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Final Warning &
Going Insane

(Collector's Edition)
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Final Warning
Going Insane (Collector's Edition)
Final Warning & Going Insane (Collector's Edition), Retroactive Records, 2010 (1984 & 1986)
Charles Michael Vocals
Scott Wood Guitars
Dave Johnson Bass, Keyboards
Keith Behnke Drums
Länge: 41 Min 42 Sek ("Final...") & 44 Min 55 Sek ("Going...") Medium: CD
"Final Warning":
1. Who's To Blame6. Mistaken Identity
2. Outta Control7. Keep Searching
3. Where Are You8. Lucifer
4. The Choice9. Final Warning
5. Heavenly Metal
"Going Insane":
1. Going InsaneBonus Tracks:
2. We Will Rock6. Lucifer
3. Heavenly Metal7. Final Warning
4. Where Are You8. You'd Better Say A Prayer
5. Evil Lies

Jetzt hat Retroactive Production aber ganz tief in der Mottenkiste gegrabbelt und eine echte Perle ans Tageslicht befördert. Das dürfte so manchem White-Metal-Freak der 80er-Jahre die Freudentränen in die Augen schießen lassen. MESSIAH aus Detroit gelten als die (!!!) christliche Undergroundband überhaupt. Wer damals eines der wenigen Alben ergattern konnte, dürfte das nur über irgendwelche Importwege bewerkstelligt haben und hätte somit eine echte Rarität im Haus. Die Vinylscheiben von MESSIAH (egal ob nun von "Final Warning" oder "Going Insane") werden zu absoluten Höchstpreisen gehandelt. Eine Remastered-Version gab es bisher auch noch nicht. Deswegen eine kleine fünfbuchstabige Huldigung an Retroactive Records: DANKE!!!

Ihren Ursprung hatten MESSIAH als Coverband von ALICE COOPER, KISS und BLACK SABBATH. Ihre Shows waren legendär und mit allem, was dazugehörte: einer echten Python, Feuer, nachgestellten Lynchszenen und schwarzen Messen! Also alles wenig fromm. Irgendwann kam es dann zu einem Umdenken innerhalb der Band und man beendete dieses Spektakel. Charles Michael, Gründer und Haupttextgeber von MESSIAH, erzählt die ganze Geschichte auf seiner Homepage. Sehr interessant und spannend zu lesen. Dazu noch recht kurzweilig erzählt. Da kann man wirklich nur staunen, was Gott im Leben eines Menschen an positiven Veränderungen hervorrufen kann.
[Man kann geteilter Meinung sein. Was, zum Beispiel, ist mit der armen Schlange passiert?]
1984 brachten die Jungs dann unter dem gleichen Namen ihre erste Platte auf den Markt: "Final Warning". Und diese schlug ein - sowohl bei Fans wie auch bei Gegnern der Band. Wo immer sie auftraten, nahm man ihnen ihren Lebenswandel nicht ab und konfrontierte sie mit ihrer Vergangenheit. Das führte soweit, dass man ihnen Blasphemie vorwarf und es sogar nach einem Konzert zu einem Mordanschlag auf den Sänger kam, weil man ihn für die Verkörperung des Antichristen hielt. Er entkam dem Anschlag nur knapp und stellte hinterher fest, dass das komplette Banner mit ihrem Bandnamen über dem Eingang der Konzerthalle heruntergeschossen war. Woher kam diese Antihaltung, immerhin warnten sie doch vor Satan und seinen Machenschaften? Charles Michael kann es sich nur so erklären, dass es daran lag, dass er auf der Bühne während der "Final Warning"-Show Messiah sowie Satan verkörperte, letzteren aber in einem riesigen Feuerball Richtung Hölle schickte. Das haben wohl manche Fundamentalisten nicht richtig begriffen. In anderen Städten hingegen brachen Fans in Tränen aus, weil sie die Botschaft verstanden hatten, wieder andere blieben nach dem Ende der Show schweigend und übermannt von ihren Gefühlen in der Halle stehen.

1986 folgte die EP "Going Insane"; danach kam es zum Split zwischen der Plattenfirma, das Geld ging aus, die Band löste sich aus Gründen der Liebe während der Tour auf, man konnte den Forderungen nicht mehr nachkommen und Mr. Michael stand plötzlich alleine und verlassen auf der Straße. Alles Weitere lest selbst nach. So werden Legenden geboren.

MESSIAH praktizieren auf ihren beiden Veröffentlichungen eine Mischung aus BLACK SABBATH, JERUSALEM, ein wenig NWOBHM, leichten Anleihen an KISS und 70ies-Rock. Insgesamt eine gute Mischung, die leider heute altbacken klingt. Nichtsdestotrotz haben diese Veröffentlichungen nichts von ihrem Charme verloren. J Powell von Steinhaus Mastering hat ganze Arbeit geleistet und den warmen Sound der damaligen Aufnahmen gut ausgearbeitet. Fast vermisst man das Kratzen der Plattennadel.
Hier Songs hervorzuheben fällt schwer, weil man bei beiden Scheiben das Gesamtkonzept betrachten muss (bei "Final Warning" noch mehr als bei der EP). Die EP wirkt insgesamt mehr Richtung 80ies-Hardrock als "Final Warning". Am auffallendsten ist dies bei Heavenly Metal, das auf beiden Veröffentlichungen erschien. Als nette Beigabe gibt es bei der EP noch die Originalaufnahmen der beiden Songs Lucifer und Final Warning von 1978. Das klingt dann knietief nach 70er Jahre Rock und macht richtig Spaß.
Beim Opener Who's To Blame von "Final Warning" musste ich allerdings doch mehrmals hinhören, denn irgendwie dachte ich, hier würde John Schlitt von PETRA seine Stimmbänder schwingen. Diesen Eindruck bekommt man im Laufe der beiden CDs immer wieder, aber er ist es definitiv nicht, denn auf die Dauer haben beide Stimmen dann doch unterschiedliche Phrasierungen.

Ich kann nicht anders, als diesen beiden Veröffentlichungen einen TIPP! TIPP!! TIPP!!! auszusprechen. Das hier sind Meilensteine auf dem Weg der christlichen Rock- und Metalmusik und gehören in jedes gutsortierte CD-Regal.
[Oder in den Reliquienschrank des Redaktionsküsters]

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 02.01.2011

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