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Edenbridge

Solitaire

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Solitaire
Solitaire, Napalm Records, 2010
Sabine Edelsbacher Vocals
Lanvall Guitars, Bass, Keyboards, Bouzouki, Mandolin, Percussion Frog
Max Pointner Drums
Dominik Sebastian Rhythm & Lead Guitars
Gäste:
Astrid Stockhammer Solo Violin #4
Robby Valentine Backing Vocals, Choir
Dennis War Backing Vocals, Choir
Das Tschechische Filmorchester
Länge: 52 Min 52 Sek Medium: CD
1. Entrée Unique7. Out Of This World
2. Solitaire8. Further Afield
3. Higher9. A Virtual Dream
4. Skyline's End10. Brothers Diamir
5. Bon Voyage Vagabond11. Exit Unique
6. Come Undone

Brachial, symphonisch, druckvoll, Power bis zum Abwinken. Damit wäre zu dieser Band, die es aus irgendeinem Grund bis heute nicht in das Home Of Rock geschafft hat, schon alles gesagt. Aber manche Sachen brauchen einfach etwas, bis sie hier Einzug halten. Ich selbst kenne die Band auch noch nicht so lange und hätte es damals auf irgendeinem Sampler nicht ein Stück der letzten Scheibe MyEarthDream gegeben, ich hätte diesen Platz in meinem CD-Regal immer noch unbelegt. Und das wäre ein Fehler!

EDENBRIDGE spielen Symphonic Metal mit Frauenstimme. Ach so! Klar: NIGHTWISH und Konsorten mögen sich sofort in die Gehirnwindungen pressen und damit wäre man zumindest musikalisch schon mal auf dem richtigen Dampfer. Aber EDENBRIDGE fährt in einer eigenen Liga! Das Schöne an diesen sympathischen Nachbarnländlern ist nämlich in gewisser Weise ihre Einzigartigkeit. Hier gibt es keine in meinen Ohren störenden Growls, keine zuckersüßen Melodien und meiner Meinung nach auch mehr Druck in der Produktion. Als ich damals die oben genannte Scheibe in den Player legte - ich kannte ja nur ein Lied - hat's mich von Anfang an umgehauen und in seinen Bann gezogen. Das drückte mich in den Sessel und ließ mich mit offenem Mund nach dem letzten Lied den "Repeat"-Knopf drücken. Hammer!

Edenbridge Band

Ich frage mich wirklich, warum hier von denen noch keiner Notiz genommen hat. Immerhin feiert man dieses Jahr das erste gemeinsame Jahrzehnt, hat mit "Solitaire" bereits den 7. Studiodreher am Start, zwischendurch noch eine Best Of/Raritäten-Compilation und zwei Liveveröffentlichungen auf den Markt gerollt, war u. a. mit AXXIS, PINK CREAM 69 und RAGE auf Tour, hat sich schon in Russland, China, Taiwan und Europa der Livetaufe gestellt und diese mit Bravour gemeistert - sogar schon als eigene Headliner-Tour. Und wir haben sie bis jetzt ignoriert. Geht ja wohl gar nicht.

Also: "Solitaire" rauscht bei mir seit Tagen durch die Kopfhörer und fasziniert mich bei jedem Hören neu. Auch diesmal ist es wieder dieser Sound, der einfach nur nach vorne drückt, die Songs quasi mit Gewalt durch die Membranen jagt. Über allem schwebt die Stimme von Sabine Edelsbacher, die sich erfreulicherweise nicht mit operettenhaftem Gesang profiliert, obwohl sie auch nicht die Grunzrockerin abgibt. Es klingt einfach nur passend, gegensätzlich und schön. Perfekt könnte man meinen. Schöne Chöre fügen sich in den Liedern ein, die Gitarre paart sich gekonnt mit dem echten (!) Orchester, was zu diesem umwerfenden Sound führt. Die Drums geben gemeinsam mit dem Bass den Liedern den restlichen Kick und Druck - es wird Atmosphäre geschaffen. Mal wird schwer gerockt (Solitaire, Further Afield, A Virtual Dream), dann meint man einem Musical beizuwohnen (Out Of This World) oder wird mit umwerfenden Powerballaden verwöhnt (Skyline's End, Brothers Diamir). Die gesamten Orchesterarrangements sind von Landvall selbst geschrieben - da sag noch mal einer, die Jugend interessiert sich nicht für das große Orchester. Der Mann hat's drauf, denn er kann nicht nur Partituren malen, er weiß auch, wann ein Gitarrensolo wie zu klingen hat.

Manche Stelle lässt mich besonders aufhorchen - wobei diese "Aha-Effekte" auf MyEarthDream wesentlich stärker vertreten waren als bei "Solitaire"! Manchmal hat man den Eindruck, dass ein Liedaufbau, eine Songstruktur irgendwie bekannt vorkommt. Nicht geklaut, aber wie schon mal irgendwo gehört. Und dann macht's "Klick" und ich erkenne Querverweise zu THRESHOLD ("Higher"). Das wiederum ist nicht weiter verwunderlich, weil man mit dieser Band ein freundschaftliches Verhältnis pflegt und Karl Groom - seines Zeichens Gitarrist bei den Briten - das Album gemischt hat.

Mit "Solitaire" hat EDENBRIDGE eine weitere Sprosse auf der Leiter nach oben erklommen und setzen sich damit weiter von der Masse ab. Elf Songs, die zwischen hart und mittelzart pendeln, aber doch wahrscheinlich mehr der härteren Fraktion als der klassikverwöhnten Hausfrau gefallen dürften. Reinhören lohnt sich auf alle Fälle. Das Jahr 2010 ist mit einer weiteren geilen Rockscheibe ausgestattet.

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 10.10.2010


 
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