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| Unusual Suspects, Provogue, 2011 |
| Leslie West |
Guitars & Vocals |
| Kenny Aronoff |
Drums & Percussion |
| Fabrizio Grossi |
Bass |
| Phil Parlapiano |
Organ, Mellotron, Keyboards |
| David "Squigie" Briglin |
Piano & Acoustic Guitar (Legend & One More Drink For The Road) |
| Gäste: |
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| Steve Lukather |
Acoustic Guitar (One More Drink For The Road) |
| Billy F. Gibbons |
Guitar (Standing On A Higher Ground) |
| Slash |
Guitar (Mudflap Mama & Turn Out The Lights) |
| Joe Bonamassa |
Guitar (Nothing's Changed) |
| Zakk Wylde |
Guitar (Nothing's Changed & Turn Out The Lights) |
| Produziert von: Fabrizio Grossi |
Länge: 47 Min 48 Sek |
Medium: CD |
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| 1. One More Drink For The Road | 8. I Feel Fine |
| 2. Mudflap Mama | 9. Love You Forever |
| 3. To The Moon | 10. My Gravity |
| 4. Standing On A Higher Ground | 11. Turn Out The Lights (The Party's Over) |
| 5. Third Degree | Bonus Track: |
| 6. Legend | 12. I Don't Know "The Beetlejuice Song" |
| 7. Nothing's Changed | |
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Leslie West ist in den letzten 25 Jahren, das muss man als MOUNTAIN-Fan ehrlicherweise sagen, nicht mehr als Kreativkopf aufgefallen. Die Wahrheit ist: die 1980er-Jahre mit ihrem musikalischen Wahnsinn und ein monumentaler Drogenkonsum (in den 70ern, 80ern und 90ern) verbunden mit oftmals nicht besonders sympathischem Benehmen haben West so nachhaltig das Songschreibergenick gebrochen, dass seither außer gelegentlichen Ausrutschern nach oben kaum nennenswertes Liedgut entstanden ist. Klar, Felix Pappalardis gewaltsamer Tod - die Frauen! - hat ihm einen Schlag versetzt, aber das war 1983, da hatte der damals noch übermäßig fette Leslie seit Jahren keinen künstlerischen Kontakt mehr zu Pappalardi. Manche Tournee mit teilweise zweifelhaftem Personal durch halbvolle Clubs geriet zum Desaster, einzig der unkaputtbare West-Trademark-Gitarrensound rettete dem Dicken noch den einen und anderen Dollar.
Als West im neuen Jahrtausend endlich suchtfrei und abgespeckt war, hoffte man auf neuerliche Großtaten, aber leider waren sowohl die MOUNTAIN- als auch die Solo-Alben eher einfallsfrei, dafür geprägt von allen möglichen Coverversionen, das Mountain-Album "Masters Of War" war sogar ein kompletter Dylan-Tribute. Dazu kam ein beinahe inflationärer Einsatz von Gastmusikern mit großem Namen wie Ozzy Osbourne, Warren Haynes oder Joe Bonamassa, die dann leider auch nicht mehr als die üblichen Plattitüden von sich gaben.
Den Promi-Overkill setzt Leslie West auf seinem neuen Album "Unusual Suspects" ungehemmt fort, allerdings ist zwischen Aufnahme und Veröffentlichung dieser CD böses geschehen. Dem Diabetiker West musste im Juni dieses Jahres ein Unterschenkel amputiert werden. Trotzdem dieses Schicksal jedem Diabetiker droht, ist es eine Tragödie wenn ein Mensch zerschnitten werden muss, egal ob er Müller, Huber, Danny Joe Brown oder Leslie West heißt. Da treten künstlerische Aspekte ganz weit in den Hintergrund - und das ist im Fall von "Unusual Suspects" besonders schlimm, denn Leslie West hat mit seinen vielen Gästen das beste Soloalbum seit "The Great Fatsby" bzw. "The Leslie West Band" aus dem Jahr 1975 geliefert.
Ironie des Schicksals: auch damals kollaborierte West mit Superstars wie Mick Jagger, und auch damals schon bediente er sich fast ausschließlich an Fremdmaterial. Seine Arbeitsweise hat er also über die Jahrzehnte kaum verändert, nur waren die Ergebnisse in der Zwischenzeit oft zu mager. Endlich hat er nicht die aus seiner Sicht nicht üblichen Verdächtigen eingeladen - worüber man diskutieren kann - und gute Songs geschrieben oder adaptiert, prompt schlägt das Leben in seiner rüdesten Form zurück.
Auf der Gästeliste stehen diesmal Steve Lukather (TOTO), Slash, ZZ TOPs Billy Gibbons, Zakk Wylde von BLACK LABEL SOCIETY bzw. eigenen Gnaden und einmal mehr Joe Bonamassa.
Man muss klarstellen, dass "Unusual Suspects" selbstverständlich nicht an die seelenvollen Darbietungen der beiden LPs aus den Siebzigern heranreicht, dafür fehlen nicht nur Jugend, Hingabe und Unbekümmertheit, vor allem fehlt der unwiederbringlich antiquarische Sound der schon damals altmodisch klingenden LPs. Aber Fabrizio Grossi, ein in den letzten 20 Jahren zum gefragten Mainstream-Produzenten gewachsener Italo-Amerikaner, hat einen für seine Verhältnisse organischen Sound ohne die heute oft üblichen Lautstärkerekorde für "Unusual Suspects" entwickelt, was bedeutet, dass man auch die leisen Zwischentöne hören kann ohne von einer einstürzenden Dezibelwand aus Bits und Bytes erschlagen zu werden. Und es gibt die leisen Zwischentöne. Allerdings nicht im Boogie Standing On A Higher Ground, den West zusammen mit Billy Gibbons zum besten ZZ TOP Song der letzten 15 Jahre macht. Zakk Wylde kann diesen Texas-Boogie bekanntlich auch, entsprechend heftig riffend kommt das mit ihm eingespielte Nothing's Changed inklusive Zakk-Solo. Lobenswert sind die schönen Orgeltöne in diesem Double-Lead-Stahlgewitter. Andererseits kann Joe Bonamassa Willie Dixons altem Third Degree nichts Neues hinzufügen, da kann man ebenso auf die Fassung von WEST, BRUCE & LAING auf "Why Dontcha" von 1972 zurückgreifen.
Beeindruckt ist man bereits vom Eröffnungssong One More Drink For The Road. Angetrieben von einem herrlich druckvollen Piano groovt sich die CD im mittleren Tempo ein und zeigt den differenziertesten Leslie West seit Ewigkeiten. Lukather unterstützt die Sache mit einer schönen Akustikgitarre. Auch Herr Slash stellt sich mit seiner Slide bei Mudflap Mama nicht ins Scheinwerferlicht, sondern in die Dienste des Songs.
Langsam aber unaufhaltsam entwickelt sich "Unusual Suspects" zur Heavyblues- und Boogie-Dampfwalze, ohne aber Flurschäden zu verursachen. Damit hat West mehr geschafft als die meisten alten und mittelalten Meister dieser Zunft, sogar eine Piano-Ballade mit dem augenzwinkernden Text "Don't call me Legend" hat sich der 65-jährige gegönnt. Und eine pfiffige Boogie-Version des BEATLES-Schlagers I Feel Fine gleich dazu. West hat den Swing wiedergefunden nach all den Jahren bleierner Ich-bin-ein-Woodstock-Gitarrenheld Aussichtslosigkeit. Jetzt kann er mit Slash und Wylde entspannt Turn Out The Lights (The Party's Over) jammen und beweisen warum er einst zum Vorbild vieler Southern Rock Bands wurde. Es muss nicht immer die Mississippi Queen sein.
Man kann als Superstar sehr schnell sehr viel seiner Reputation verspielen, das hat Leslie West getan, zwar nicht schnell, aber nachhaltig. Sie zurückzugewinnen ist umso schwerer, vor allem im gehobenen Alter. West hat es auf der Zielgeraden seiner Karriere tatsächlich geschafft und noch mal ein tolles Album eingespielt. Möge ihm der oberste Gitarrenheldengott noch eine gute Zeit ohne weitere gesundheitliche Katastrophen bescheren.
PS: Auf unserem Vorab-Exemplar ist die Tracklist teilweise vertauscht und die Songtitel stimmen nicht mit der digitalen Markierung überein. Die oben angegebene Tracklist bezieht sich auf die Angaben bei diversen Mailorders. Falls auf dem endgültigen Produkt Abweichungen zu den von uns vermerkten Songtiteln bestehen, bitten wir um Verzeihung.
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