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Survivors &
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Survivors
Naughty Little Girls
Survivors & Naughty Little Girls, Eigenvertrieb, 2010 & 2006
David Tamargo Guitars, Piano, Leyboards, Vocals
Ivan Tamargo Drums, Percussion, Vocals
Ray Kurtz Bass, Vocals
Pablo "Chazz" Lalanda Vocals
Produziert von: Smoking Bird Länge: 39 Min 37 Sek ("Survivors") & 44 Min 42 Sek ("Naughty...") Medium: CD
"Survivors":
1. Joking Bird6. What We Really Need Is
2. Everybody Knows7. I.k.e.r.
3. Four Cats8. Lighter Than A Leaf
4. Arturo, The Lucky Motherfucker9. Survivors
5. Blowtorch
"Naughty Little Girls":
1. Cool Ass6. Gimme Buzz
2. Rock N'Roll Balls7. The School
3. You Gotta Do It8. Mind Your Own Business
4. Maniac Love9. Movin'
5. Talkin' About You

Für den gemeinen Rock'n'Roller gab es bislang aus Spanien außer den formidablen SUGAR MOUNTAIN nicht besonders viele Bands, die ernsthaft den Weg von der Iberischen Halbinsel zu uns nach Mitteleuropa gesucht und gefunden haben. Gleichwohl gibt es eine zwar kleine, aber durchaus virile Szene, die sich qualitativ nicht verstecken muss. Allerdings neigt der Spanier an sich zu einer gewissen Melancholie (außer er wird gerade Fußballweltmeister oder negiert ein massives Dopingproblem seiner Spitzensportler) und versteckt sich gerne vor der restlichen Welt, was dazu geführt hat, dass nach wie vor die 'Helden der Stille' gemeinhin als wichtigste spanische Band genannt werden. Die konnten zwar die ganz große Geste, aber so richtig Rock & Roll war das nie. Für deutlich mehr Druck und weniger Pathos sorgen - neben dem genannten Zuckerberg - SMOKING BIRD aus Alicante. Zwar aus dem kommerziell unergiebigen Rock'n'Roll-Underground, aber wie krakelte einst der junge Marius, als er noch kein Schnösel war: Ich möcht' zurück auf die Straße, möcht' wieder singen, nicht schön, sondern geil und laut, denn Gold find' man bekanntlich im Dreck, und Straßen sind aus Dreck gebaut.

SMOKING BIRD gibt es seit 1997 (zuerst unter anderem Namen), über die Jahre sind diverse EPs/Singles/Demos und drei CDs entstanden. "Survivors" ist nun die erste Scheibe, die via internationaler Werbung den Sprung sogar ins weit entfernte Deutschland schafft. Aber bevor wir uns der sehr gelungenen CD "Survivors" widmen, kommen wir unserer Sorgfaltspflicht nach und kaufen bei Amazon, CD-Baby oder einem anderen Anbieter die Vorgänger-CD "Naughty Little Girls" aus dem Jahr 2006 für kleines Geld (€7,56 oder $9,99) - und sind nach erfolgtem Download erst mal geplättet.
"Naughty Little Girls" hat nicht nur ein leicht verstörendes Coverbild, das Ding kracht auch enorm. Solchen Haudrauf-Street-Rock traut man dem Spanier an sich kaum zu. Gut ein Drittel der Scheibe ist Sleaze pur, wie ihn einstmals Bands wie GUNS N' ROSES auf der Pfanne hatten. Punk-Attacken, derbe Rock'n'Roll-Ausraster und Highspeed-Boogies wie The School und Mind Your Own Business. Uih, das fetzt. Im Zweifel sogar deutlich heftiger als THE QUIREBOYS in den letzten Jahren. Rücksicht auf Feingeister wird nicht genommen, der enthemmte Pianoprügler klopft einem auch die letzte Füllung aus den Backenzähnen. Im weiteren Verlauf erweist sich Sänger Pablo "Chazz" Lalanda als waschechter Rod-Verehrer (mit Steve-Krikorian-Timbre) und die Rhythmusgruppe inklusive dem Gitarrenschmutzfink David Tamargo als Riffschleuder erster Güte. Siebeneinhalb Minuten Movin' shuffeln garantiert auch die härtesten Bar-Rocker an den Rand der Erschöpfung. Die besungenen Rock'n'Roll Balls sind auf "Naughty Little Girls" in aller Deutlichkeit zu hören, aber trotz allem Vollgaskrawall ist zwischendurch für einen drogenschweren Psychedelic-Albtraum mit anschließendem zweistimmigem Gitarrenfinale in Maniac Love Zeit.
Nicht schlecht, eigentlich sogar sehr gut, Señoras y Señores. Aber es ist offensichtlich viel passiert bei SMOKING BIRD in den letzten vier Jahren, deswegen klingt "Survivors" anders. Deutlich anders. Man könnte die Entwicklung hin zu "Survivors" mit der der deutschen Band LICK AND A PROMISE vergleichen, die ihre Glam-Vergangenheit über Bord geworfen hat und radikal zurück zu den Basics der Rockmusik gegangen ist. Die spanischen Vögel haben sich vom Rotzrock getrennt und… kommen im Jahr 2010 ebenfalls bei jenen Basics an. Muy bien.

Auf dem Cover ist ein gefährlich dreinblickender Adler mit Zigarre im Schnabel und Rauchschwaden um den weißen/weisen Kopf zu sehen. Kein Schriftzug, kein Plattentitel, nur der "smoking bird". Innen dann ähnlich 'gefährliche' Typen im Vintage-Style. Das kommt sehr erdig, rockig, geschmackvoll. Aufgenommen wurde "Survivors" im bandeigenen "Playmobil Studio", also wohl mit kleinem Budget im Übungsraum und am Computer. Vom Ergebnis dürfen sich viele etablierte Bands mit deutlich größerem Etat mehrere Scheiben abschneiden, "Survivors" klingt gut, auch wenn kleine Qualitätsschwankungen auszumachen sind.
Gleich im Opener Joking Bird ist die neue "Bescheidenheit" der Spanier zu hören. Ein kleiner Folk-Song mit akustischer Gitarre und absolut keinem lärmenden Punk-Appeal. Das ist schön, nicht laut.
Everybody Knows zieht das Tempo an, verbeugt sich vor den STONES zu Zeiten von "Sticky Fingers"/"Exile On Main St." und schwelgt ansonsten zum dezenten Rock & Roll in einer feinen Melodie. Spätestens bei diesem zweiten Song wird "Survivors" interessant, denn hier agiert ein gewiefte Band mit einem Klassesänger. Und einem Klassegitarristen, der diese kleinen Licks spielt, die den Kenner unter Starkstrom setzen. Siehe auch Four Cats, das ganz, ganz leicht rockabillysierte Surf'n'Swing-Stück mit der "Wimmerkralle" eines John Cipollina. Zum Beweis folgt in Arturo, The Lucky Motherfucker (lässiger Titel übrigens) gleich eine weitere Nummer, die man einer agilen Band von der amerikanischen Westküste auch abnehmen würde. Bis zur Hälfte jedenfalls, denn in den Siebenminüter sind nach dem Break eine besinnliche Phase und ein furioses Finale eingebaut, das den OUTLAWS in deren Hochzeit gut gestanden hätte. "Survivors" ist also nicht nur schön, lässig und rockig, dieses Album ist auch trickreich. Apropos schön. Die beiden Balladen What We Really Need Is und Lighter Than A Leaf sind genau das.
Blowtorch rockt dann erstmals richtig deftig, verlässt aber nie den Pfad des Rhythm & Blues und hat dazu ein schnuckeliges Klimperpiano aufzuweisen. Der Titelsong schließlich rundet das leider nur knapp vierzigminütige Album erfrischend rock'n'rollig ab.

SMOKING BIRD ist keine Weltsensation, aber eine exzellente Band aus der zweiten Reihe junger Rocker, die sich von ihren eigenen Jugendeinflüssen zurück zu den Einflüssen ihrer Frühhelden arbeiten und dabei die ganze Pracht des Rock & Roll entdecken. Wegen solchen Bands wird es diese Musik immer geben und genau darum ist der Rhythm & Rock von keinem Trend abhängig sondern ein zeitloses Kulturerbe, dem man nicht genug Respekt erweisen kann. Eine sehr, sehr starke Band mit einem (weiteren) starken Album. Es sollten sich alsbald die hiesigen Qualitätsmailorder darum kümmern.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 19.12.2010

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