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| The Face Of The Unknown, Time Divide Records, 2010 |
| Rich Hinks |
Guitars, Bass, Keyboards, Drums, Vocals |
| Gäste: |
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| Nick D'Virgilio, Michael Eriksen, Jem Godfrey, Andi Kravljaca, John Tatum |
Vocals |
| Matt Shepherd |
Guitar |
| Produziert von: Rich Hinks |
Länge: 63 Min 43 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Salvation (Vocals: Michael Eriksen) | 6. The Face of the Unknown (Vocals: Andi Kravljaca) |
| 2. Visions (Vocals: Andi Kravljaca) | 7. You're Not Alone (Vocals: Rich Hinks) |
| 3. The Heart Of The Sun (Vocals: Michael Eriksen) | 8. My Sacrifice (Vocals: Rich Hinks & Jonny Tatum) |
| 4. Crystal Skies (Vocals: Nick D'Virgilio) | 9. Start Over (Vocals: Rich Hinks) |
| 5. Natural Selection (Vocals: Jem Godfrey) | 10. Redemption's Shadow (Vocals: Jonny Tatum) |
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Letztes Jahr malte die allen bis dato absolut unbekannte AEON ZEN das Portrait ihrer Gedanken und dieses Jahr schiebt sie uns das Gesicht des Unbekannten direkt hinterher.
Was da jetzt irgendwie platt klingt ist in echt aber einzig und allein ein Knabe im zarten Alter von 21 Jahren, der innerhalb eines Jahres im Alleingang zwei Progscheiben auf die Ladentheke knallt, dass es nur so kracht. Da kann einem schon unheimlich werden. Der Jüngling macht tatsächlich alles alleine - bis auf das Singen. Das scheint er über eine ganze CD-Länge nicht so gut zu können, deswegen werden dafür Gäste ins Studio geschoben. Und die haben sich seit "The Mind's Portrait" auch im Bekanntheitsgrad gesteigert.
Aber vielleicht mal der Reihe nach. "Ich würde nicht sagen, dass ich ein Kontrollfreak bin. Aber ich will die Dinge so machen, wie ich sie haben möchte" - so die Antwort damals von Rich Hinks auf die Frage, warum er alles alleine macht. Das klingt nach starkem Ego und einer etwas verklärten Sicht. Aber schon das Debüt trieb der Musikpresse im progressiven Bereich die Tränen in die Augen. Da kommt so ein Jungspund daher und macht alles im Alleingang: angefangen bei der Komposition über das Spielen sämtlicher (!!!) Instrumente bis hin zum Aufnahmeprozess, dem Produzieren und abschließenden Mastering. Rich Hinks ist scheinbar bei seiner Geburt in einen musikalischen Zaubertranktopf gefallen und setzt jetzt alles um, was ihm durch die Gehirnwindungen rauscht. [Wenn man gleich weiter liest, könnte man auch glauben, der junge Mann ist in Papas Plattenschrank gefallen. Red.] Keine Ahnung, ob der überhaupt noch aus dem Studio rauskommt. Und während auf dem ersten Dreher eher noch die Sänger aus der zweiten und dritten Liga am Start waren, konnten für den Nachfolger schon Sänger eines anderen Kalibers gefunden werden. Einen Jem Godfrey von FROST* oder Nick D'Virgilio von SPOCK'S BEARD dürfte auch nicht jeder ins Tonstudio gelockt bekommen. Also muss was an dem Kerl und der neuen CD dran sein, was uns dazu veranlasst zumindest jetzt den zweiten Dreher genauer unter die Lupe zu nehmen.
Der Einstieg geht gleich gut los: 10:31 Minuten zeigt die Uhr beim Start. Und tatsächlich ist Salvation ein Stimmungsmacher, der im Bereich zwischen DREAM THEATER, SPOCK'S BEARD und auch ein bisschen FROST* liegt. Sein Handwerk versteht Rich auf alle Fälle und scheinbar mühelos und locker gehen die 10 ½ Minuten durch die Boxen. Es wird nicht langweilig und mit jedem Hören eröffnen sich weitere Strukturen, stark ist die Performance von Michael Eriksen, der sonst bei CIRCUS MAXIMUS singt.
Weiter geht's mit Vision, das mit seinen knapp 4 Minuten schon zum kürzesten Song auf der CD gekürt wird. Druckvoll hämmert die Doublebass durch die Boxen um dann in einen mit Twingitarren ausgestatteten Sololauf zu münden. Das hätten FROST* auch nicht besser hinbekommen. Übrigens darf hier ein gewisser Matt Shepherd zusammen mit Rich die Gitarre glühen lassen. Bei Heart Of The Sun darf noch mal Mr. Eriksen ran. Ähnlich gestaltet wie der Eröffnungssong geht es hier weiter. Interessante Gitarrenläufe wechseln sich mit den Keyboards ab, überhaupt ist das Writing bei dem Song der Hammer. Sphärische Keyboardflächen über donnernden Gitarren. Man könnte weinen… [So schlecht? Red.]
Crystal Skies beginnt mit einer schönen akustischen Gitarre und könnte fast als so was wie eine Ballade im Stile von SPOCK'S BEARD durchgehen. Der Eindruck wird dadurch noch verstärkt, dass Nick D'Virgilio dazu singt. Nature Selection hätte auch auf der "Systematic Chaos" von DREAM THEATER gut seinen Platz gefunden, wenn das Eingangsriff konsequenter durchgezogen worden wäre. So entwickelt es sich dann doch im Laufe der knapp 5 Minuten zu einer der schwächeren Nummern. Am Mikro vertraut er diesmal auf die Dienste von Jem Godfrey von FROST*. Dann das Titelstück. Dem muss man Zeit geben, denn die 7 Minuten entwickeln sich langsam aber stetig. Interessant ist, dass es bis knapp zur 2. Minute nach einer SUPERTRAMP-Nummer klingt. Dann allerdings wird der Härtegrad angezogen und wir finden uns im Klangkosmos von THRESHOLD, DREAM THEATER und SPOCK'S BEARD wieder. Überhaupt kann man die beiden letztgenannten Bands hier sehr oft als Querverweise raushören. Die Ehre das Titelstück zu singen obliegt Andi Kravljaca, der normalerweise bei SILENT CALL singt, aber die sind mir beide unbekannt. Aber er kann mit seinem Organ sehr gut punkten. Und dann das Gitarrensolo, das den Pianolauf auflöst - genial gemacht.
You're Not Alone zeigt dann den Künstler gänzlich alleine. Auch am Gesang, und jetzt wird auch klar, warum er lieber anderen das Singen überlässt. Diese Nummer klingt nach einer SB-Nummer zu Neal-Morse-Zeiten, gemischt mit ein bisschen ELP und MARILLION. Gut und nett, aber mehr leider auch nicht. Allerdings auf hohem Niveau gejammert.
My Sacrifice startet mit AYREON-likschen Keys und Gitarren, schweift dann in kurze OPETH-Gefilde ab um sich mit Beginn des Gesangs zu einer ganz großen, fast schon theatralischen Nummer zu erheben. Klasse gemacht.
Start Over deutet so langsam das Ende der gut gefüllten Stunde an. Noch mal ist es Rich Hinks, der dieser Pianoballade seine Stimme leiht. Leise und bedächtig gehen die 4 ½ Minuten durch die Membran, bevor AEON ZEN mit Redemption's Shadow noch mal in die Vollgaskiste greift und die Scheibe exzellent über die Ziellinie schiebt. Hier darf, wie bei My Sacrifice, ein gewisser Jonny Tatum ran, der sonst bei EUMERIA singt. Ich sagte ja eingangs bereits, dass man hier auf Sänger der ersten und zweiten Liga zurückgreift.
Auch wenn ich das Debüt nicht kenne, bin ich davon überzeugt, dass es nicht besser als der Nachfolger gewesen sein kann, denn überall ist zu lesen und zu hören, dass er sich mit dem zweiten Werk deutlich gesteigert habe. Na denn. Auffallend ist, dass hier das Ego von Rich Hinks sich nicht in schwer nachvollziehbaren Songstrukturen niederschlägt, sondern in klaren und trotzdem angefrickelten Songs. Ich ziehe den Hut und überlege meine musikalischen Ambitionen irgendwie bei einem Auktionshaus zu versteigern. Solange solche Recken über den Globus laufen und solche Scheiben produzieren, habe ich mit meinem frevelhaften Gitarrenspiel im Keller zu üben.
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