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Flying Colors

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Flying Colors
Flying Colors, Mascot, 2012
Dave LaRue Bass
Casey McPherson Vocals
Neal Morse Keyboards, Guitar, Vocals
Steve Morse Guitar
Mike Portnoy Drums
Produziert von: Peter Collins Länge: 59 Min 54 Sek Medium: CD
1. Blue Ocean 7. Everything Changes
2. Shoulda Woulda Coulda 8. Better Than Walking Away
3. Kayla9. All Falls Down
4. The Storm10. Fool In My Heart
5. Forever In A Daze11. Infinite Fire
6. Love Is What I'm Waiting For

Manchmal ist nicht das drin, was die Verpackung vorgaukelt. Manchmal ist das dann nach dem Auspacken überraschend und gut, manchmal auch ein Reinfall. Das Mr. Portnoy und Mr. Neal Morse gemeinsam Musik machen ist nichts Neues. TRANSATLANTIC und die morseschen Solosachen künden davon. Also dürfte ein neues Prog Projekt namens FLYING COLORS mit unerwarteten Mitstreitern das Licht der Welt erblicken? Mmh!? Das dürfte interessant werden, denn mit dem DEEP PURPLE-Saitenbieger Steve Morse und dem SATRIANI/PLANET X/DIXIE DREGS-Tieftöner LaRue stehen an der Instrumentenfront jetzt nicht zwingend Progisten (na ja gut, die DREGS sind ja wenigstens Jazz Fusionists, also schon mal irgendwie in Richtung Prog, oder sogar darüber hinaus). Dazu gesellt sich noch der in Deutschland eher unbekannter Sänger Casey McPherson … - ich war gespannt, was sich da für eine warme Brühe aus den Boxen ergießen wird.

Überrascht? Auf alle Fälle! Gut? Definitiv! Brühe? Keineswegs! Was diese 5 Könner vor dem Herrn mit ihrem Debüt abliefern, ist ein erstaunlich breitgefächerter Musikmix.

Flying Colors Band Pic

Schon der Einsteiger Blue Ocean lässt warme Gefühle an alte GENESIS Tage aufkommen, die sich irgendwie mit den BEATLES getroffen zu haben scheinen. Das folgende Shoulda Woulda Coulda klingt vom Titel her komisch, bleibt mit seiner betörenden Melodie aber im Ohr kleben. Kayla ist guter Classic Rock, radiotauglich getrimmt, gefolgt von dem ersten Singleaspiranten (meine Meinung!) The Storm. Wer wissen möchte, wie groovende Popmusik heute zu klingen hat: voilà! Danach geht es über Forever In A Daze funkig in den ruhigen Mittelteil des selbstbetitelten Debüts.

Tatsächlich sind die dann folgenden drei Nummern eher die Durchhänger der CD. Nicht schlecht, aber auch nicht richtig vom Hocker reißend, eher nett und unaufdringlich, wobei Love Is What I'm Waiting For klingt, als hätten sich die BEATLES ins Hier und Jetzt katapultiert. Klasse!

All Falls Down ist der Wachmacher nach den Schmusesongs, denn hier bricht tatsächlich alles zusammen, was vorher liebevoll aufgebaut wurde. Mike donnert durch die dreieinhalb Minuten wie der bekannte Duracell-Hase durch den Werbespot, Casey erreicht die Grenzen seiner Stimme und der Rest der Band lässt sich vom Sog dieses Songs mitreißen. Herrlich schräg, faszinierend gut und an dieser Stelle absolut überraschend.
Über das folgende Fool In My Heart werden die Meinungen in alle Himmelsrichtungen abdriften. Musikalisch eine eher bluesige Nummer die sich in den Gehörgängen festbeißt, wird sie gesungen von Mike Portnoy. Dass dieser besser trommelt als singt, ist bekannt. Mir gefällt's trotzdem, andere werden sich über den Gesang aufregen, wieder andere werden den Gesang in Verbindung mit dieser Musik nicht mögen. Egal, bevor man sich diesen Gedanken zu Ende hingibt, ist die Nummer schon vorbei und es folgt das Highlight, das kumulierte Ganze, dieser Scheibe. Hier dürfen sich in 12 Minuten alle Beteiligten austoben. Gesanglich, instrumentalisch, kompositorisch. Irgendwie werde ich mit der Länge des Songs den Eindruck nicht los, dass sich Infinite Fire während des Aufnahmeprozesses mehr und mehr zu einer Jam-Session entwickelt haben muss. Klasse Schlusspunkt unter ein interessantes, mit leichten Hängern versehendes Album.

Ich gebe zu, dass ich so einen Rundling von dieser Konstellation an Musikern nicht erwartet habe. Tatsächlich trägt jeder etwas zum Ganzen bei, Neal Morse tritt am Mikro mehr als einen Schritt zurück und ist auch in den Keyboardpassagen nicht omnipräsent; Steve Morse schüttelt die Hooks, Riffs und Licks scheinbar nur so aus den Saiten und zeigt, was für ein begnadeter Gitarrist er ist; Dave LaRue rundet das Fundament perfekt ab, auf dem Mike Portnoy erstaunlich ruhig agiert und mit Casey McPherson gibt es einen Sänger, der diese Combo mit seiner Stimme im poprockigen Bereich hält.

Bleibt die Frage: War's dass oder kommt noch was?

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 02.04.2012


 
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