|
|
| Airconditioning / Second Album, Repertoire Records, 2011 |
| Sonja Kristina |
Lead Vocals |
| Darryl Way |
Electric Violin, Vocals, Piano on Puppets |
| Francis Monkman |
Lead Guitar, Organ, Piano, Mellotron, Electric Harpsichord, Special Effects Equipment, VCS3 Synthesizer |
| Robert Martin ("Airconditioning"), Ian Eyre |
Bass |
| Florian Pilkington-Miksa |
Drums |
| Produziert von: Mark Edwards ("Airconditioning"); Curved Air and Colin Caldwell |
Länge: "Airconditioning": 57 Min 49 Sek "Second Album": 43 Min 33 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| Airconditioning |
| 1. It Happened Today | 6. Hide And Seek |
| 2. Stretch | 7. Propositions |
| 3. Screw | 8. Rob One |
| 4. Blind Man | 9. Situations |
| 5. Vivaldi | 10. Vivaldi With Canons |
| Second Album |
| 1. Young Mother | 5. Puppets |
| 2. Back Street Luv | 6. Everydance |
| 3. Jumbo | 7. Bright Summer's Day '68 |
| 4. You Know | 8. Piece Of Mind |
 |
Ein kurzes Piano Glissando, wummernde Drums, dann die rätselhaft hohe Stimme einer Frau, die "Yesterday, you know, it never really happend! … It happened today!" verkündet, und schon ist man im Rätsel gefangen - alles wirkt sehr mysteriös auf den jungen Hörer, und wenn man weiterhört, ist dann da noch eine Geige?
Man ist in den CURVED AIR Kosmos eingedrungen, und als die Platte 1970 veröffentlicht wurde (sogar als erste Picture Disc, die dann auf dem Plattenspieler so ein schönes Muster erzeugt - Cool!) war das zu der Zeit, als YES "Time And A Word", DEEP PURPLE das gigantische "In Rock", PINK FLOYD "Atom Heart Mother" und TULL "Benefit" veröffentlichte, um nur einige zu nennen. Ja, solche Zeiten waren das damals - starker Wettbewerb! Und die CURVED AIR Platte ging mitnichten unter. Was hatte sie zu bieten?
Nun, zum einen tatsächlich eine Frau am Mikro (und die Bands, die von einer Frau gefrontet wurden, konnte man an einer Hand abzählen; aus dem Stand fallen mir BIG BROTHER mit Janis und JEFFERSON AIRPLANE mit Grace Slick ein). Dann gab es da einen Wahnsinnsgeiger, und zwei Tracks, die so ziemlich alles in Grund und Boden rammten, was an Rock um sie herum passierte - eben It Happened … und Vivaldi, der Parforce Ritt eines Geigers, im Mehrfachspuren Verfahren aufgenommen, und einen Geiger hatten sowieso nur noch THE FLOCK und EAST OF EDEN zu bieten. Das führte dazu, das Myriaden von Boyz'n'Galz zum Plattenladen gingen und sich Antonio Vivaldis 1725 veröffentlichtes Konzert "Die vier Jahreszeiten" ("Le Quadro Stagioni", nach einer Pizza benannt) holten. Und so führte Way nicht nur auf Platte, sondern sogar im Leben Klassik und Pop zusammen. Der Track war übrigens keine Adaption, sondern im Geiste von Vivaldi komponiert und im Mittelteil durchaus brutaler als jede Jahreszeit, die Antonio sich hatte ausdenken können. Vergleichbar vielleicht Hendrix' Star-spangled Banner oder CHICAGOS Terry Kaths "Free Form Guitar" von der ersten Platte.
Blues Rock (Stretch), klassisch angehauchtes (Screw), Donovaneskes (Blind Man), ein gespenstisches Endzeit Keyboard Motiv leitet Hide And Seek ein - ein an TULL erinnernden Blues Rock Track -, und so wechselt sich Rockiges mit Atmosphärischem ab, bis hin zum letzten Reprise von Vivaldi, mit Synth Gezirrpe und Elektronik-Spielchen über dem Geigenthema.
Abwechslungsreich, spannend, innovativ und doch rockig.
Die zweite Platte geriet der ersten nicht unähnlich. Wieder werden Elemente des Blues, der Klassik und des Jazz verknüpft; und natürlich wird dem Improvisieren viel Raum gegeben. Aber schon der erste Track zeigt, das hier wieder sorgfältig komponiert wurde - alles unterliegt einer strengen Logik und ist miteinander verknüpft. Die Themen werden von der Geige und dem Synth getragen. Back Street Luv, rockiger, also rhythmischer als vieles sonst bei der Band, wurde wohl sogar zum kleine Hit - letztlich ein Blues Rock Track; der im Refrain ziemlich luftig daherkommt, was an eben Sonjas Stimme liegt. Ein Synth blubbert wieder, und mit Solos hält man sich zurück - radiokompatibel. Jumbo zeigt Ways melancholische Seite - er hasst Reisen, und hat diesen Track während einer US Tour geschrieben - Heimweh krank. You Know hat eine dieser finger-lickin'-good Riffs, das jede Band gerne in ihrem Repertoire hätte, weil diese Dinger einfach unwiderstehlich sind. Getrieben vom sanften Klang des E-Pianos rockt das Ding einfach gut. Puppets beginnt mit einem an FLOYD's Meddle erinnernden Introgeklöppel auf zahlreichen Schlaginstrumenten, und befasst sich mit der Tatsache, dass wir ständig manipuliert werden. Geigen im Hintergrund, und eine ganz zarte Komposition ohne Drums. Das Klavier und das Mellotron (also ein Synth-Geigen Brei) als tragendes Melodieinstrument bestimmt den Ton und die Atmosphäre. Bright Summer's Day ist ein Hybrid zwischen Musical, Kinderlied, bösem Text und rockiger Gitarre - täuschend simpel, aber sehr ansteckend. ABBA auf Speed. Das dreiteilige Piece Of Mind (nein, nix Peace, hier gibt es keinen Frieden!) mit einem langsamen Intro, rockigem Mittelteil und spacig-athmosphärischen Outro zeigt dann nochmal, wozu die Band in der Lage war - ohne so abzuheben, dass man schon einen Pott Pot brauchte, um ihnen zu folgen.
Zwei Klassiker des Prog Rock, der damals aufkam, die von Repertoire in gewohnt luxuriöser Weise mit jeweils gutem Booklet wiederveröffentlicht werden (Reviews der weiteren Platten folgen)- alles, was das Herz begehrt. Natürlich sehr im Musikverständnis der 70er angesiedelt, als sich in England die Jungs von der Uni des Rock'n'Roll bemächtigten, ihn der Arbeiterklasse wegnahmen (als ob er denen jemals wirklich 'gehört' hätte) und ihn aufpimpten. Sorgfältig komponiert, mehr Ideen auf einer Platte als heutige Bands im ganzen Repertoire haben, sehr gut gespielt und produziert; sauber remastert. Zwei Highlights - schauen wir mal, was da noch kommt, welche Koryphäe noch bei der Band mitspielt (Monkman etwa landete später bei den Instrumental Schöngeistern und Klassik Adepten von SKY) und ob die Band das Niveau halten kann. Dazu später mehr.
|