winger-Melodie und lyrischer Dramatik von MARILLIONs Punch And Judy sein (also noch zur Fish-Zeit). Okay, wenn er's sagt.
Living In Hard Times startet mit einem sehr langen Instrumentalintro, bevor es an die textliche Seite des Songs geht. Geschrieben von Bob, als dieser noch zur Highschool ging, darf dieser Text nun musikalisch veredelt von Kenny an den Start gehen. Mit seinen 8 Minuten Länge ist er nicht nur reichlich lang, sondern auch reichlich gut geworden. Überhaupt scheinen die - zumindest auf dem Papier - äußerst sympathischen Amis große Freunde der Fish-Marillions zu sein. Denn auch Building Blocks wurde vom Textkonzept her aus der "Fugazi"-Phase zusammengebastelt. Auffallend ist die leicht orientalisch angehauchte Melodiephase im Zwischenteil.
The Feather hat einen traurigen Hintergrund, war aber schlussendlich die Initialzündung um 41 Point 9 zu gründen. Es geht um eine Mutter, die ihren 10 Jahre alten Sohn verloren hat und am Tag nach seiner Beerdigung eine Feder findet, die an ihrem Ende eine perfekte Herzform bildet. Sie sieht das als "Geschenk" ihres Sohnes an, der ihr damit sagen möchte, dass er okay ist. Seit dem Tag sammelt sie Federn. In eine ruhige Melodie mit einem Tappingbass eingeleitet geht es durch den zweitkürzesten Song dieser bis hierher richtig guten Scheibe. In The Feather treffen wir auf eine Mischung aus ENCHANT und Ken Tamplin-Ballade.

Die besten Songs schreibt das Leben und One In A Bar meint im Amerikanischen, dass man einen Song über einen kompletten Takt anhält. Während andere Schüler in seiner Highschoolklasse damals fasziniert darüber nachdachten, war sich Bob sicher, dass das ein cooler Songtitel ist, sodass er jetzt und sofort darüber einen Text schreiben musste. Die Schule, so sagt er, habe er zumindest so gerade eben geschafft. Musikalisch ein melancholisches Stück mit vielen Streicherparts, einer akustischen Gitarre, die das Thema trägt und einem sehr kompakten Arrangement. Klasse gemacht.
Survace Tension (A Drive Thru The City) ist das instrumentale Stück von "Still Looking For The Answer" und eine sehr coole Leistung des Bassspielers. Viel Effekt, viel Harmonie und leichte Anliehen beim Jazz.
Promise The Moon hat Bob für seine Frau geschrieben und es fand seine Welturaufführung bei seiner Hochzeit. Nachdem der Song auf seinem Jazzalbum zum ersten Mal veröffentlicht wurde, bekommt es hier nun den letzten Anstrich und Schliff (oder andersherum). Eine schöne Melodie und man kann förmlich fühlen, wie er sie anbetet.
Kommen wir zum Titeltrack. Geschrieben unter dem Einfluss von LINKIN PARK erwartet man hier jetzt die große Riffattacke, bereit, die Welt zum Hüpfen zu bringen. Richtig ist, dass der Gitarrensound härter wird, was in einem genialen Kontrast zur ruhigen Melodieführung steht, aber von LINKIN PARK ist man meilenweit entfernt. Spannend ist zu sehen, dass die 41.9er tatsächlich in der Lage sind, härtere Gitarren mit leichtjazzigen Parts und Harmonien zu verbasteln. Im Gitarrensolo bekommt man eine Mischung aus ENCHANT und PINK FLOYD geboten.
The Touch ist nicht nur das letzte Stück dieses Debüts, sondern auch das kürzeste. Als Schlaflied für Brians Tochter geschrieben, entwickelt es sich hier von einer ursprünglich rein akustischen Nummer zu einer ruhigen, mit funkigen Bassläufen in der Mitte, einer unterstreichenden E-Gitarre und einer technisierten Drumarbeit. Schöne Nummer am Ende einer Scheibe, die mich sehr überrascht hat. Insgesamt hätte eine etwas druckvollere Produktion nicht geschadet, was aber den Gesamteindruck nicht schmälern soll.

Falls nach dieser langen, aber lohnenswerten Review noch jemand liest, kommt hier die Auflösung des Bandnamens: Bob hatte seinerzeit das Buch "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams gelesen, in dem die Antwort nach dem Sinn des Lebens mit der Zahl 42 angegeben wird. Er ist sich sicher, dass er noch nicht alles erfasst hat, aber schon bei 41,9 angekommen ist. Bei dem Rest ist er "still looking for the answers". Aber warum der Fussel blau ist auf seinem roten Sweatshirt, weiß Bob immer noch nicht.

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 22.09.2011

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