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| The Colourphonics, The Record Label/ProgRock Records, 2010 |
| Corey Raylor |
Vocals, Guitars, Horn Arrangements |
| Shaun Martin |
Bass |
| Steve Deer |
Drums, Percussion |
| Ken Lee |
Soprano & Tenor Saxophones |
| Nick Sverdloff |
Tenor Saxophone |
| Gäste: |
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| Tony Minnieconn & Miranda Maz |
Vocals |
| Peter Raidel |
Saxophones |
| Geoff Bradley & Andrew Tucker |
Trumpets |
| David Merigot |
Keyboards |
| Produziert von: Mat Hills |
Länge: 41 Min 22 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Looking Back At It All | 6. Found |
| 2. Good Within You | 7. Blossom Haze |
| 3. Find A Home | 8. This Is Not An Exit |
| 4. My Daydream | 9. Underwater |
| 5. Sunset | |
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Mal wieder Stoff für die Guttenberg-Fraktion unter den Musik(ab)schreibern. Es ist zu befürchten, dass THE COLOURPHONICS mangels anderer Ideen mit den wüstesten Vergleichen leben werden müssen, dabei ist die Musik auf diesem spannenden Debut mit so vielen Fußnoten versehen, dass es eigentlich ganz einfach wäre.
Fangen wir damit an, dass die Plattenfirma The Record Label heißt und zur renommierten Firma ProgRock Records gehört. Beide wurden gegründet von dem Amerikaner Shawn Gordon, der wiederum President der Softwarefirma theKompany.com ist. Also progressive Mucke, gefördert von einem Technologiefreak. Nun kommt die Band THE COLOURPHONICS aber aus Australien, was zwangsläufig bedeutet, dass es sich keinesfalls um gescheitelte Nerds handeln kann (die Kerle haben stilecht auch kein Profil bei Facebook), sondern man es mit einem Haufen freundlicher Freaks zu tun hat.
Soweit stimmt alles, dazu kommt noch ein Schuss Jazz, was irgendwie folgerichtig ist, denn Adelaide in South Australia ist eine Kunst- und Kulturstadt mit einer laut Reiseführer umtriebigen Jazzszene. Neben dem Jazz und dem Prog wäre noch eine Extraportion Funk zu erwähnen, der sich mit Hilfe einiger Gast-Bläser immer wieder in Richtung Seventies-Größen wie TOWER OF POWER auswächst, ohne aber jemals im sülzigen Mainstream stecken zu bleiben. Die Kombination Funk und Jazz führt dann zwangsläufig auf die Spuren von beispielsweise CHICAGO in deren Anfangstagen.
Zum bisherigen Süppchen darf man noch die souligen Gesänge von Corey Taylor und den Aushilfsnachtigallen Tony Minnieconn und Miranda Maz einrühren, außerdem eine Spur Latin und, jetzt wird es dann wirklich exotisch, ein Schippchen Psychedelic Rock aus den schwungvoll bekifften Sechzigerjahren.
Progressiv ist diese Melange auf jeden Fall, ziemlich abgefahren auch, wir nennen die Musik der COLOURPHONICS dementsprechend "Australian Funkjazzartrockexperience". Die "Experience" steht auch für mutige, wuchtige, aufregende Jams bei diesem weitgehend live im Studio eingespielten Album.
Man könnte noch erwähnen, dass David Briggs, der frühere Leadgitarrist der LITTLE RIVER BAND, am Masterpult tätig war. Von Briggs stammen unter anderem der 76er-Hit Happy Anniversary, bekanntlich auch nicht ganz unfunky, und das Westcoast-Meisterstück Lonesome Loser. Die L.R.B. war in ihrer besten Zeit (bis etwa 1980) auch ein Füllhorn unterschiedlicher und grandioser Musik.
Über THE COLOURPHONICS ist soweit alles erzählt, die Band ist kinderleicht zu spezifizieren und die neun Songs sind auch gar nicht komplex, deswegen beschäftigen sich die nun noch folgenden 178 Seiten eben damit. Nein, Scherz, die CD ist viel zu reich an Facetten und Überraschungen um sie beschreiben zu können. So ziemlich jeder Hörer dürfte andere Eindrücke gewinnen, meist wird dies altersabhängig sein, aber auch dem jüngsten Konsumenten wird keinerlei geistige Verstaubtheit in den Kompositionen und Arrangements auffallen, im Gegenteil, so oft man das Album hört, so oft gewinnt man neue Erkenntnisse - auch über die Denkweise verdammt guter australischer Musiker.
Trotz des stilistischen Sammelsuriums ist dies ein in sich geschlossenes Werk ohne qualitative Schwachpunkte. Und das Beste ist, dass sich Rock, Funk, Jazz und der ganze Rest nicht nur vertragen, sie ergänzen sich sogar ganz vorzüglich. Ihr könnt es nennen wie ihr wollt - Progfunk, Artrock, Jazz'n'Jamrock oder sonstwie -, für mich ist das einfach nur frische, intelligente und dennoch nicht verkopfte Rockmusik mit einer enormen Massentauglichkeit. Eindimensionale Schubladendenker sind allerdings ausgeschlossen.
An dieser Stelle sollte eigentlich Claude Nobs übernehmen und THE COLOURPHONICS schnellstens zu seinem Festival nach Montreux einladen.
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