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| The Fall (Collector's Edition), Retroactive Records, 2010 |
| Jimi Bennett |
Vocals |
| Rex Carroll |
Guitar |
| Scott Banks |
Bass |
| Michael Feighan |
Drums |
| Dave Greer |
Drums |
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Länge: 42 Min 03 Sek |
Medium: CD |
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| 1. The Fall | 6. Pale Beyond The Door |
| 2. Never Is Forever | 7. The Calling |
| 3. Frenzy | 8. A Vision |
| 4. Swing On The Street | 9. Borrowed Time |
| 5. Spreading Love | 10. Heaven Is For Everyone |
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Was war das damals ein Schock, als es 1994 durch den Orbit geisterte (jawohl: Orbit, weil Internet gab es noch nicht), dass Rex Carroll WHITECROSS verlassen hatte. Zusammen mit Scott Wenzel hatten sie noch "High Gear" in den Kunststoff gebrannt, dann war Schluss mit der Zusammenarbeit. Mr. Flitzefinger tobte sich ab sofort bei seinem neuen Projekt KING JAMES aus und Mr. Wenzel trieb WHITECROSS ohne den für die typischen treibenden Riffs bekannten Gitarristen voran. So konnte das nachfolgende Album "Unveiled" zwar noch mit einigen klasse Songs aufwarten, "enthüllte" aber ganz schnell, dass ohne Rex Carroll die Reise schnell eine andere Richtung einnehmen würde. "Equilibrium" von 1995 und schlussendlich "Flytrap" von 1996 bestätigten dann auch, dass WHITECROSS ohne Rex genauso wenig vorstellbar wäre wie ohne Scott. Die beiden waren einfach für das musikalische Grundgerüst der Band verantwortlich und die Aushängeschilder. Mit den beiden letztgenannten Alben flüchtete man sich in den Grunge-Kosmos, verlor sämtliche Fans und konnte wahrscheinlich auch keine neuen dazugewinnen.
Aber es gab ja die neue Spielwiese von Rex Carroll. KING JAMES hatten mit ihrem selbstbetitelten Debüt 1994 für Furore gesorgt. Wenn es im christlichen Musikbereich sowas wie eine Supergroup gab, dann waren es KJ. Immerhin standen neben dem Flitzefinger noch Tim Gaines an den dicken Saiten und Robert Sweet am Schlagzeug mit im Line-Up. Und die waren bekanntermaßen eigentlich bei STRYPER angestellt. Daneben dann noch Jimi Bennett, der bis dato als Sänger bei SACRED FIRE auf sich aufmerksam machen konnte. Das erste Album versprühte noch den Spirit von WHITECROSS und so waren die Erwartungen an den zweiten Dreher entsprechend hoch. Mensch, war ich enttäuscht, als sich das Dingen endlich bei mir drehte. Was war das denn? Wo waren die schneidenden Gitarrenriffs? Wo die majestätischen Soli? Wo waren Dampf und Power, wie man sie von WHITECROSS und noch vom ersten KJ-Album kannte. Stattdessen alles irgendwie tiefer gestimmt, Powerchords bis zum Abwinken und die Soli deuten nur an, was tatsächlich in der Gitarre und den Fähigkeiten von RC steckt - nee, da konnte ich gar nichts mit anfangen. So verschwand die Scheibe in der Versenkung und schlussendlich bei einem Online-Auktionshaus.
Mit 13 Jahren Abstand, eindeutig mehr grauen Haaren auf dem Kopf und meiner Sturm- und Drang-Zeit doch einigermaßen entwachsen, genieße ich "The Fall" nun. Manche Dinge brauchen halt Zeit. Was auffällt ist das neue Artwork: Gefälliger und eindeutiger zu deuten als das Original. [Also mit deutlich gehobenem Deutungsgrad, deutet der Textdeuter an]
Der Einsteiger The Fall nimmt schon vorweg, was PETRA mit ihrer letzten CD "Jackyll & Hyde" vollendeten. Tiefgrummelnde Melodielinien, die sich zum Refrain hin auflösen, treibende Drums und die druckvolle Stimme von Jimi Bennett. Vielleicht bereitete Rex Carroll mit dieser Scheibe auch dem Modern-Rock den Weg (ja, weiß man's?). Never Is Forever hätte so auch von BRIDE stammen können, aber die mussten zu der Zeit ja auch den Weg des Grunge und Alternative einschlagen. Hier also der Vorschlag, wie es mit BRIDE hätte weitergehen können. Schöner Powerrock, der selbst heute noch nicht so ganz verstaubt klingt, und wieder tauchen Parallelen zu PETRAs letztem Werk auf. Frenzy haut in die gleiche Kerbe. Bei Swing Of The Street wird noch eine Schippe Kohlen mehr ins Feuer geworfen und leicht (aber wirklich nur leicht) thrashige Elemente finden ihren Weg ins Lied. Am auffallendsten im Solopart, der sogar richtig auf die 12 haut. Spreading Of Love kehrt dann wieder mehr zu den ersten Songs zurück. Danach geht es aber noch mal richtig nach vorne. Pale Beyond The Door entwickelt sich zu einem echten Groovemonster, das als Übungsstunde für die Nackenmuskulatur absolut zu empfehlen ist. Das ist schon mehr Metal als Hardrock. Überraschend der Mittelteil, der fast schon mit sakralen Melodieläufen zu glänzen weiß, einen Rex Carroll an der Gitarre zeigt, wie man ihn kennt und liebt, bevor es dann für die letzten 1,5 Minuten wieder auf die linke Spur geht und Vollgas gegeben wird. The Calling, A Vision und Borrowed Time nehmen dann das überwiegende Schema wieder auf. Das bekannteste Stück auf "The Fall" ist aber das letzte: Heaven Is For Everyone, da kann ich sogar heute noch mitgrölen und ich habe die Scheibe damals wirklich nicht oft gehört. Aber es gibt diese Songs, die einfach im Hirn hängenbleiben.
Auffallend ist, dass dieses Album im Laufe der Zeit weder Patina noch Staub angesetzt hat und durchaus mit so mancher Veröffentlichung aus dem ModernRock der Jetztzeit mithalten kann. Leider, und das ist das Manko bei diesem Musikstil ganz oft, bleibt nichts richtig dauerhaft im Ohr kleben. Es rauscht rein und raus und man hat es gerne gehört und wird es auch gerne wieder hören, aber der catchy Moment fehlt. Wenn ich einen Wunsch äußern dürfte: bringt doch auch das erste Album von KJ noch raus.
Aus der brodelnden Gerüchteküche ist übrigens zu hören, das KJ für 2011 ein neues Album planen.
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